Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Beiträge mit Schlagwort “Transalpine-Run 2012

Der große Rückblick – Teil III: Die Mitstreiter

Ein Event wie der Transalpine Run lebt natürlich von den Leuten, die daran teilnehmen. Gerade bei einem solch intensiven Wettkampf ist es wichtig, dass die Stimmung innerhalb des Läuferfeldes positiv ist, um sich so gegenseitig zu motivieren. Eines vorab: Wenn das Miteinander aller Volksgruppen immer so wäre wie beim TAR, hätten wir einige Probleme weniger. Es war einfach toll zu sehen, wie die Sportler miteinander umgegangen sind. Man konnte keine Minute am Wegesrand stehen ohne die Frage gestellt zu bekommen, ob alles gut sei, bei Überholmanövern wurde der Überholte angefeuert und motiviert, egal ob es ein Israeli, ein Grieche, ein Spanier, ein Deutscher oder sonst wer war, ein wirklich tolles Gruppengefühl! Selbst als wir beim Abstieg der dritten Etappe von einem Holländer überholt worden sind haben wir nicht zur Blutgrätsche angesetzt, ganz im Gegenteil, bei Etappe 4 haben wir sogar einen Laufkollegen aus dem geliebten Nachbarland mit in’s Ziel gezogen 😉

Nun aber zu den Leuten, die uns besonders aufgefallen sind:

Die Aussies

Man stelle sich vor: Du verlierst deinen Job, weil irgendwelche Investoren eine globale Krise auslösen. Genug Grund, um zu verzweifeln, genug Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Nicht so Tristan Miller. Der packt sprichwörtlich die Beine in die Hand und läuft. Und läuft. Und läuft. Und hört nicht mehr auf. 52 Marathons in 52 Wochen in 42 Ländern stehen am Ende eines absolut verrückten Jahres auf dem Zettel, Tristans Leben hat sich komplett verwandelt, er ist „run like crazy.“. „Ich arbeite nicht mehr, ich laufe nur noch“, erzählt er uns, während er mit seinem Lauf- und Schulfreund Scott Nathan beim Transalpine-Run läuft. Die Jungs sind fit, so viel ist sicher, haben aber auch ihre Schwächen. „Der eine ist am Berg stärker, der andere eher im Flachen, da ergänzen wir uns“, so Tristan in einem Englisch, das kaum zu verstehen ist. Was wir verstehen, ist aber Sotts Vorliebe für unsere schwarz-goldenen Adidas-Trainingsanzüge. „Diese Teile sind der Hit, fantastisch.“

Absolut fantastisch ist auch das Programm, das die beiden in den kommenden Tagen noch abspulen: Am Sonntag steht der Valmiere-Marathon in Lettland auf dem Programm, eine Woche später folgt der Oslo-Marathon, dann der Berlin-Marathon. Eine kurze Auszeit gibt’s dann beim Oktoberfest, ehe am 12. Oktober der Melbourne-Marathon gelaufen wird.

Beim TAR werden die beiden übrigens knapp vor uns 38. in der Männer-Klasse (Gesamt-115.) in einer Zeit von 53 Stunden und 41 Minuten. Mehr Infos gibt’s übrigens unter www.runlikecrazy.com.

 

Team Running Prezel

Was hatten wir für einen Spaß mit den Prezels. Wahnsinn. Harry und Koen, beide aus München und beide Personal Coaches, haben rund ein Jahr trainiert, um den TAR zu schaffen. Logisch, dass sie sich die Butter nicht  mehr vom Brot nehmen ließen und das Ding trotz großer Schmerzen nach Hause liefen. Immer mit dabei: Freundin Nici und der verbeinige Nachwuchs.

Das allein machte die beiden natürlich noch nicht zu einem tollen Duo, sondern vor allem ihre lockere und unbekümmerte Art, dieses Rennen anzugehen. Da, wo viele verbissen um Minuten rannten, ließen sie es easy angehen. Ankommen und nicht Letzter werden, so das erklärte Ziel. Da kann man auch mal ne Viertelstunde an der Verpflegungsstation verbringen und die Leute unterhalten – und auch an der nächsten und der übernächsten. Warum hetzen? Problematisch wurde es nur ab Etappe sechs, als Harrys Achillessehne so langsam aber sicher den Geist aufgab und auch die Knöchel mehr und mehr anschwollen. Irgendwann hieß es nur noch gehen bzw. traben, aber ankommen. Und das haben beide geschafft. 62 Stunden und 35 Minuten bedeuten Platz 47 bei den Männer und 163 im Gesamt-Ranking.

Eine Videodokumentation gibt es bei Sat1 Bayern, und zwar hier: http://www.sat1bayern.de/news/20120910/einmal-ueber-die-alpen-transalpine-run-2012/

 

Pfälzer Buwe

Christopher Herget (nicht verwandt mit dem Krefelder Fußballheld Matthias) und Franz Ritter haben sich langsam, aber sicher in das Rennen vorgearbeitet. Zunächst ließen sie es ruhig angehen, dann aber zündete vor allem Christopher die Rakete und riss Franz mit. Die beiden rannten fast um ihr Leben, so schnell waren sie, schade, dass am Ende auch der Körper streikte, denn Chris zog sich einen schmerzhaften Muskelfaserriss zu, der ihn zu einem deutlich gemächlicheren Tempo zwang.

Beide haben wir lieb gewonnen, da sie trotz sportlichen Ehrgeizes immer auch nen lockeren Spruch auf den Lippen hatten und einfach cool drauf waren.

 

Die Jungs aus der Heimat und die Sportlerfamilie

Kaum zu glauben aber wahr: Manu und ich waren nicht die einzigen, die es aus dem schönen Krefeld in die Alpen verschlagen hat. Es gab ein weiteres Team, das zumindest zu 50 % aus Krefeld stammte. Das Team Bittweg Alpin bestehend aus dem aus Krefeld stammenden Stefan und seinem Laufpartner Michael begleitete uns ebenfalls einige Kilometer. Später stieß noch Björn  aus Frankfurt zu diesem Team, nachdem sein Partner ausscheiden musste. Auch die drei sorgten dafür, dass der ein oder andere Kilometer etwas schneller verging.

Ebenfalls positiv aufgefallen ist uns ein Teil des Teams „die Ochsenköpfe“, die wir auf einem Campingplatz trafen. Der Tross (Vater, Sohn und 2 Töchter) sind die absoluten Sportkanonen und waren als sehr ambitioniertes Team unterwegs. Während unsere Regeneration mit der Einnahme von Erdinger alkoholfrei und Snickers beendet war, wurde nebenan noch auf der Rolle geklotzt. Äußerst ungewöhnlich für ein solches Team: Alle waren super nett und total bodenständig, quasi das genaue Gegenbeispiel zu unseren schweizer Freunden, die nichtmal die Tageszeiten sagen konnten, wenn man sie traf… Zum großen Glück von Manuel war eine Schwester Expertin im Taping, so dass das furchtbar hübsche Tape am linken Knie hier seinen Ursprung fand..

 

Michi

Leider kennen wir Michi nicht von der Strecke, sondern nur vom Massageraum. Hier bezirzte er uns mit seiner glockenhellen Stimme, seinem langen, wehenden Haar und seiner Grundehrlichkeit. Michi war nicht der Mann großer Worte und so endeten seine Sätze meist bereits nach dem ersten Wort, aber gerade dafür und für die Art diese Worte rüberzubringen mochten wir ihn… 😉 Er hätte die Massageflatrate (für lau) haben können, wollte sie aber nicht. Sondern wollte zahlen. Das nennen wir Fairplay. Toll, Michi.

 

Die Zausel

 

Nun aber zu unseren Lieblingen: Die Zausel. Als Nicht-Läufer fragt man sich sicherlicher „Zausel, wer oder was ist das“?!? Eine allgemeingültige Definition hierfür gibt es nicht, wer jedoch einen sieht weiß sofort was gemeint ist. Der allgemeine Zausel ist über 50 Jahre alt, hat meist einen Vollbart, ist sehr dürr, trägt grundsätzlich alte/verwaschene Finisher-Shirts (am liebsten von irgendwelchen Feld-, Wald- und Wiesenläufen) und kennt in seinem Leben eigentlich nur eins: das Laufen. Ein Zausel fällt meist schon optisch auf, indem er seine Trainingshose (sollte mindestens 10 Jahre alt sein) bis unter die Arme hochzieht. Das T Shirt muss grundsätzlich in die Hose gesteckt werden, gerne darf auch die Unterhose über das T Shirt und das Bündchen auch bis über die Trainingshose gezogen werden (vor allem, wenn man vor hunderten Menschen zur Siegerehrung auf die Bühne muss à so live zu sehen). Positiv am Zausel ist, dass er ein absolut lieber und netter Mensch ist, zwar recht ungesprächig dafür aber hochgradig ehrgeizig.

All diese Menschen sowie die hier nicht näher erwähnten Laufkollegen haben mit dazu beigetragen, dass das Event für uns ein unvergessliches Erlebnis bleibt, vielen Dank dafür!

 

In der nächsten Ausgabe werde ich dann einige Worte zum Wettkampf an sich und die Gedanken und Gefühle vor, während und nach den Etappen preisgeben.


Der große Rückblick – Teil II: Die Organisation

Der Eindruck, dass die Mitarbeiter von Plan B, dem Veranstalter des Transalpine Run’s, absolute Vollprofis sind, zeigte sich bereits im Vorfeld des Events. Alle notwendigen Informationen (Versicherungen, Reiseapotheke, Streckenpläne, Zeitabläufe usw.) wurden frühzeitig und mehrsprachig an alle Teilnehmer gesendet. Was uns dann vor Ort erwartet hat war wirklich vom allerfeinsten: Angekommen in Ruhpolding ging es zunächst zur Startnummernausgabe, wo wir alle notwendigen Unterlagen erhielten. Anschließend ging es zur Pastaparty, was auch in den kommenden Tagen ein fester Bestandteil des Tagesablaufes werden sollte. Die Pastaparty’s sind so organisiert, dass Vereine oder Gruppen aus den jeweiligen Zielorten für die Verpflegung der Läufer verantwortlich sind. Glücklicherweise war die Verpflegung sehr abwechslungsreich: mal gab es lange Nudeln, mal kurze, mal mit Fleisch, mal ohne… was tut man nicht alles, um seine Kohlenhydratspeicher aufzufüllen. Nachdem man also gestärkt war kam der allabendliche Auftritt von Wölfi. Wölfi ist der Streckenchef und hat die gesamte Route ausgearbeitet. Im Rahmen des täglichen Briefings wurde uns die Strecke vorgestellt, die gefährlichen Stellen hervorgehoben und (falsche) Wetterinformationen an die Hand gegeben. Nach diesem Pflichtprogramm kam dann die Kür: Fotos und Video des Tages, hierzu aber später mehr.

Der Beginn einer Etappe sah so aus, dass die Startblöcke 45 Minuten vor dem Start geöffnet wurden, so dass alle Läufer in Ruhe durch die (eher lasche) Kontrolle gehen konnten. Zu den Klängen von „Highway to Hell“ ertönte dann jeden Morgen der Startschuss und es ging los. Die Strecke führte nur sehr selten über Asphaltwege, ansonsten ging es hauptsächlich über Wander- oder Forstwege, unbefestigte Trails oder durch Steinfelder. Auch hier muss man dem Veranstalter ein großes Kompliment aussprechen: Sowohl die Auswahl der Strecken als auch die Kennzeichnung durch Pfeile, Flatterband und Schilder war perfekt. Zum Auffüllen der leeren Speicher gab es auf den Etappen 3 oder 4 Verpflegungsstellen, wo alles geboten wurde, was Läufer brauchen: Elektrolytgetränke, Obst, Salz, Kuchen, Brot, Wurst, Käse, Energieriegel, Nüsse, Cola, hier konnte also jeder Energie tanken.

Cool waren auch die beiden Sprecher, die die gesamte Veranstaltung begleiteten. Recht schnell hatten wir einen bleibenden (positiven) Eindruck hinterlassen, was jedoch weniger an unseren alles überragenden Laufergebnissen… Jedenfalls war die Stimmung meist sehr gut, wenn sich die Seidenraupen für den Zieleinlauf ankündigten… 😉

Nach dem Zieleinlauf wurde man ebenfalls bestens versorgt, so dass die Strapazen für kurze Zeit vergessen waren. Auch die medizinische Versorgung war durch ein Ärzteteam bestens gegeben. Bemitleidenswert waren die Physiotherapeuten, die sich täglich mit den Wehwehchen der armen Läufer rumplagen durften. Aber auch hier wurde perfekte Arbeit geleistet. Abend für Abend und Morgen für Morgen wurden hier die Läufer zusammengeflickt, damit sie wieder an den Start gehen konnten, siehe Manu…

Das tägliche Highlight fand dann aber nach der Pastaparty statt: Die Vorführung der Bilder und Videos des Tages. Hier wurden imposante Fotos und Videos der jeweiligen Tagesetappe mit passender Musik kombiniert, teilweise eine echte Gänsehautveranstaltung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war man wieder heiß auf die nächste Etappe!

Aus unserer Sicht war die Organisation wirklich weltklasse, den einzigen Kritikpunkt, den man anbringen kann, war die Abschlussfeier. Die Ausgabe der Finisher-Shirts wirkte etwas lieblos und das abschließende Musikprogramm war ein absoluter Witz, aber ansonsten: beide Daumen hoch für Plan B!

 

In der nächsten Ausgabe werde ich einige Zeilen über die sonstigen Mitstreiter und deren Geschichten schreiben, alleine zu diesem Thema könnte man Bücher schreiben…


Der große Rückblick – Teil I: Die Vorbereitung

So, nachdem nun der letzte Kilometer gelaufen, der letzte Höhenmeter überwunden und die Laufklamotten zum Trocknen auf der Wäscheleine gehangen worden sind, wird’s Zeit für den großen Seidenraupen-Transalpine-Rückblick.

In den kommenden Artikeln möchte ich euch einen kleinen Einblick über das zu geben, was wir in den letzten Wochen erlebt und gefühlt haben. Beginnen möchte ich heute mit einem Rückblick auf unsere Vorbereitung.

Nachdem Manu und ich uns kurz vor dem letztjährigen Köln-Marathon kennengelernt hatten und recht schnell merkten, dass wir sowohl läuferisch als auch menschlich die ein oder andere Gemeinsamkeit haben, war klar, dass wir auch in Zukunft weitere Laufhighlights gemeinsam absolvieren wollten. Irgendwann hörte bzw. las ich etwas über den Transalpine und war sofort gefesselt: Ich saß stundenlang vor dem PC und schaute mir Fotos und Videos an. Ich erzählte Manuel von diesem Lauf und von der Schnapsidee diesen irgendwann zu laufen. Doch aus dieser Schnapsidee wurde sehr schnell Ernst: Nachdem Seidenräupchen Eva grünes Licht gab meldeten wir uns an, von nun an gehörten wir also zum Starterfeld des Transalpine Run’s 2012, ein irgendwie irreal scheinender Gedanke. Schnell wurde klar, dass wir uns auf zwei Ebenen vorbereiten mussten: Die sportliche Ebene und die „Vermarktungsebene“, da der Transalpine gerade für Flachlandtiroler wie uns mit erheblichen Kosten verbunden ist: Die Ausrüstung, Anreise und Unterkunft, Anmeldegebühr usw. usw. Schnell war ein Teamname gefunden und ein Blog angelegt. Zu unserer Freude wuchs der Kreis der Interessenten und Unterstützer innerhalb kürzester Zeit. Wir konnten schnell einige Sponsoren gewinnen, die uns auf unserem harten Weg unterstützen wollten und auch unsere Sponsoren- und Freundeparty war ein voller Erfolg, was uns weiterhin Mut machte an unserem Vorhaben zu arbeiten. Zusätzlich mussten wir uns mit unserem Equipment beschäftigen, da ein Laufrucksack, Trailrunning-Schuhe sowie Lauf-Stöcke nicht zur Ausrüstung eines niederrheinischen Läufers gehören. Ein weiterer Punkt war die Unterbringung während des Laufes: Zunächst planten wir im Laufcamp zu schlafen, bis Eva auf die Idee kam uns mit dem Wohnmobil zu begleiten. Rückblickend lässt sich sagen: Diese Idee war wohl die beste Idee in der gesamten Vorbereitung. Auf diese Art hatten wir während des gesamten Wettkampfes ein nach kurzer Zeit gewohntes Umfeld, was ein unbezahlbarer Vorteil ist, gerade nachdem wir gesehen haben, wie die Verhältnisse in dem angebotenen Laufcamp waren, hierzu nochmal einen herzlichen Dank an Eva!!

Was die sportliche Ebene betrifft haben wir uns ganz auf den Trainingsplan des Veranstalters verlassen. Die Basis legten wir bereits im Winter, indem wir uns intensiv auf den Hamburg-Marathon vorbereiteten. Das diese Vorbereitung sehr gut und vielversprechend war, zeigte das Ergebnis des Marathons: Wir konnten beide unsere Marathon-Bestzeiten um 11 Minuten auf 3:18 bzw. 3:13 verbessern. Nach einer Regenerationszeit, in der wir das Training etwas runtergefahren hatten, ging es dann Mitte Juni in die intensive Vorbereitungsphase. Hierzu gehörten neben langen Einheiten auch Hügel- und Treppenläufe, ABC-Läufe, der ein oder andere Wettkampf sowie spezielle Einheiten in der Höhenkabine – alles in allem ein sehr abwechslungsreicher und interessanter Trainingsplan.

Am Ende der Vorbereitung standen dann bei mir 68 Läufe mit 1.089 km und das in 12 Wochen, es wurde also ordentlich geklotzt!

Was sich hier zunächst recht nüchtern und emotionslos anhört, hatte in der Realität durchaus einige Herausforderungen. So hatten wir in den 12 Wochen nicht immer blauen Himmel, Sonnenschein und 23 Grad. Wir quälten uns auch durch Wind und Regen, absolvierten Laufeinheiten zu Tageszeiten, an denen der Normalbürger im Bett liegt und schläft und mussten uns das ein oder andere mal richtig quälen, um die letzten Kilometer oder die letzten Treppenstufen zu erklimmen. Das alles haben wir nur für ein Ziel getan: Den Transalpine zu finishen.

Nebenbei haben wir natürlich auch den ein oder anderen Gedanken im Hinblick auf das was uns in den Alpen erwartet gemacht. War die Entscheidung richtig sich für den Transalpine anzumelden? Wär nicht ein kürzeres Rennen als Einstieg richtig gewesen? Würden unsere Knochen das ganze mitmachen? Zusätzlichen Zündstoff bekamen diese Gedanken durch das stetig steigende Interesse unserer Freunde, Familien und Arbeitskollegen. Sogar die großen Zeitungen der Stadt druckten große Artikel über unser Vorhaben, so dass der Druck stetig stieg. Rückblickend lässt sich sagen, dass wir zwar einen unglaublichen Respekt vor dem hatten, was uns erwartet, wir aber nie den Glauben daran verloren haben es zu packen. Gerade unsere Trainingswoche 9, in der wir innerhalb von 7 Tagen 244 km abgespult haben gab uns die Zuversicht körperlich für dieses Abenteuer vorbereitet zu sein, auch wenn sich unsere transalpine Erfahrung bisher auf den Jungfrau-Marathon von Manu und auf Wander-, Ski- und Apres-Ski Erfahrung beschränkte.

Offiziell endete unsere Vorbereitung am 31.08.2012, dem Tag vor der ersten Etappe. Wir absolvierten noch ein letzten ruhiges Ründchen, bevor es endlich losgehen konnte. Die Vorzeichen hätten kaum besser sein können: Wir haben den empfohlenen Trainingsplan ohne größere Probleme absolviert, wir sind beide ohne Krankheiten und Verletzungen durchgekommen und auch der Kopf war bereit für diese Herausforderung, der Transalpine konnte also beginnen!

 

In der nächsten Ausgabe werde ich euch etwas über die Organisation und den Ablauf rund um den Transalpine näher bringen, denn dieses Event ist logistisch ein wahres Meisterwerk!


Jaaaaaaaa

Wir sind im Ziel. Jaaaaaaaa, wir haben es tatsächlich geschafft, Wahnsinn.
Die heutige Etappe mit nur einem Anstieg über die drei Zinnen war wie für uns gemacht: 15k langer, gemächlicher Anstieg, dann rauf auf knapp 2400m und ruhig wieder runter – fertig nach 4:45. Nachher wollte sogar das Siegerduo ein Foto mit uns haben. Froh sind wir auch, dass die Prezl-Buben ebenso im Ziel sind wie die Pfälzer. Alle heftig angeschlagen, aber gefinished…
Das, und noch viel mehr, wenn wir wieder denken können…

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Flug über Etappe 8

Startzeit: 8:00 Uhr 

Gesamt Kilometer: 33,40 km 

Gesamt Höhenmeter im Aufstieg: 1269 Hm 

Gesamt Höhenmeter im Abstieg: 1104 Hm

 

 


Willkommen in Niederdorf

Eine der traumhaftesten Etappen wurde uns von Strecken-Guru Wölfi versprochen – und er sollte Recht behalten. Was er aber verschwieg: es war auch eine der schwersten. Denn die Strecke von St. Vigil bis Niederdorf hatte zwei Anstiege der übelsten Sorte in sich.
Zunächst zog sich ein schöner, langer Weg über zwölf Kilometer bis zur ersten Verpflegungsstelle,dann ging es irgendwie nie endend rauf zum Forcella Sora Forno. Nie endend heißt: acht Kilometer nach oben. Dafür gab es dann aber auch später grandiose Blicke in eine Landschaft ähnlich wie auf dem Mond. Terence Hill dreht hier gerade seine neue Serie „One Step to the heaven“, hatte aber wohl heute frei. Gesehen haben wir ihn nämlich nicht. Dafür wurden mächtig Steine gekloppt, zu viel schöne Natur ist ja auch nicht gut fürs Auge – und gelaufen. Nämlich runter zum traumhaften und touriüberfüllten Pragser Wildsee. Hier wartete Seidenräupchen Eva mit dem Prezel-Girl Nici. Wie gewohnt, ging hier der Punk up, Respekt.
Die Prezel-Boys sind ein Team aus München, und einfach immer gut gelaunt. Harry und Coen (eigentlich Belgier) sind beide Personal-Trainer und laufen ebenfalls den TAR. Seit gestern gehen sie aber eher. Harry hat sich leider an der Achillessehne verletzt, an laufen ist nun nicht mehr wirklich zu denken. Wir hoffen, dass die Jungs es packen, denn dann wartet morgen ne tolle Party auf uns 🙂
Am Wildsee waren noch einmal kurz unsere Kamerafähigkeiten gefragt. Ein Interview während des Rennens, das gibt es wohl auch nur beim TAR, wo es auf die Zeit eigentlich nicht ankommt. Wie und warum wir gerne Trails laufen, warum wir den TAR so gut finden undundund. Dass es unser erster Trail ist, haben wir mal kurz verschwiegen, hehe. Sind halt Profis…Leider vergaßen wir zu fragen, wo das Interview ausgestrahlt wird, aber sobald wir es wissen, steht es hier, versprochen.
Kurz nach dem Wildsee ging es wieder nach oben, zum Weißlahnsattel auf 2194m. Also mal wieder klettern und 700 Meter Höhenmeter bolzen. Dabei gab es auch einige knifflige Stellen zu meistern, darunter eine Stahlseilpassage. Fast wäre es dabei um mich geschehen, denn eine Stelle des Hangs gab nach und rutschte mit mir ein paar Meter ab. Dabei hatte ich verdammt viel Glück, denn hier ging es ein paar hundert Meter bergab. Wäre ich weiter abgerutscht, wäre es wohl kritisch geworden. Wurde es aber nicht und so ging es erst bergauf und dann 1000 Meter steil wieder bergab. Eine Wohltat für meine Knie, wie ihr euch vorstellen könnt. Die letzten fünf Kilometer dieser 42k-Etappe gingen schließlich ziemlich trostlos über einen Radweg nach Niederdorf, wo gleich die letzte Pastaparty steigt.

Leider haben wir noch keine Antworten auf unser gestriges Quiz erhalten. War aber auch klar, denn wir hatten ja auch gar keine Preise ausgelobt. Hier noch einmal die Frage: Wieviele Zentimeter schwingt die weibliche Brust pro Schritt beim Joggen mit? ( es handelt sich dabei um eine Frage, die auf der gestrigen Pastaparty auf der Bühne gestellt wurde)
Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir
– ein, evtl. zwei gameworn, morgen notanymoreworn, Fußnägel der dicken Zehen von Henne
– verschiedene gameworn Tapes von Manu mit folgender Reifezeit: Knie: seit Montag, linkes Bein seit Mittwoch, rechtes Bein seit heute
– eine gewaschene Laufunterhose (Marke: Jockey) von Manu inkl. Vaselineresten
– zwei Flaschen Forst
– Salz, gewonnen aus zwei Salomon-Laufrucksäcken (besonders kostbar, da Einflüsse aus Deutschland, Österreich und Italien vorhanden sind)
– Frau aus dem Nachbar-Wohnmobil. Reifegrad: fettig, aber durch, garniert mit Orangenhaut.

So, bevor wir vollkommen durchdrehen, zurück ins Studio. Peace. Pace. Schalom!!! Euer Manu

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Flug über Etappe 7

Startzeit: 8:00 Uhr

Gesamt Kilometer: 41,80 km

Gesamt Höhenmeter im Aufstieg: 1950 Hm

Gesamt Höhenmeter im Abstieg: 2000 Hm

 

 

 


Unser Ding: Straße

Wir sind schon so Trailrunner…denn mit dem Briefing für die sechste Etappe war klar, dass wir da sicher den ein oder anderen hinter uns lassen werden: Straße und ebene Wege en masse, also das Terrain, das uns besonders gefällt (und meinen Knochen auch).

So zogen sich die ersten drei, vier Kilometer von Sand in Taufers auf Asphalt durch das Ahrntal, ehe die erste Steigung auf uns wartete. Hatten wir natürlich mal komplett unterschätzt, denn die rund 700 Höhenmeter müssen ja auch erst einmal geklettert werden. Ging aber, und kurioserweise der Abstieg runter nach Gais und später durch Bruneck auch. Hatte ein wenig etwas von Straßenlauf, denn die Polizei sperrte extra für uns zahlreiche Passagen und Passanten jubelten uns zu – was bei einem Traillauf jetzt nicht wirklich an der Tagesordnung ist.

Nach der zweiten Verpflegungsstation wartete dann aber der längste Anstieg des ganzen Transalpine-Runs auf uns: knackige sieben Kilometer rauf auf den 2200 Meter hohen Kronplatz. Aber auch hier zeigte sich, dass wir am Berg recht stark sein können, denn Läuferpärchen um Läuferpärchen ließen wir hinter uns. Oben erwartete uns dann Seidenräupchen Eva mit einem Fanclub und machte mächtig Alarm in alpiner Höhe. Danke für das Pushen!

Wo es rauf geht, geht es aber auch wieder runter. Und so standen noch einige steile Kilometer auf dem Plan, ehe wir in St. Vigil einlaufen sollten. Zwar machten die bisherigen Problemfälle linkes Knie und linker Knöchel kaum Ärger, dafür nun aber der rechte Knöchel. Eine taktisch klug genommene Voltaren-Tablette unterdrückte aber alsbald den Schmerz und ließ uns recht flott die letzten Kilometer hinunterkommen und ein famoses Schlussszenario aufbieten – so schnell, dass Eva noch gar nicht selber im Ziel war. Hier ließen wir es uns dann aber besonders gut gehen: ein Getränk jagte das nächste, es gab lecker Nudelsalat und Weingummis. Dazu schien uns die Sonne auf den Pelz: top.

Auch die Pasta-Party hatte es in sich, diesmal nämlich mit grandiosem Slapstick, oder weiß jemand von euch, wie viel Zentimeter eine weibliche Brust beim Joggen pro Schritt nach oben/unten wippt? Keiner? Tja, dann googelt mal – oder wartet die Lösung der Quizfrage bis morgen ab. Kleiner Tipp: 100 sind es nicht 😉

Nach der eben erfolgten Massage – Hendriks Muskeln mussten vom Knochen befreit werden (oder umgekehrt) und mein Knöchel wurde wieder fitgemacht – heißt es nun, „Fit im Schlaf“!

Morgen geht es dann auf der vorletzten Etappe lange durch irgendein Tal und dann recht fix einen weitere Zweitausender hoch. Dann runter zu nem Wildsee und wieder rauf. Und dann wieder Asphalt – yeah!


Flug über Etappe 6

Startzeit: 8:00 Uhr  

Gesamt Kilometer: 38,50 km 

Gesamt Höhenmeter im Aufstieg: 2289 Hm 

Gesamt Höhenmeter im Abstieg: 1966 Hm


Wir haben Körper!

Heute melden wir uns aus dem bis vor wenige Stunden sehr sonnigen und schmucken Sand in Taufers, dem Zielort unserer fünften Etappe. Auf den ersten Blick eine eher leichte und überschaubare Aufgabe: 32,8 km. Problem 1: 1.821 Höhenmeter im Auf- und 2.403 Höhenmeter im Abstieg, womit wir dann gleich bei Problem 2 wären: Manuel’s Verletzungen. Während er am Sonntag und Montag noch sagen konnte, dass er „Knie“ hat, gesellte sich am Dienstag das Sprunggelenk dazu. Mein Körper scheint sich inzwischen mit der Belastung abgefunden zu haben. Die Oberschenkel sind zwar nicht mehr taufrisch, was sich vor allem bergab bemerkbar macht, größere Probleme bereiten sie mir jedoch nicht. Dafür werde ich ein schönes Andenken mit nach Hause bringen, denn der ein oder andere Zehnagel scheint Lust auf Farbe zu haben, 2 Freunde drohen sogar mit dem kompletten Auszug, es bleibt also auch an dieser Front spannend.

Um etwas besser auf die heutige Belastung vorbereitet zu sein, gingen wir gestern Abend nach der Pastaparty und den Bildern/Video des Tages zum Physioteam. Nachdem wir vom Physioteam als Erkan und Stefan (nicht zuletzt wegen unserer Trainingsanzüge und Manuel’s Kopfbedeckung) getauft worden sind, begannen wir damit das Team zu unterhalten. Manuel funktionierte kurzehand die Isomatte samt Blackrolls als Liegewiese mit Kopfkissen um, während wir auf unsere Behandlung warteten und hatte somit den ein oder anderen Lacher auf seiner Seite. Vor dem heutigen Start ging es dann noch mal zum Physio, damit Manuel für die Etappe getapet werden konnte. Dort haben wir es durch geschicktes Teamwork geschafft uns elegant vorzudrängeln, indem ich den Gesamtführenden Philip Reiter in ein Gespräch verwickelt hab und Manuel sich vorgeschlichen hat: 1-0 für uns!

Pünktlich um kurz vor 8:00 erklang dann das allmorgendliche „Highway to hell“ aus den Boxen, bevor es auf die Piste ging. Hier wurde nicht lange gefackelt, nein es ging sofort in die vollen: auf den ersten 10 km mussten über 1.000 Höhenmeter auf dem Weg zur Bretterscharte überwunden werden. Von dort ging es dann über sehr schöne, jedoch höchst anspruchsvolle Trails nach unten. Nach der zweiten Verpflegung stand dann ein weiterer steiler Anstieg an, bevor wir über 1.350 Höhenmeter runter nach Sand in Taufers zurücklegen mussten. Für Manuel waren gerade die Wege nach unten eine total Tortur, doch als absolutes Kampfschwein hat er die Zähne zusammengebissen und auch diese Herausforderung gemeistert: Meinen tiefen Respekt vor dieser Leistung!

 

Nun heißt es regenerieren, denn die morgige Etappe hat einen äußerst knackigen Anstieg zum Kronplatz im Angebot.

 

Doch nicht nur Manu und ich vollbringen hier die ein oder andere Leistung, nein auch Eva glänzt täglich mit Meisterleistungen. Ob es nun die Fahrten mit unserem Tourbus durch enge Straßen und Gassen sind, der Empfang im Zielbereich oder die Vorbereitung und Pflege unserer Klamotten und Stellplätze sind: Vielen Dank an unsere gute Seele!

 

So, nun gibt’s Pizza, ihr hört von uns!

 

Keep on running!