Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Stadtwald

Der Deuß-Tempel erinnert an den Stifter des Krefelder  Stadtwalds, Wilhelm Deuß.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Der Deuß-Tempel erinnert an den Stifter des Krefelder
Stadtwalds, Wilhelm Deuß.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Gpsies-Link: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=ihomkkofvifrrtfm, Länge: 4,73km

Für die meisten Krefelder ist der Stadtwald die grüne Lunge Krefelds. In seinem Süden grenzt er quasi an die Stadtmitte, im Norden und Osten ist er von weiten Feldern umgeben. In unmittelbarer Nähe lässt es sich sehr gut leben, die Grundstückspreise spiegeln das wieder. Gleichzeitig ist der „Central Park der Samt- und Seidenstadt“ perfekt für Sportler und Freizeitsuchende. Wahrscheinlich hatte Seidenbaron Wilhelm Deuß genau das im Sinn, als er 1897 der Stadt das Areal, damals 35 Hektar groß, übergab. Mit zwei Schenkungen ermöglichte er zudem den Zukauf von weiteren Flächen. 1901 gab die Stadt die ersten Bereiche des im Stil englischer Landschaftsgärten angelegten Parks für die Bürger frei. Verständlich, dass an Deuß direkt hier erinnert werden muss: mit einer nach ihm benannten Straße und dem gleichnamigen Tempel am Weiher.

Unser Lauf beginnt zwischen den Tennisplätzen des Crefelder HTC und dem Stadtwaldhaus, das 1911 aus einer Waldschänke hervorging. Im zweiten Weltkrieg nutzte es die Wehrmacht kurzzeitig als Kaserne, später kamen dann die englischen Truppen und richteten hier ihren Verwaltungssitz ein. Fast wäre es in den späten 1950-er Jahren einer neuen Stadthalle gewichen, die direkt am Weiher entstehen sollte. Nachdem die Pläne fertig waren, lehnte sich Bevölkerung aber auf und sprach sich gegen ein solches Projekt aus. Der Stadtrat kam diesem Drängen nach. Wir starten nicht nur wegen der vielen Parkmöglichkeiten hier, sondern auch, um nach dem Lauf im größten Biergarten Nordrhein-Westfalens ein Wasser trinken zu können. Grundsätzlich ist im Stadtwald so ziemlich jedes Maß zu laufen: eine kleine Runde um den Weiher, eine größere um die Rennbahn oder die Standard-Route auf dem äußeren Ring, die 4,75 Kilometer lang ist. Das gute an letzterer: man kann sich kaum verlaufen.

Und so beginnt der Lauf direkt auf dem Weg, der vom Biergarten nach Westen führt. Schon bald passieren wir die Tennisplätze des Bundesligisten HTC Blau-Weiß und wenig später das „gelbe Haus“, in dem der Künstler Chris Worms mit Birgit Schlechter sein Atelier hat. Ein Besuch lohnt sich allemal, allein der Garten verführt einen in eine andere Welt. 18 Jahre haben die beiden hier gewerkelt, ehe das Schmückstück im heutigen Glanz erstrahlen konnte. Für die Mühen gab es 2012 den Krefelder Denkmalpreis. Wir folgen dem Weg, der sich zunächst nach rechts windet, um wenig später nach links abzubiegen, und „außen“ zu bleiben. Zahlreiche Wege kreuzen und führen ins Innere des Stadtwaldes, man kann also ständig abkürzen oder verlängern. Wir lassen die Hundefreilaufwiese rechts liegen und durchlaufen ein ehemaliges Flussbett weiter Richtung Norden. Wer zu dunkler Stunde läuft, kann auch die parallel verlaufende Deußstraße nutzen. Früher fuhr hier übrigens die Straßenbahnlinie 12 im Stundentakt nach Moers. Wenige Meter weiter führt die Brücke über den Europaring. Wem die normale Runde nicht reicht, kann über die Brücke entlang der Nieper Kuhlen bis nach Traar und über den Buscher Holzweg und die Alte Kemmerhofstraße zurück laufen (circa fünf Kilometer mehr). Wir biegen aber nach rechts und laufen parallel zum Ring. Langsam aber sicher schiebt sich eine sumpfige Landschaft mit dem Moersbach dazwischen. Dieser Teil des Waldes kam 1927 hinzu.

Auf der rechten Seite schimmert die Galopprennbahn, eine der schönsten in Deutschland, durch das Geäst. Natürlich bietet sich immer ein Abstecher an, morgens werden die Pferde im angrenzenden Stall, von Mario Hofer betreut, auf der Sandbahn bei Sonnenaufgang trainiert. Die Trainingsstrecke führt in einem großen Bogen einmal um die gesamte Rennbahn herum. 1912 erging der Auftrag an den Architekten August Biebricher, der die äußere Architektur aller Tribünen entwarf, und an ein Kölner Ingenieurbüro, von dem die Entwürfe und die Gestaltung der Innenräume sowie der technischen Einrichtungen stammen. Am 11. Juni 1913 gab es schließlich den ersten Renntag. Unser Weg führt weiter Richtung Osten bis zur Hüttenallee und dann hart nach rechts. Geradeaus ginge es über die Vreed zum und durch den Kleingartenverein Alt Bockum. Die Verlängerung vorbei an einer der besten Hähnchenbratereien würde 500 Meter Verlängerung bedeuten.

Der äußere Ring verläuft nun an der Anlage des Hockey-Bundesligisten Crefelder entlang. Für kurze Zeit fühlt man sich dank der Vegetation wie in einer Heide. Der Weg schlängelt sich am Großhüttenhof vorbei, zu dem das angrenzende Areal, der frühere private Hüttenpark, einst gehörte, und biegt dann wieder tiefer in den Wald ein. Nun befinden wir uns am südlichen Ende der Galopprennbahn. Erneut blicken wir auf ein gelbes Haus, Baujahr 1908, und auch hier haben sich Künstler niedergelassen. Frank Jacob Esser und die Theater- und Sozialpädagogin und Filzerin Jutta Maria Wittmann haben hier ihr Atelier „Roter Fuchs“ mit zahlreichen Angeboten für Kinder. Wer übrigens möchte, kann jetzt noch eine Extra-Runde einlegen und einfach den Weg nach rechts, um das Gelände der Galopprennbahn, laufen. Die Verlängerung bringt knappe drei Kilometer.

Das Stadtwaldhaus ist allerdings auch fast schon in Sichtweite. Und damit auch das verdiente Erfrischungsgetränk – oder man wendet einfach und läuft die Route noch einmal, nur in entgegen gesetzter Richtung oder biegt mal hier nach links oder mal da nach rechts. Im Stadtwald sind so viele verschiedene Routen möglich, dass jeder auf seine Kosten kommt.

Wie man im Stadtwald fernab der Wege läuft, könnt ihr hier auf dem Video sehen. Viel Spaß!
https://www.youtube.com/watch?v=kC4gtnLIUDM

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