Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Forstwald

Der Krefelder Forstwald. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Der Krefelder Forstwald.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Der Lauf auf dem historischen Kampfareal

Gpsies-Link: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=fhbbhzqzesvmyqnu, Länge: 7,86km

Wer im Süd-Westens Krefelds wohnt, für den gibt es kein schöneres Laufgebiet als den Forstwald. Die vielen verschiedenen Wege machen nicht nur spielerisch Abkürzungen und Verlängerungen möglich, sondern bieten auch immer wieder neue Routen. Langeweile kommt so nie auf, es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Auch wenn der Forstwald zurzeit in ein herbstliches Blätterkleid gepackt ist und viele Läufer anlockt, die größte Anzahl von Ausdauersportlern findet sich hier regelmäßig zum Jahresende, zum traditionellen Silvesterlauf, ein. Dabei laufen die Läufer nur auf einem kleinen Teil der üblichen Runde. Die beginnt zumeist in der Nähe des Sportplatzes am Bellenweg oder dem Bahnhof Forstwald, da sich hier einige Parkmöglichkeiten befinden. Die „normale“ Runde ist rund 4700 Meter lang, kann aber beliebig abgekürzt oder erweitert werden. Vom Bellenweg, der seinen Namen vom gleichnamigen Bellenhof hat, läuft man zunächst in südliche Richtung über die Plückertzstraße (auch nach einem Hof benannt) – Achtung Autoverkehr – nach der es nun in den geschichtsträchtigen Wald hinein geht.

Entstanden ist der Forstwald im Jahre 1830. Der Kaufmann Gerhard Schumacher ließ auf dem Gelände der St. Töniser (Sankt Antonis) Heide, die er 1822 von der bettelarmen Gemeinde Vorst ersteigert hatte, einen Landschaftspark anlegen und mit Kiefern aufforsten. Nach einem verheerenden Brand folgte eine zweite Aufforstung mit dem bis heute bestehenden Wegenetz. Schumacher war Naturfreund durch und durch und betrieb schon an seinem Wohnort, dem Gut Großlind in Tönisvorst, einen botanischen Park. An der Kreuzung der Plückertz- und Forstwaldstraße, die übrigens schon damals bestand, baute Schumacher 1838 das Forsthaus als Jagdsitz. Es bildet seitdem das Zentrum des umliegenden Waldes. Von dort konnte Schumacher über das dichte Wegenetz auf die Pirsch gehen. Im rückwärtigen Bereich gibt es übrigens ein kleines Wildgehege.

Die übliche Laufroute schlängelt sich nach der Überquerung der Forstwaldstraße am Sieger-Hof, einem 350 Jahre alten Wehrhof, vorbei und trifft schließlich auf eine der großen Alleen im Forstwald, den Bosseljonweg, benannt nach dem Krefelder Musiker, Maler und Dichter Bernd Bosseljon. Was der eine mag, ist dem anderen eine Qual: Der Blick geht in die Ferne – noch so weit? Vor Schumachers Engagement für die Grüne Lunge im Südwestend war es allerdings nicht anders. Die Heide war ein plattes, ödes Land, von Bäumen keine Spur. Am Bosseljonweg begegnet den Läufern auch erstmals die Landwehr im Forstwald. Sie wurde um das Jahr 1350 auf Betreiben des Kölner Kurfürsten zwischen den Ämtern Kempen und Linn angelegt. „Im Spätmittelalter wurden Landwehren vor allem zur Wahrung des Landfriedens angelegt, aber auch zum Schutz vor Vieh- und Holzdieben“, erklärte Dr. Christoph Reichmann, Leiter der Museen Burg Linn, jüngst bei einem Termin vor Ort. Im Forstwald lag zwischen den Hauptwällen und -gräben ein Höhenunterschied von fünf Metern. „Auf den Wällen war eine dichte Bepflanzung mit Dornenbüschen, die das Durchdringen verhindern sollte“, so der Archäologe. Wer im Forstwald läuft, kann Teile des verbliebenen Stücks, rund 1600 Meter, zu diversen Übungen nutzen. Bewusst ist das Betreten nicht überall möglich, denn Vorsicht ist geboten: Seit 1988 steht die Wehr unter Denkmalschutz. Diverse Schutzmaßnahmen und Bepflanzungen sollen eine weitere Zerstörung verhindern, die Läufer, Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer in den vergangenen Jahren verursacht haben. Auf mehreren Informationsstelen kann sich der Läufer, zum Beispiel während einer kurzen Verschnaufpause, über die Bedeutung der Wehr informieren und sich entsprechend verhalten.

Kurz vor dem TC Forstwald biegt der Weg nach links ab und verläuft nun parallel zur B 57, Richtung Landgasthof Hückelsmay. Hier tobten einst wilde Schlachten, da sich die Heide für den Aufmarsch und Kampf Mann gegen Mann eignete und die Wehr, wenn auch trügerischen, Schutz bot. Während des Hessenkriegs im Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) hatte sich der kaiserliche General Lamboy mit seinem 9000 Mann starken Heer in der „Schlacht an der Hückelsmay“ (1642) hinter der Wehr verschanzt, wurde jedoch vom französischen General Jean Guebriant mit gleicher Truppengröße geschlagen. Die zweite Schlacht, die „Schlacht von Krefeld“ am 23. Juni 1758 sollte weitaus blutiger ausgehen. Der preußische Prinz Ferdinand zwang mit seinen 32 000 Soldaten das französische Heer, bestehend aus 47 000 Mann, in die Knie. Diesmal hatte der französische Heerführer Clermont die Landwehr als Verteidigung gewählt. Ferdinand fiel ihm und dem sehr viel größeren Heer jedoch in den Rücken und konnte den Sieg erringen. Ein Denkmal an der B57 erinnert an die Schlacht mit 5700 Toten, ein dazugehöriges Diorama steht im Museum Burg Linn.

Zurück zum Lauf: Nach einer 90 Grad-Linkskurve geht es erneut über die Landwehr und an einem Steinkreuz vorbei. Hier beginnt (oder endet) auch ein Trimm-Dich-Pfad. Nach einer Linkskurve führt der Weg nun einen guten Kilometer in nord-westliche Richtung und auch am Bürgerwald an der Plückertzstraße vorbei. Hier können Bürger oder Institutionen zu verschiedenen Anlässen Bäume pflanzen – natürlich mit Hilfe des Fachbereichs Grünflächen. Nun ist die Bahnstrecke nicht mehr weit. Sie verläuft hier seit 1854, ein Bahnhof kam auf Initiative der Witwe von Schumacher 1896 hinzu, was den Tagestourismus deutlich förderte.

Die Bahnstrecke, zu der parallel im Wald gelaufen wird, und die Bäume im Forstwald, die im Sommer viel Schatten spenden, hatten den Forstwald übrigens für weitere militärische Zwecke interessant gemacht. Die NSDAP-Organisation Todt hielt sich während des Zweiten Weltkriegs ständig im Wald auf und konnte sich unbemerkt vom Feind bewegen. Vereinzelte Gefechte gab es beim Durchmarsch der Alliierten im März 1945. Die Briten nutzten später vereinzelt Gebäude der Organisation Todt und bauten ab 1952 an der Grenze zu Tönisvorst eine Kaserne für das 28. Signalregiment.

Wer mag, kann nun nach links Richtung Sportplatz abbiegen – oder hängt noch eine Verlängerung dran. Hierzu bietet sich der Weg neben den Bahnschienen an. Am Stockweg macht dieser eine harte Linkskurve. Folgt man diesem Weg neben der Plückertzstraße, ist der Bellenweg schon fast in Sichtweite. Eine weitere Alternative bietet sich am Stockweg: Die Bahnschienen überqueren und in das der Kaserne gegenüberliegende Waldstück. Dieses ist etwas wilder in seinem Bewuchs und auch die Wege sind nicht sehr eben, also Vorsicht. Am besten folgt man dem kleinen Weg und biegt dann rechts in den Degensweg. Hier stand übrigens bis 1970 das imposante Hotel Praaßhof, gebaut vom Architekten Buschhüter. Nach fünfhundert Metern taucht auf der linken Seite ein Baggersee auf, jetzt rechts abbiegen und wenig später wieder rechts, zurück zum Forstwald.

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