Es war die letzte Tortour de Ruhr, und Seidenraupen-Präsi Manuel Kölker war dabei. Der 47-Jährige schlug nach 13:56 h am Rheinorange in Duisburg an. Am Ende belegt er damit Platz 36 von 109 gestarteten Männern (Gesamt: 45./158). „Das ist ganz okay, schließlich hatte ich bestimmt auch noch etwas vom Transvlucania vor zwei Wochen in den Knochen. Hintenraus wurde es wie erwartet sehr warm und damit auch zäh.“ Der Namen machte dem Lauf, der nach 20 Jahren keine Fortsetzung finden wird, alle Ehre. Zwar gab es auch sehr schöne Passagen, aber leider auch sehr viele tote Zonen.
Bis KM35 auf Platz 1
Los ging es für Manu und die 100 KM-Starter in Herdecke. Nach einer Einführungsrunde folgten die Läufer dann konstant der Ruhr. Manu hielt sich bei lockerem Dauerlauf-Tempo in den Top3, ohne jedoch Gefahr zu laufen, zu überpacen. „Es war mein erster 100er auf Aspahlt und im Flachen, weswegen ich keine Ahnung hatte, in welchem Tempo ich loslegen sollte. Also bin ich einfach easy gejoggt.“ Recht unbewusst, vor allem ungeplant, übernahm er dann bei der ersten VP am Zollhaus Herbede (KM 24) sogar kurzzeitig die Führung, die er bis KM35 (Campingplatz Ruhrbrücke) auch halten konnte. „Ich war durchaus überrascht, wusste aber natürlich, dass es noch seeeehr weit gehen würde.“
VP2 war dann nach 45 Kilometern erreicht, ein kleiner mentaler Downer, da sich diese VP eher als „zweckmäßig“ erwies (im Gegensatz zu den anderen, die man als „sehr üppig“ bezeichnen konnte). „Im Anschluss hatte ich aber auch wirkliche Probleme. Mir ist plötzlich sehr schwindelig geworden und ich musste mit mir ringen, überhaupt weiterzulaufen.“ Doch irgendwie ging es etwas später wieder.
„Nur noch Marathon“ ab Baldeneysee
Eine Erleuchtung schließlich, als der Baldeneysee passiert wurde. „Irgendwie war das für mich ein Fixpunkt – und das Schild „Nur noch Marathon“ auch eine Motivation.“


Die Kilometer am Ufer zogen danach gemächlich dahin, spätestens ab Werden (KM68) wurde es nun aber auch sehr warm. Eine erlösende Erfrischung bot zum Glück der letzte Verpflegungspunkt unter der Mintarder Brücke, von wo es „nur noch“ rund 25 Kilometer waren. „Hier gab es auch eine leichte Abweichung von der Strecke, die ich auf der Uhr hatte. Die sagte mir nämlich rechts, während Schilder eindeutig nach geradeaus zeigten.“ Was nun richtig war: Wer weiß. Irgendwann begegneten sich beide Wege wieder und alles war gut.
„Trotzdem knallte die Sonne nun unerbittlich, weswegen ich mich bei einem Tennisclub bei Mülheim zu einer Pause inkl. alkoholfreiem Bier entschied. Mittlerweile hatte sich ein Mitläufer zu mir gesellt, mit dem ich mich nun immer wieder abwechselte. Mal war er ein paar Meter vor mir, dann wieder ich. Immer so, wie es einem der Körper erlaubte. Von seinem Crewmitglied ergatterte ich eine eiskalte Powerrade, wie geil war das denn?! Ebenso mega die Eiswürfel, die mir eine andere Crew mehrfach zusteckte. Das war wirklich ein gelegtes Miteiander.“
Quälend lange 13 Kilometer
Quälend dann jedoch die restlichen 13 Kilometer ab Styrum: Ein schnuckliger Abschnitt entlang der A40, sengende Hitze, Industriebrachen, weite Wiesen und das malerische Kaßlerfeld – die Ruhr? Weit weg…aber okay, mit Blick auf die Strecke war das auch jedem bewusst, der sich dieser Herausforderung stellen wollte.
Am Ende war es dann orange, reinorange. Mit Orga-Chef Jens Witzel, der da schon gefühlt 50 Stunden auf den Beinen war und es sich trotzdem nicht nehmen ließ, den Finishern die Medaille zu überreichen. Großer, ganz großer Sport. Ein dickes Danke an alle 120 Helfer, die sich unglaublich viel Mühe gegeben haben, diese Adieu-Edition zu einer unglaublichen Nummern zu machen – und natürlich an Sandy, die meine Crew darstellte: Ohne dich wäre es eben nicht gegangen. Mega!

