Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Bockumer Parks

Der Schönhausenpark  ist einer der schönsten Parks in ganz Krefeld.  Durch ihn geht es auf der heutigen Laufrunde. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Der Schönhausenpark ist einer der schönsten Parks in ganz Krefeld. Durch ihn geht es auf der heutigen Laufrunde.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Gpsies-Link: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=olwpjshknbgrndiz, Länge: 5,43km

Auf dieser Strecke geht es durch viel Grün, aber trotzdem mitten durch Bockum. Der Stadtteil wurde in den vergangenen 150 Jahren dicht besiedelt. Wo früher Wiesen, Ackerland und dichter Busch waren, stehen heute zum Teil imposante Villen und Häuser. Mit kleinen Unterbrechungen bietet sich trotzdem die Möglichkeit, auf grünen Pfaden zu wandeln und zahlreiche Parks zu durchlaufen. Im Buch „Bockum – der Stadtteil im Grünen“ beschreibt Almuth Spelberg vom Fachbereich Grünflächen diese Aneinanderreihung von Kleinoden als „Perlen an einer Schnur“ und „grüne Inseln“. Viele von ihnen haben der dezentralen Landesgartenschau „Euroga 2002 plus“ zu verdanken, dass sie mittlerweile wieder derart schmuck aussehen.

Ein Einstieg in die Runde bietet sich fast überall: an der Uerdinger Straße, im Bockumer Zentrum oder an der Essener Straße, Nahe der Autobahn 57. Sie trennt seit den 1970er-Jahren den ersten der Parks, die wir durchlaufen: Den Neuenhofenpark mit Haus Neuenhofen, das westlich der Autobahn liegt. Jenseits der A57 ist heute noch die Kleingartenanlage Neuenhofen samt See zu finden. Wir beginnen den Lauf also im westlichen Teil des Parks, der im 18. Jahrhundert entstand und, wie die weiteren Parks auf der Strecke, Teil einer ehemaligen Altstromrinne des Rheins ist. Vom eigentlichen Haus Neuenhofen, einem Herrensitz aus dem 13. Jahrhundert, auf einer „Motte“ gelegen und von einem Wassergraben umgeben, sind nur die Kellermauern geblieben. Das heutige Gebäude mit dem Rundturm entstand erst um 1825 bis 1830, nachdem der Seidenindustrielle und Krefelder Bürgermeister Gottschalk Floh das Anwesen und die zugehörigen Ländereien erworben hatte. Doch schon in der Karte der Rheinlande 1804 ist eine Allee zu erkennen, die auf das Haus zuläuft. Floh ließ die Obstgärten innerhalb der Gräben als Landschaftsgarten gestalten, später entstand östlich anschließend ein von Bäumen gesäumtes langgestrecktes Wiesental. Moritz de Greiff kaufte 1895 den Besitz von den Erben Floh, 1927 erwarb ihn die Stadt Krefeld. Heute befindet sich Haus Neuenhofen wieder in Privatbesitz.

An den Park angrenzend und mitten im Bockum befinden sich der Burchartzhof, Sitz des Roten Kreuzes (DRK). Als Kloster wurde dieser Ort 1424 erstmals erwähnt. Der Backsteinbau wurde im Kern erst 1751 errichtet und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erweitert. Nachdem das Kloster 1802 aufgelöst wurde, erwarb die Familie Floh auch dieses Anwesen. Es wurde als Bauernhof genutzt und lange von der Familie Burchartz bewirtschaftet. Seit 1928 war es im Besitz der Stadt Krefeld, bis es 1998 an den Kreisverband des DRK verkauft wurde. Die angrenzende neugotische St. Gertrudis-Kirche steht an der Stelle einer mittelalterlichen Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert. Sie entstand in den Jahren 1857 bis 1859 nach Plänen des Kölner Dombaumeisters Friedrich von Schmidt.

Wir überqueren die Uerdinger Straße, laufen über den Bockumer Platz und am Arkadenhaus vorbei in die Wittensgasse, benannt nach einer verdienten ansässigen Familie. Durch die Gasse gelangen wir später zum Stippergath, von wo die Sichtachse schon in den Sollbrüggenpark und zum Haus Sollbrüggen fällt. Der ehemalige Rittersitz der Familie Saerbrüggen (Saarbrücken) ist bereits seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar und brannte 1781 ab. Das heutige Torhaus ist das älteste noch erhaltene Gebäude und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Süd- und Nordflügel kamen im 19. Jahrhundert hinzu, das Haupthaus um 1840. Haus Sollbrüggen kam kurz zuvor in den Besitz von Peter de Greiff, seit 1925 gehört es der Stadt, seit 1955 ist hier die Musikschule untergebracht.

De Greiff beauftragte den Düsseldorfer Hofgartendirektor Maximilian Friedrich Weyhe damit, die Gartenanlage zu schaffen. Weyhe stand vor dem Problem, ein 800 Meter langes, aber nur 150 Meter breites Areal vorzufinden. So schuf er den Garten zweiteilig: Dem Haus ordnete er einen Blumenpark zu und im Westen legte er den Landschaftspark an. Beides ist heute wieder deutlich zu erkennen: Das Rondell vor dem Haus Sollbrüggen und der angrenzende Hügel samt verschiedener Laubbäume bestimmt den einen Teil, langgezogene, lichtdurchflutete Wege entlang des mittigen Wasserlaufs dagegen den anderen. Erst durch die Euroga gelang es, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, denn zwischenzeitlich war der Park arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Unsere Strecke führt bis kurz vor Haus Sollbrüggen, ehe wir nach rechts um den Wassergraben herum laufen und dann dem Weg lange, bis zum Ausgang aus dem Park, folgen.

Direkt im Anschluss finden wir uns im Schönhausenpark wieder. Der Textilfabrikant, Weinhändler und Bockumer Beigeordnete Carl Hügel ließ seine Villa mit gegen 1865 erbauen und nannte sie aus Verehrung an Reichskanzler Bismarck nach dessen Geburtsort bei Magdeburg. Hügel war keiner der eingesessenen Textil-Magnaten, sondern ein Selfmade- und Lebemann, der auch gerne mal in seinen Park zum Feiern einlud. Die Villa im italienischen Stil, Bauherr war der Krefelder August Jentges, trug im Volksmund den Namen „Sockenburg“, denn Hügel verdiente sein Geld auch als Strumpfhersteller. Mit dem Herrenhaus ließ er zudem die Wirtschaftsgebäude am Rott bauen. Die Villa wurde lange von der Musikschule der Stadt genutzt und stand zuletzt leer. Bald wird die Deutsche Sportlotterie einziehen. Wer den Garten rund um die Villa schuf, ist nicht klar. Viele Wege, kleine Hügel, Brücken und Teiche zeigen aber, dass der Bauherr Geschmack bewies. Hügel starb 1894, schließlich kaufte die Stadt 1934 Villa und Park vom Fabrikanten Max Gompertz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die kleinen Details des Parks sukzessive aufgegeben, Wege verschwanden, Bäume und Sträucher wurden wahllos gepflanzt, Teiche, Tempel und Brunnen dem Erdboden gleichgemacht und die Pflege reduziert. Der Park verfiel in einen langen Dornröschenschlaf. Erst mit der Euroga kam es auch hier zur Wiederherstellung in den einstigen Zustand, obwohl sich, wie auch im Sollbrüggenpark, die Bürger massiv gegen die Baumfällungen wehrten. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen, der Schönhausenpark gilt heute als einer der schönsten in ganz Krefeld.

Unser Lauf führt am Spielplatz vorbei, wo sich früher ein Obstgarten befand, dann über einen gepflasterten Weg am Brunnen und der Villa vorbei. Geradeaus würde es nun durch Kleingärten bis zum Stadtwald gehen, wir jedoch biegen nach links, umlaufen den Weiher und orientieren uns Richtung Uerdinger Straße. Zwei Möglichkeiten bieten sich nun: Variante eins führt um den Zoo herum auf die Violstraße und hinter der Futtermeisterei über den neu angelegten Weg zwischen Zoo und Grotenburg-Stadion hindurch zur Vadersstraße. Sie ist benannt nach dem Bockumer Lehrer Peter Vaders, der Gründer des Kirchgesangsvereins und Direktor der Crefelder Lokalabteilung des Landwirtschaftlichen Vereins war. Variante zwei führt direkt auf die verkehrsberuhigte Vadersstraße, die über einige Schwellen unmittelbar am Zoo vorbeiführt. Am Ende treffen sich die Wege beider Varianten, so dass wir durch die angrenzende Grünfläche und an einem Spielplatz vorbei laufen. Die Parkfläche nennt sich Am Sonnenhof, wobei man einen gleichnamigen Hof hier nie vorgefunden hat. Die Herkunft des Namens ist also unklar. Wir überqueren die Uerdinger Straße, laufen wieder in den Sollbrüggenpark und nähern uns diesmal dem Haus Sollbrüggen von der anderen Seite, also rechts an ihm vorbei. Kurz nach dem Rondell passieren wir das Kunstwerk, zwei sechs Meter hohe Stehlen, des Krefelder Künstlers Hans Joachim Albrecht. Einst stand die „Figürliche Doppelform“, so ihr offizieller Name, im Innenhof des Hauses, seit einigen Jahren nimmt sie nun im Außenbereich Platz. Über den Stippergath und die Wittensgasse gelangen wir zurück ins Bockumer Zentrum zum Neuenhofenpark, dem Ausgangspunkt unserer Laufstrecke.

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