Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Von Uerdingen den Rhein entlang

Der Rheindeich in Uerdingen ist fast durchgehend 13,30 Meter hoch.  Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Der Rheindeich in Uerdingen ist fast durchgehend 13,30 Meter hoch. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Gpsies-Link: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=qpabdejdvbchvoop, Länge: 10,99km

Die heutige Jogging-Route führt von Uerdingen bis nach Duisburg und zurück. Kontrastreicher kann ein Lauf kaum sein – er führt durch städtisches Leben und Industrie bis hin in die Natur. Ständiger Begleiter ist dabei der Rhein. Startort ist Am Wallgarten, Ecke Augustastraße. Hier gibt es an der Straße Parkplätze, auch eine Straßenbahnhaltestelle ist nicht weit. Die langgezogene Gartenanlage war einst der Wassergraben vor der mittelalterlichen Stadtmauer, seit 1910 ist sie ein Grünstreifen mit mächtigen Bäumen. Es gibt Pergolen und mehrere Brunnen, 1928 kam das Kriegerdenkmal hinzu. Der fünfgeschossige Eulenturm war der Südwestturm der ehemaligen Stadtbefestigung und wurde 1325 bis 1330 erbaut. Er diente zunächst als Gefängnis, dann bis vermutlich 1795 als Mühle.
Unser Weg führt über die Straße Am Obertor (das Tor steht seit 1877 nicht mehr) und am Rheinhorst vorbei. Rudolf Wedekind, ein Uerdinger Chemiefabrikant, baute diesen repräsentativen Wohnsitz 1906. Auf dem Turm ließ er sich eine Sternwarte einrichten. In den 1930iger-Jahren ging das Haus in städtischen Besitz über, es beherbergte zunächst eine Abteilung des Textilmuseums, diente dann als Realschule und ist seit 1980 Berufsbildungsstätte. Weiter geht es Richtung Dammstraße. Die Stadt Uerdingen hatte das dortige romantische Rheinschlösschen als Bauherr Ende des 19. Jahrhunderts als Kontrast zur 1896 entstandenen und 2007 abgerissenen Garten-Lokalität „Rheinlust“ bauen lassen. Im „Architekturführer Krefeld“ wird auf die baumbestandene, spitzwinklinge Gartenterrasse, das auf der Flussmauer aufsitzende Zugrestaurant, den Erker mit der Glockenhaube, Fachwerkeinlagen und die „klammerförmigen Eckbossierungen“ aufmerksam gemacht, wodurch es einer Burg ähnelt. Direkt daneben hat sich seit 2006 die Trattoria „La Riva“ etabliert.

Der Weg führt über den Damm in nördliche Richtung, übrigens einst der Ostwall von Uerdingen. Dabei sehen wir auf der rechten Seite den Uerdinger Steiger, links das Casino, 1833 von der elitären Casino-Gesellschaft erbaut und mittlerweile Heimat des französischen Restaurants „Chopelin“. Gegenüber liegt die Gaststätte „Zur Krone“. Auf einem Teil der alten Stadtmauer steht hier der Heilige Nepomuk, der die Rheinstadt vor Überschwemmungen bewahren soll. Die Querung über das Rheintor gibt es erst seit 1880 auf Veranlassung des Deichgrafen Wilhelm Peters. Die heutige Deichgräfin Petra Weber wird sich in den kommenden Monaten eher mit dem Thema „Deichsanierung“ beschäftigen. Ob und wie dieser Streckenabschnitt dann noch genutzt werden kann, ist offen. Das heutige Rheintor steht etwas weiter östlich, als das alte, das 1827 von der Stadt verkauft wurde und Kohlelagerplätzen wich. Durch das neue Tor kamen die Uerdinger leichter zur Werft. Früher wurde es zum Hochwasserschutz mit Holzbalken verschlossen, heute wird eine metallene Spundwand eingesetzt.

Wir laufen weiter Richtung Norden, vorbei am Zollamt und der Druckerei Schotte, in der aktuell die Kunstwerke aus dem Kaiser-Wilhelm-Museum aufbewahrt werden. Etwas weiter links zeigt sich nun die ehemalige Weinbrennerei Dujardin. Die Familie Melcher hatte sich seit dem 18. Jahrhundert der Schnapsproduktion gewidmet, aber erst als sie 1905 mit der französischen Familie Dujardin ein gemeinsames Unternehmen aufbaute, gelang der Durchbruch. Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Firma zur erfolgreichsten Branntwein-Brennerei Deutschlands, 1930 zog sie an die heutige Stelle. Rund 450 Mitarbeiter standen in Lohn und Brot. Doch während der 1970-er Jahre sank die Nachfrage nach Spirituosen. Deshalb fusionierte Dujardin 1983 mit der Firma Racke und verlegte Vertrieb, Verwaltungen und Abfüllung nach Bingen. Dank des USA-Heimkehrers Mathias Melcher hat sich die ehemalige Produktionsstätte heute in ein Museum samt Restaurant und Biergarten entwickelt. Anspruchsvolle Wohn- und Gewerbefläche wurden geschaffen. Ein Blick in den Innenhof lohnt sich.
Auf der rechten Seite liegt dann die ehemalige Spedition Münker.

Entlang der Rheinuferstraße sehen wir auf der einen Seite den Chempark, auf der anderen den Rhein. Der Chempark hat seinen Ursprung in der 1877 aufgebauten Fabrik von Edmund ter Meer, der 1896 mit Julius Weiler fusionierte. Mit weiteren fünf Chemie-Unternehmen folgte 1925 die Fusion zur IG Farben, 1951 erfolgte dann die Neugründung als „Farbenfabriken Bayer AG“. In Uerdingen bedeutete diese Entwicklung ständige Expansion, das Örtchen Hohenbudberg, urkundlichen erstmals um 900 herum erwähnt, das wir nach rund einem Kilometer entlang des Rheins erreichen, ist weitestgehend dem Chempark gewichen. Zunächst zeigt sich auf der rechten Seite jedoch das Bayer-Casino. Der Bau von 1960 steht seit einiger Zeit leer, der Denkmalschutz bemüht sich um den Erhalt, während Bayer gerne näher an den Fluss rücken würde.

Früher war an diesem Standort das Ausflugslokal Schmitz-Neppes beheimatet. Es ist nur eines von vielen Gebäuden, die es nicht mehr gibt: die Horster Mühle, Haus Dreven, mehrere Höfe und Gaststätten sowie die Schule. Einzig die Kirche St. Matthias samt Friedhof ist geblieben. Die Kirche wurde 1852/1854 neu gebaut, der Westturm stammt jedoch noch aus dem Vorgängerbau, der erstmals 1150 erwähnt wurde. Wir lassen auf unserem Weg die Kirche rechts liegen und laufen über den Parkplatz auf die letzten Wohnhäuser von Hohenbudberg zu, ehe wir dann hart nach rechts auf die Deichstraße abbiegen und nach wenigen Metern links auf den Deich laufen. Der Weg verläuft nun lange auf der Deichkrone.
Auch wenn auf der anderen Seite die Duisburger Schwerindustrie immer näher rückt, genießen wir hier Natur pur. Der Deich teilt sich nun, wir bleiben auf dem Pfad, der geradeaus führt. Links von uns liegt nun die Roos, ein Altrheinarm, der 1860 vom Rhein abgetrennt wurde. Die untere Abtrennung wurde 1930 wieder aufgehoben. Eine Schwelle im Bereich der Anbindung führt dazu, dass in einem durchschnittlichen Jahr an knapp 100 Tagen eine Verbindung mit dem Hauptstrom besteht. In dieser Zeit müssen wir spätestens an dieser Stelle wenden, ansonsten kann man über die Anbindung weiterlaufen und hat zahlreiche Möglichkeiten: durch die Felder auf den Deich und Richtung Uerdingen über die Eisenbahnsiedlung zurück. Oder über verschiedene Wege durch die Rheinaue Friemersheim, zum Beispiel zur ehemaligen Wasserburg. Oder tatsächlich bis zum Ende, bis einen ein Hafenbecken in Duisburg stoppt.

Strecken gibt es also genug, wir begnügen uns heute mit Variante eins und kommen so wenig später am Wasserturm der Eisenbahnsiedlung vorbei. Er wurde 1915 von der preußischen Eisenbahnverwaltung zur Versorgung des Rangierbahnhofs Hohenbudberg und der Eisenbahnersiedlung errichtet. Etwa 50 Jahre später verlor er seine Bestimmung und beheimatet heute Ateliers, Büros und Wohnungen. Wenig später geht es über den Deich, der die Roos trennt und die Grenze von Krefeld und Duisburg darstellt. Dann noch ein wenig auf dem schon gelaufenen Stück und schließlich hinter der Kirche – oder hinter dem Casino – zurück auf die Rheinuferstraße dem Startpunkt entgegen. Auch wenn wir den Weg schon gelaufen sind, der Blick auf Uerdingen und die Rheinbrücke ist lohnenswert. Wer mag, läuft statt über die Dujardinstraße etwas weiter zur Nieder- und Oberstraße, also mitten durch die Uerdinger Fußgängerzone bis zum Obertor. Von hier ist es nicht mehr weit zum Startpunkt.

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