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Runboy-Interview mit Manuel Kölker

Die bekannte Laufsport-Zeitschrift Runboy hat Manuel Kölker, Finisher des Transalpine-Runs, interviewt. Hier das IV in voller Länge (leider können wir keinen Scan posten, da alle Exemplare sofort nach Erscheinen ausverkauft waren). Eine Verlinkung wird aus urheberrechtlichen Gründen nicht erlaubt.

Zehn Gigabyte Fotos und Videos

Manuel Kölker rannte zusammen mit seinem Kumpel Hendrik Hahn über die Alpen. 320 Kilometer mussten die beiden in acht Etappen absolvieren, von Ruhpolding ging es durch Täler und über Berge bis nach Ruhpolding. RUNBOY hat Manuel Kölker getroffen. Lesen Sie hier seine schonunslose Abrechnung.

Manuel Kölker beim Transalpine-Run.

Manuel Kölker beim Transalpine-Run.

Sehr geehrter Herr Kölker, vor zehn Tagen sind Sie aus den Alpen zurückgekehrt, hatten 320 Kilometer aus acht Etappen in den Knochen und vor allem Schmerzen in den Knien und Sprunggelenken. Wie geht es Ihnen heute, mit einigem Abstand zum Rennen.
Manuel Kölker: Ich konnte heute erstmals wieder Fahrradfahren, ohne wie ein Krüppel auszusehen. Das heißt, meine Knie kann ich einigermaßen wieder bewegen. Hin und wieder sticht es noch in den Sprunggelenken.

Das heißt, Sie waren auch noch nicht wieder läuferisch unterwegs?
Kölker: Nein, daran ist im Moment noch nicht zu denken – so gerne ich dieses Wetter mag.

Wann denken Sie denn, wieder loslegen zu können?
Kölker: Ich hoffe ja noch ein wenig, am Samstag beim Krefelder Firmenlauf meinen Sieg aus dem Vorjahr wiederholen zu können, aber das wird nach aktueller Gefühlslage eher nichts. Alle Physios, mit denen ich gesprochen habe, raten nach so einem Lauf zu einer generellen Pause von mindestens zwei bis drei Wochen, einige sogar länger. Ich werde da wohl auf sie und meinen Körper achten müssen. Erst gestern hörte ich von einem ehemaligen Läufer, der einige Jahre auch nach langen Läufen ohne Regeneration und ohne Pause immer durchgelaufen ist – mit dem Ergebnis, dass er heute kaum noch richtig gehen kann, weil seine Gelenke durch sind.

Gore-Tex TransAlps Run 2012. Stage 8. Niederdorf - Sexten. (C) Kelvin Trautman/www.kelvintrautman.com

Gore-Tex TransAlps Run 2012. Stage 8. Niederdorf – Sexten. (C) Kelvin Trautman/www.kelvintrautman.com

Nachbetrachtend, wie hat Ihnen der Transalpine-Run gefallen?
Kölker: Sehr gut, das Rennen war perfekt organisiert, uns hat es an nichts gefehlt. Die komplette Plan B-Crew war immer nett und hilfsbereit – da können wir nur den Hut ziehen. Von der Landschaft her war es selbstverständlich auch grandios. Wann läuft man schon durch solche Täler oder über solche Berge? Ich habe über zehn Gigabyte an Film- und Fotomaterial und noch nicht ansatzweise alles davon gesehen. Natürlich war auch die Betreuung durch das Seidenräupchen Eva perfekt. Sie hat nicht nur das Wohnmobile gesteuert, sondern sich auch darum gekümmert, dass es uns immer gut ging.

Und von dem Lauf?
Kölker: Es war natürlich etwas komplett anderes, als hier durch Felder und Wiesen zu laufen. Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, wie wir diese läuferische Anforderung meistern können. Das harte Training hat sich aber auf jeden Fall ausgezahlt. Wir konnten, gerade wenn es bergauf ging, von unseren Kräften zehren. In Sachen Downhill können wir uns aber noch um Längen verbessern. Hier sind Läufer regelrecht an uns vorbeigeflogen, während wir ängstlich den Berg hinunter getrabt sind. Dass der Lauf so aufgebaut ist, dass man als Team ins Ziel kommen muss, war ebenfalls eine tolle Sache. Die Kameradschaft untereinander war super, weil jeder auf den anderen geachtet hat.

Gab es denn auch mal Momente, an denen Sie ans Aufhören gedacht haben?
Kölker: Ich habe mir am zweiten Tag das Knie aufgeschlagen, was daraufhin zu einer Kokosnuss anschwoll. Später brannten die Sprunggelenke. Die Schmerzen konnte ich dank Voltaren und Ibu unterdrücken, weg waren sie aber nicht. Hin und wieder schossen Schmerzen durch meinen Körper, die ich meinem größten Feind nicht wünsche. Natürlich gehen einem viele Gedanken durch den Kopf, man grübelt über Freundschaften, Erlebnisse und alles Mögliche – wir waren ja immerhin über 55 Stunden unterwegs. Aber Aufgeben? Dieses Wort gibt es für mich nicht. Ich hatte so viel für diesen Lauf investiert, das wollte, konnte und durfte ich nicht einfach so wegschmeißen.

Daraus hört man, dass dies nicht Ihr letzter Trail-Lauf war?
Kölker: Das kann man bestimmt festhalten, es hat enorm viel Spaß gemacht. Wohin die Reise aber geht, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Was stehen denn sonst noch so für Lauf-Highlights an?
Kölker: In diesem Jahr, wenn ich dann wieder fit bin, wohl nur noch kurze Dinger – und natürlich Evas Marathon in Köln. Sie über die Ziellinie zu bekommen, darauf kommt es jetzt an. Im kommenden Jahr wird der Frühjahrs-Marathon wohl für mich in Wien stattfinden. Außerdem haben wir uns gestern mit insgesamt sechs Leuten bei der Duisburger Winterlauf-Serie angemeldet, die Seidenraupen übernehmen also die Wedau. Und sonst? Nettetal, Venlo, das übliche eben.

Abschließend, wir hörten, Sie sind im neuen Brooks-Laufkalender abgebildet?

Kölker: Das stimmt. Ich habe bei einem Gewinnspiel teilgenommen und vier Fotos eingesandt, sie alle haben den Sprung in den Kalender geschafft.


Unser Ding: Straße

Wir sind schon so Trailrunner…denn mit dem Briefing für die sechste Etappe war klar, dass wir da sicher den ein oder anderen hinter uns lassen werden: Straße und ebene Wege en masse, also das Terrain, das uns besonders gefällt (und meinen Knochen auch).

So zogen sich die ersten drei, vier Kilometer von Sand in Taufers auf Asphalt durch das Ahrntal, ehe die erste Steigung auf uns wartete. Hatten wir natürlich mal komplett unterschätzt, denn die rund 700 Höhenmeter müssen ja auch erst einmal geklettert werden. Ging aber, und kurioserweise der Abstieg runter nach Gais und später durch Bruneck auch. Hatte ein wenig etwas von Straßenlauf, denn die Polizei sperrte extra für uns zahlreiche Passagen und Passanten jubelten uns zu – was bei einem Traillauf jetzt nicht wirklich an der Tagesordnung ist.

Nach der zweiten Verpflegungsstation wartete dann aber der längste Anstieg des ganzen Transalpine-Runs auf uns: knackige sieben Kilometer rauf auf den 2200 Meter hohen Kronplatz. Aber auch hier zeigte sich, dass wir am Berg recht stark sein können, denn Läuferpärchen um Läuferpärchen ließen wir hinter uns. Oben erwartete uns dann Seidenräupchen Eva mit einem Fanclub und machte mächtig Alarm in alpiner Höhe. Danke für das Pushen!

Wo es rauf geht, geht es aber auch wieder runter. Und so standen noch einige steile Kilometer auf dem Plan, ehe wir in St. Vigil einlaufen sollten. Zwar machten die bisherigen Problemfälle linkes Knie und linker Knöchel kaum Ärger, dafür nun aber der rechte Knöchel. Eine taktisch klug genommene Voltaren-Tablette unterdrückte aber alsbald den Schmerz und ließ uns recht flott die letzten Kilometer hinunterkommen und ein famoses Schlussszenario aufbieten – so schnell, dass Eva noch gar nicht selber im Ziel war. Hier ließen wir es uns dann aber besonders gut gehen: ein Getränk jagte das nächste, es gab lecker Nudelsalat und Weingummis. Dazu schien uns die Sonne auf den Pelz: top.

Auch die Pasta-Party hatte es in sich, diesmal nämlich mit grandiosem Slapstick, oder weiß jemand von euch, wie viel Zentimeter eine weibliche Brust beim Joggen pro Schritt nach oben/unten wippt? Keiner? Tja, dann googelt mal – oder wartet die Lösung der Quizfrage bis morgen ab. Kleiner Tipp: 100 sind es nicht 😉

Nach der eben erfolgten Massage – Hendriks Muskeln mussten vom Knochen befreit werden (oder umgekehrt) und mein Knöchel wurde wieder fitgemacht – heißt es nun, „Fit im Schlaf“!

Morgen geht es dann auf der vorletzten Etappe lange durch irgendein Tal und dann recht fix einen weitere Zweitausender hoch. Dann runter zu nem Wildsee und wieder rauf. Und dann wieder Asphalt – yeah!