Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Hülser Bruch

Der Flöthbach wird mehrmals überquert. Er umfließt den Kapuzinerberg.

Der Flöthbach wird mehrmals überquert. Er umfließt den Kapuzinerberg.

Gpsies-Link: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=tphyozzeczouudko, Länge: 14,3km

Das Hülser Bruch ist das El Dorado der Krefelder Läufer, die nicht so sehr auf den „normalen“ Lauf stehen. Denn mit seinen drei „Bergen“, dem Hülser Berg, dem Kapuzinerberg und dem Inrather Berg bietet er Trailläufern fernab von Mittelgebirgen und hochalpinen Gegenden zumindest eine kleine Möglichkeit, in die Höhe zu schweifen. Alle drei Berge bieten übrigens trotz ihrer geringen Höhe an einigen Stellen knackige Anstiege, die einen schnell aus der Puste bringen. Das Hülser Bruch ist übrigens häufig Schauplatz von Läufen: Der Krefelder Gesundheitslauf führt auf einer flachen Fünf-Kilometer-Route bis an den Hülser Berg und zurück zum Start am Sportplatz Hölschen Dyk. Eine ähnliche Route wird auch bei „Vera Beckers läuft“ gelaufen, bei der der Krefelder Schulstadtmeister gesucht wird. Der erstmalig ausgetragene Seidenraupen-Cross begeisterte die Crossläufer, die über alle drei Berge liefen.

Zwischen dem Kapuzinerberg und dem Inrather Berg, am Parkplatz Flünnertzdyk, Ecke Langen Dyk, startet die heutige Route. Wer übrigens ein GPS-fähiges Handy besitzt, sollte dies zur Sicherheit mitführen. Zwar sind die Wege im Bruch fast alle parallel zueinander angelegt worden – und damit recht leicht zu orten – doch wer sich hier nicht auskennt, kann schnell die Übersicht verlieren. Los geht’s, und zwar zunächst die steile Rampe auf den „linken“ Berg, den Kapuzinerberg. Der Weg hinauf auf die ehemalige Hausmülldeponie ist bis auf den Anfang und das Ende recht einfach zu laufen. Oben angekommen bietet sich am Gipfelkreuz, 77 Meter über dem Meeresspiegel, ein toller Blick über Krefeld. Doch verschnaufen wollen wir hier noch nicht. Wer möchte, kann eine steile Passage einbauen, ansonsten geht es den gleichen Weg wieder hinunter. Wir halten uns auf dem letzten Stück aber links, um über den Flöthbach und am Anglersee vorbei Krefelds höchsten Berg zu erklimmen. Kurz nach dem See geht es auf den Inrather Berg. Er ist eine ehemalige Bauschuttdeponie, auch Kriegstrümmer lagern hier und luken hin und wieder durch das dichte Geäst hindurch. Bis auf 87 Meter führt der Weg, der den Berg gleich zweimal umrundet – nicht steil, aber stetig. Eine Panorama-Aussicht gibt es von oben nicht, da auf dem Gipfel Bäume wachsen. Auch hier gibt es nur den einen Weg hinunter. Unten geht es nach links weiter, über den Sprudeldyk (benannt nach einer ehemaligen Mineralquelle) und dann nach links und direkt wieder rechts in den Johansenweg. Dieser windet sich durchs Bruch, was sicherlich attraktiver ist, als einen der vielen langen Geradeaus-Wege zu laufen. Nach rund 1,5 Kilometern schlängelt er sich über den Plankerdyk, dann geht es rechts herum, Richtung Norden über den Sankertgraben bis zum Steeger Dyk.

Der Sankertgraben stellt den Hauptvorfluter für das östliche Hülser Bruch dar – für den westlichen Teil ist der Flöthbach zuständig. Benannt nach dem „Sankert“, einem Feuchtgebiet südlich des Flünnertzdyks, wurde der Graben angelegt, um das Hülser Bruch trocken zu legen. Die „Meliorationsgräben“ entwässern vielfach in den Sankertgraben. Diese Gräben, sie erinnern vom Aussehen ein wenig an Spargelanbau, begegnen einem während des Laufs fortwährend. Ihren Namen haben sie aus dem Lateinischen „Meliorare“, das bedeutet verbessern. Durch die Anlage von Gräben und Wällen wurde im 19. Jahrhundert das Bruch nutzbar gemacht, aus dem Sumpf wurde ein Wald. Auf den im regelmäßigen Abstand aufgeworfenen Wällen konnten Bäume wurzeln, während in den angelegten Gräben dazwischen das anstehende Wasser abgeführt wurde. Noch vor rund 150 Jahren waren Bruch und Hülser Berg weitgehend waldfrei. Heide bestimmte das Bild.

Nachdem der Steeger Dyk überquert ist, geht es kurz nach rechts und dann nach links in den Junkersdyk. Er hat seinen Namen vom Seidenhändler Johannes Junkers, der den Krefelder Wanderklub gründete. Nach einer Linkskurve geht es dann rechts zum Hülser Berg. Er ist die höchste natürliche Erhebung in Krefeld (immerhin 63 Meter hoch) und durch die Saale-Eiszeit vor 150 000 Jahren entstanden. Das aufgeschichtete Geröll, welches die Gletscher von Skandinavien kommend vor und unter sich her- und mitschoben, blieb nach dem Abtauen zurück. Der Weg zum Berg ist nach dem ehemaligen Konrektor der Hülser Schule, Heinrich Mertens, benannt. Unsere Route führt nach rechts und an der zweiten Kreuzung nach links. Vorbei am Gedenkstein für Mertens erreichen wir die Eremitenquelle und Reste einer Wallanlage. Sie ist die einzige bekannte Befestigung aus vorrömischer Eisenzeit (500-300 vor Christus) am linken Niederrhein. Das Befestigungswerk besteht aus einem Wall und zwei Gräben, die heute noch bis zu zwei Meter hoch und 1,5 Meter tief sind. An der Eremitenquelle fand der Legende nach einst ein Einsiedler Rast. Weitere Bodenvertiefungen, die uns auf dem holprigen Weg begegnen, sind Tonkuhlen, ehemalige Abbaustellen der Lehmstecher. Über den Weg geht es nun, mal auf, mal ab, bis zum Johannesturm – wer mag, kann die 29 Meter oder 163 Stufen erklimmen, um einen traumhaften Blick über den Niederrhein zu erhaschen. Wieder unten geht es Richtung Bergschenke. Vor dem Spielplatz aber nach links und dann über einen breiten Weg steil nach unten auf den Talring. Vielen ist er im Winter als perfekte Schlittenabfahrt bekannt.

Der Lauf führt nun entlang des Talrings bis zur vierten Abbiegemöglichkeit nach rechts, dem Reitweg folgend Richtung Hubertushof, und dann in den kleinen Weg auf der rechten Seite. Dieser schlängelt sich durch dichten Wald auf den Rohrammerdyk. Diesen laufen wir bis zum Steeger Dyk, dem wir in Richtung Hüls folgen, aber schon nach wenigen Metern queren, um in das Melmsträßchen einzubiegen. Nach 500 Metern bietet sich auf der rechten Seite noch einmal die Möglichkeit, ein Stück des Helmut-Mertens-Wegs zu laufen. An seinem Ende biegen wir nach links und laufen nun den einzigen asphaltierten Teil unserer großen Runde, den Langen Dyk. Jetzt ist es nur noch ein knapper Kilometer – fertig!

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