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Kathi stürmt in Berlin zur Bestzeit – Adam und Manu ächzen in Rotterdam

Das war eine Meisterleistung mit Ansage: Seidenraupe Kathi hat in Berlin ihre Halbmarathon-Bestzeit auf 1:56:38 h geschraubt. Im Vorjahr hatte sie noch das Kunststück vollbracht, genau zwei Stunden zu benötigen. Adam und Manu hatten zeitgleich in Rotterdam die doppelte Strecke zu bewältigen und waren am Ende mit ihren Zeiten (Adam: 3:43:11 h, Manu: 3:09:23 h) ebenfalls zufrieden. Sowohl in Berlin als auch in Rotterdam war es wie erwartet wärmer als noch in den Wochen zuvor. Ungewohnte, aber keinesfalls schlechte Bedingungen also für die Läufer, die sich in den Wintermonaten gestählt hatten.

Das Training hatte sich zumindest bei Kathi gelohnt. Sie wollte in ihrer Heimatstadt endlich unter die Zwei-Stunden-Marke kommen, was ihr endlich gelang. Bei 1:56:38 h blieb die Uhr am Ende stehen, da war der Jubel groß: „Das war alles prima. Die Bedingungen waren optimal, auch wenn es auf den Abschnitten ohne Schatten doch etwas wärmer war. Aber dank meinem persönlichen Hasen Kathleen habe ich es endlich geschafft.“ Auf dem Ku-Damm (bei KM12) sei es ihr etwas schwerer gefallen, da aber griff Kathleen ein. „Sie hat sich nach vorne gesetzt und mich gezogen. Das hat mir Antrieb gegeben. Am Ende wurden wir sogar etwas schneller und ich hatte sogar das Gefühl, nicht am Limit gelaufen zu sein.“ Das beweisen auch die Zwischenzeiten (5km: 27:41, 10km: 27:57, 15km: 27:53, 21: 33:08). Mit ihrer Zeit belegt sie in der W35 Platz 244, bei den Damen 1836 und im Gesamt-Ranking 8972.

Gerne hätte auch Adam sein Rennen nach 21 Kilometern beendet – aber auf dem Programm standen eben 42. Denn bei KM18 gab es einen ungewohnten Einbruch: „Es ging nichts mehr. Meine Beine haben geschmerzt, meine Füße gekribbelt und mein Herz hat verrückt gespielt. Man kann sagen, dass der Himmel sich gegen mich verschworen hat. Ich musste sogar ein zwei Mal gehen. Ab da gab es nur noch ein Ziel: Ankommen.“ Und das gelang: 3:43:11 h (Halbmarathon: 1:38:55 h) stand am Ende auf der Uhr, (Gesamt-Platz 3245/13984, Männer: 2921/10672, M45: 442/1779), wenn auch langsamer als erwartet. Auf den letzten zehn Kilometern biss sich das „Kampfschwein“ mit Kilometer-Zeiten um die sechs Minuten durch. Hut ab!

Mit dergleichen hatte eigentlich Manu gerechnet: Kein Lauftraining in den vergangenen zwei Wochen, die drei Wochen davor auch nur sporadisch. Immer wieder streikte die Wade, und es war nicht klar, ob sie halten würde. „Daher bin ich verhalten an die Sache ran. Auch wenn ich mich gut fühlte, habe ich mich an das Vorhaben gehalten, nicht zu überpacen. Das wäre bei dem Trainingsstand deutlich nach hinten losgegangen.“ Und so hielt er sich an die Drei-Stunden-Pacer, konstante Zeiten von 4:12 bis 4.15 Minuten pro Kilometer waren das Ziel. Das ging länger gut als erwartet. „Bei KM23 meldeten sich meine Beine und zeigten mir, dass ich einen Gang runterschalten sollte. Das habe ich dann auch gemacht. Ich ließ zwei Kilometer später die Pacemaker ziehen und dachte nur noch an das Ziel. Aber ich wollte nicht stehen bleiben, ich hatte mir geschworen, für Lou and the Boys das Ding laufend nach Hause zu bringen. Sie hatte ich die ganze Zeit in meinem Herzen.“ So pendelte er sich zunächst bei 4.20 bis 4.30 ein, zwischen KM 35 und 40 lagen die KM-Zeiten aber sogar einmal kurz über der 5min-Marke, „aber ich wusste, dass der Tank noch nicht ganz leer war.“ Um unter der 3:10h-Marke (Boston-Quali-Zeit) zu bleiben, gab er noch einmal Gas und war bei 3:09:23 h im Ziel (Halbmarathon: 1:29:10 h). Das bedeutet Platz  801/13980, bei den Männern 749/10668 und in der M35 171/1659.

Die Strecke in Rotterdam war übrigens nicht ganz so mau, wie erwartet, wenn auch nicht spektakulär, was vielleicht daran liegt, dass die Stadt auch nicht so schön ist. Zumindest die Zuschauer sorgten an vielen Stellen für die vom Venloop bekannte niederländische Stimmung. Schlecht dagegen der Ziel-Bereich: Kein Bier, keine Massagen und keine Duschen – das geht gar nicht!


Wochend-Vorschau II: Adam und Manu beim Rotterdam-Marathon

Bei Teil zwei unserer Vorschau für das kommende Wochenende blicken wir über die Grenze nach Rotterdam, wo sich Adam und Manu erneut der Herausforderung „Marathon“ stellen. Beide vertrauen dabei voll und ganz auf „Natur-Liebe“ – kein Gag.

Sowohl Adam, als auch Manu schleppen sich in den letzten Monaten bzw. Wochen mehr schlecht als recht durch. Bei einer MRT wurde bei Adam vor einiger Zeit eine eigentlich niederschmetternde Diagnose gestellt: Kreuzbandriss, Knorpelschaden, Meniskusschaden und eine deformierte Kniescheibe – uff. Liest sich eher nach Kategorie „Karrierende inkl. Verfettung auf der Couch“. Dagegen sind Manuel muskuläre Probleme in der linken Wade (Zerrung, Faserriss, o.ä.) eine kleine Schramme, obgleich auch sie ein anständiges Training in den vergangenen vier Wochen unmöglich gemacht haben. Die Produkte MSM und OPC aus dem Hause Nature Love sollen nun die Wunderwaffe sein. „Ich nehme es seit vier Monaten und es ist verblüffend. Es hilft mir, mehr als 100 Kilometer in der Woche zu laufen. Einen Tag vor dem Venlo-Halbmarathon bin ich noch 35 Kilometer mit 15 Kilometern im Marathontempo zum Ende hin gelaufen. Das darf man keinem Chirurgen erzählen“, berichtet Adam. Er hat Manuel nun auch diese Wundermittel empfohlen mit der Hoffnung, dass sich ein gleicher Effekt einstellt. Seit über einer Woche fährt er nur noch Rennrad, um die Wade aus dem Spiel zu nehmen. „Tatsächlich sind die Schmerzen weg. Ob das am Sonntag auch dauerhaft so bleibt, wird sich zeigen“, sagt Manu noch ein wenig zweifelnd. Zwar konnten alle im Plan verankerten langen Läufe absolviert werden, problematisch wurde es aber, wenn dauerhafte Geschwindigkeit mit ins Spiel kam.

MSM, kurz für Methylsulfonylmethan, ist organischer Schwefel, mit dem man seine Ernährung täglich ergänzen kann. Zur Wirkung von MSM gibt es hier Informationen: www.zentrum-der-gesundheit.de/msm-organischer-schwefel-im-sport-ia.html. Im Traubenkernextrakt wiederum steckt OPC und damit ein ungeheures Heilpotential. OPC ist ein antioxidativ wirksamer Pflanzenstoff und gleichzeitig Spezialist für ganz bestimmte Körperbereiche.Alles zu OPC hier: www.zentrum-der-gesundheit.de/opc-pi.html.

Mit diesen Wunderwaffen treten die beiden also am Sonntag beim größten Marathon der Niederlande an. Der Kurs ist extrem schnell, schon mehrfach wurden hier Weltrekorde gelaufen. Adam peilt eine Zeit zwischen 3:15 und 3:25 h an, Manu würde gerne im Bereich der Drei-Stunden-Marke landen, wenn alles glatt läuft. Das würde auch bedeuten, dass es am Sonntag nicht zu verstärktem Pollenflug kommt, der ihm einen dicken Strich durch die Rechnung machen könnte.

marathon_2018

Im Vergleich zu den Vorjahren wurde der Startbereich geändert: Die Läufer starten am Fuß der Erasmusbrug und laufen dann Richtung Kop van Zuid. Später geht es am De Kuip-Stadion vorbei, ehe es mehrere Kilometer über den Havenspoorpad geht. Zuschauer werden die Läufer hier wohl nicht erwarten können, dafür aber rund jeden Kilometer eine Band. Bei Kilometer 25 geht es zurück über die Erasmusbrug, doch noch sind einige Kilometer zu laufen, und zwar durch den Kralingse Bos – leider wahrscheinlich ebenfalls ohne viele Zuschauer, denn im Stadtwald von Rotterdam dürften sich wohl keine Menschenmassen aufhalten (wenn auch im Plan etwas von Hardloop-Supportern steht, was auch immer das sein mag). Bei KM38 verlassen die Läufer das Grün und stoßen wieder auf Zivilisation, dann wahrscheinlich mit mächtig viel Stimmung im Rücken. Succes!


Jetzt aber: Das Boston-Review

Sorry Leute, aber der Umzug ließ leider nicht zu, diese Fazit früher zu schreiben. Und da ich es nicht zwischen Tür und Angel tippen wollte, kommt es nun eben etwas später. Ist aber auch gut so, denn so kann ich diesen geilen Trip noch einmal genießen…los geht’s.

Olympia des Läufers
Der Boston-Marathon, das sei das Olympia des Läufers. Was Meb Keflezighi, der Sieger von 2014, sagt, zeigt den ungeheuren Stellenwert dieses Laufs, der als einziger auf eine solche Geschichte zurückblicken kann. Seit 1897 wird er jedes Jahr ausgerichtet, und er verwandelt die sowieso schon sportverrückte Metropole am Atlantik in ein Läufer-Tollhaus. Daran konnten auch die Bomben-Anschläge von 2013 nichts ändern, bei dem in Nähe der Ziellinie auf der Boylston Street drei Menschen starben und knapp 300 schwer verletzt wurden. Kein anderer Lauf auf der Welt genießt einen solchen Ruf, eine solche Dynamik, nirgendwo sonst wird der Marathon so gelebt wie hier.
Und genau deswegen war es für mich wie eine innere Pflicht, irgendwann einmal an diesem Lauf teilzunehmen. Eine Aufgabe quasi, die wahrlich nicht einfach zu erfüllen ist. Die Boston Athletic Association gibt nämlich strenge Qualifizierungs-Zeiten vor. Mit meiner Zeit vom Barcelona-Marathon im vergangenen Jahr (2:58h) hatte ich diese erstmals geknackt – und wer weiß, ob mir dies noch einmal gelingen sollte. Also: Anmeldung raus.

Eines vorne weg: Es sollte gelingen. Nach bereits 2:54:19h war ich im Ziel, was natürlich persönliche Bestzeit darstellt (mit der ich wohl erneut qualifiziert wäre). Unter den rund 30.000 Startern bedeutet dies Platz 1453 (Gesamt) und in der M35 1112. Zum Vergleich: Mit der Zeit hätte ich in Düsseldorf Rang 48 belegt.
Allein diese Positionierung zeigt, wie „schnell“ dieser Marathon ist. Hier starten nur die Besten, eben weil sie sich qualifiziert haben. Zwar gibt es auch Läufer, die sich über Charity Projekte oder Reiseveranstalter den Traum vom Boston-Marathon erkaufen, doch erfahrungsgemäß sind diese nicht vorne zu suchen, sondern eher in der Mitte oder dem Ende des Feldes.

imageDie Vorbereitung
Blicken wir kurz noch einmal zurück auf die Vorbereitung: Durch unseren Hauskauf und der damit verbundenen Sanierung/Renovierung war recht schnell klar, dass ich den 2.59.59h-Plan von Herbert Steffny nicht voll durchziehen kann. Sechs Einheiten pro Woche lassen sich kaum neben einem solchen Projekt absolvieren. Also legte ich den Fokus auf eine Intervall-Einheit, einen flotten Lauf und einen langen Lauf pro Woche. Alles anderes war Bonus. Insgesamt würde ich behaupten, dass ich dank zahlreicher Trainings in den frühen Morgenstunden trotzdem rund 75 Prozent des Plans absolvieren konnte. Gepaart mit einigen guten Ergebnissen in der Vorbereitung (unter anderem neuer HM-PB) gab mir das immerhin die Gewissheit, in Boston gut durchzukommen, gleichzeitig aber auch die Lockerheit, keiner Zeitvorgabe hinterherhecheln zu müssen. Ein ähnlicher Ritt wie in Barcelona erschien mir nicht realistisch, auch wenn natürlich der Wunsch, wieder unter der 3h-Marke zu bleiben, existierte.

imageAnkunft in Boston
Über Airbnb hatte ich eine schöne Bleibe in Somerville gefunden, fünf U-Bahn-Stationen von Boston-Downtown entfernt. Nach meiner Ankunft am Freitag und dem Check-In holte ich meine Startunterlagen ab. Marathon-Messen haben stets die gleiche Aufmachung, auch wenn es in Boston alles etwas größer war und überall mit der Bedeutung des Laufs geprahlt wurde (nimmt man gerne mit). Adidas überstrahlte mit seinem Shop so ziemlich alles, doch auch andere üblichen Marken versuchten, mit perfekt durchgestylten Souvenirs und Merch-Artikeln die Dollar aus den Besuchern zu quetschen. Mit Erfolg 😉
Den Abend verbrachte ich im Fenway-Park, der Heimat der Boston Red Sox. Rund drei Stunden hielt es mich an dieser traditionsreichen Stätte, während meine Sitznachbarn links und rechts versuchten, mir die Regeln näher zu bringen (je nach dem, wer gerade auf seinen Plätzen war, denn ein Großteil des Spiels verbringen die Zuschauer an den Fressbuden, an denen ein Bier im Plastikbecher mal eben lumpige neun Dollar kostet). Faszination der Amis für diesen Sport hin oder her, so richtig packt mich Baseball weiterhin nicht.

imageSamstag, noch zwei Tage
Den Samstag begann ich mit einem Lauf am frühen Morgen durch Harvard. Während es für mich lediglich darum ging, die Beine ein wenig auszuschütteln und mir den Campus samt Sportanlagen (wow) anzuschauen, hatte es der Großteil der Läufer, die ich traf verdammt eilig. Ich weiß nicht, ob es eine Momentaufnahme war, aber einfach nur so laufen/traben, scheint für viele Amis nicht zu gehen. Fast alle gingen an ihre Grenze bzw. pushten sich enorm und legten dabei eine große Verbissenheit an den Tag.
Den weiteren Tag hatte ich mir zur freien Verfügung gehalten, unter anderem wollte ich mir den Freedom Trail anschauen – eine rote Linie auf dem Boden führt einen spielend leicht zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihrer bewegten Geschichte. Das Resultat: Viel, viel gesehen und zwei dicke Blasen an den Füßen. Der Klassiker eben bei Marathons in Städten, die man sich noch anschauen möchte.
Der Abend endete in einer der vielen Sportpubs bei einem leckeren Burger, vielen Gesprächen mit anderen Läufern und NHL-Eishockey, genauer einem Spiel der Pittsburgh Penguins.

imageSonntag, noch ein Tag
Die Generalprobe ging mächtig daneben: Den kurzen Lauf am Morgen beendete ich mehr oder weniger im Tiefflug: Bordsteinkante übersehen, Sturz, schmerzhafte Wunden an Knie, Hüfte und Ellenbogen. Verdammt. Aber eben passiert.
Nach dem Besuch eines Gottesdienstes in der Trinity Church direkt an der Ziellinie ging es dann nach Worcester zum dortigen Spiel in der AHL. Die heimischen Sharks empfingen die Portland Pirates. Während sich die Sharks am Vortag für die Playoffs qualifiziert hatten, musste Portland noch gewinnen. In dem sehr schnellen Spiel (jeder DEL-Ligist wäre hier untergegangen) hatten die Pirates am Ende die Nase vorn, wenn auch knapp (5:4). Zurück in Boston besuchte ich noch die Pasta-Party im ultrahässlichen Rathaus, und dann ging es ins Bett.

 

IMG_3651Raceday
Der Wecker klingelt um 5 Uhr, argh. Aber okay, das Programmheft bat die Läufer der ersten Welle (also auch mich) darum, bis 6.30 Uhr einen der Busse am Boston Common genommen zu haben. Okay, wollen wir dem mal folgen.
Zusammen mit Dominic, der im gleichen Haus wohnt wie ich, und ebenfalls den Marathon läuft, geht es also zu früher Stunde hinaus. Der gebürtige Kambodschaner (49, sieht aber aus wie 25) hat das Ziel, ebenfalls unter 3h zu bleiben, sagt aber im gleichen Atemzug, kaum trainiert zu haben. Passt nicht ganz zusammen, denke ich mir, aber egal (Nachtrag: Er kam bei 3:42 rein. O-Ton: „Zu viel Gegenwind!“)
Nach der Gepäckabgabe werden wir vor dem Betreten der Busse gecheckt. Ein notwendiges Übel. Die Sicherheitsvorkehrungen waren ja nicht ohne Grund aufs höchste geschraubt worden. So wurde unter anderem verboten, mit Laufrucksack zu starten oder in einem Kostüm.
In den Schulbussen werden wir dann eine knappe Stunde hinaus bis zum Startort Hopkinton gefahren. Erinnert ein wenig an Bundeswehr-Zeiten, in denen es ebenfalls in Kolonne zu Übungen ging. Während es in den Bussen noch muckelig warm ist, empfängt uns die 14.000-Seelen-Gemeinde arschkalt und windig, wenig später dann auch mit Regen. Eigentlich genau mein Wetter, wenn da nicht noch über zwei Stunden bis zum Start wären. Eingemummelt in mehrere Lagen Plastikfolie und mit Tee versorgt, lege ich mich in eines der Zelte zum Vor-Ruhen. Auch mal was neues.

IMG_3647Startschuss
Doch dann geht es los. Aufruf, zum Start zu kommen. Und erstaunlich wenige Läufer, die sich verrückt machen. Wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass in Welle eins zumeist erfahrene Hasen unterwegs sind. Letzter Adrenalin-Schiss, wobei von Aufregung eigentlich keine Spur ist. Unglaubliche Lockerheit, kaum Anspannung, null Druck. Die übliche Vaseline-Matscherei. Etwas eintraben. Nationalhymne. Und los.
Die ersten fünf Kilometer vergehen wie im Flug, offenbaren aber, dass es kaum möglich ist, auch nur ansatzweise ein einigermaßen gleichmäßiges Tempo zu laufen. Wenn ich jemals zuvor von einem welligen Lauf geschrieben habe, das hier stellt alles in den Schatten: es geht stetig auf und ab. Stört mich allerdings nicht. Ich habe schnell mein Tempo gefunden, laufe, sofern es die Anstiege erlauben, irgendetwas um die 4:07min pro Kilometer, was schneller ist als die 4:15min, die ich für 2:59h bräuchte. Aber es fühlt sich gut an, warum eigentlich nicht?! Hatte ich mir vor dem Lauf noch Gedanken gemacht, wie ich mich mit Wasser versorge (ich mag generell keine Getränkestationen und verliere dort immer Zeit), so scheint das nun wie weggeflogen. 9000 (!) freiwillige Helfer machen es möglich, pro Meile mindestens einen Getränkestand anzusteuern. Das sorgt für wenig Gedränge und vor allem dafür, nicht jeden mitnehmen zu müssen.

Smells like Venlo
Ein wenig sind die kommenden Kilometer (oder Meilen) mit dem Venlo-Halbmarathon zu vergleichen. Es geht von Siedlung zu Siedlung, von Städtchen zu Städtchen. Egal, ob in Ashland, Framingham oder Natick: Überall empfangen die geschätzten eine Millionen Zuschauer (ob es bei dem Regen wirklich so viele waren, bezweifle ich mal stark) die Läufer wie Volkshelden.
Und plötzlich ist da ein Fiepen, ein seltsames Geräusch. Nähert sich ein Zug mit rostigen Bremsen? Es wird lauter und lauter und plötzlich ahne ich, was dieses Geräusch ist: der berühmt-berüchtigte Screaming-Tunnel in Wellesley, den man bereits zwei Kilometer vorher hört: Tausende junger Mädchen, die hier das College besuchen, säumen den Straßenrand, rasten dabei aus und verlangen nach Umarmungen und Küssen. Nun ja, ich belasse es bei einem kollektiven Handkuss, der aber auch für einen Begeisterungs-Sturm sorgt, wie ihn sonst Boybands erzeugen. W a h n s i n n!
Wenig später ist die Hälfte des Laufes geschafft. Regen, Kälte und Gegenwind machen mir gar nichts aus, es läuft prima. 1:26:44h zeigt die Uhr. Fühlt sich gut an, keine Probleme bislang. Also: Weitermachen.

2015_bostonmarathon_coursemapDie Newton Hills
Noch drei Meilen und die gefürchteten Newton Hills werden beginnen. Vier Hügel, die den Läufern angeblich alles abverlangen sollen, mit dem Heartbreak Hill als Schlusspunkt. Hier, so sagt der Bostoner, werden die Rennen entschieden (was in diesem Jahr tatsächlich so ist, da der bereits erwähnte Meb sich hier verschluckt, übergibt und dadurch das Tempo nicht mehr mitgehen kann).
Aber: Es sind Hügel. Und ja, sie fühlen sich hart an, weil sie sich lange ziehen. Aber es sind eben nur Hügel, und keine Berge. Und sie bringen mich an diesem Tag schon gar nicht aus dem Konzept. Vor allem mit dem Wissen, dass es danach fast nur noch bergab geht. Allerdings ist schon erstaunlich, dass die leichten Erhöhungen selbst Läufer aus meinem Segment aus dem Konzept bringen: Einige werden extrem langsam, andere gehen, wieder andere bleiben gar stehen. Ich frage mich, was diese Läufer wohl zu einem Berglauf wie dem Jungfrau-Marathon sagen würden?

 

Auf Bestzeit-Kurs

IMG_3644 Spätestens jetzt verrät mir meine Uhr, dass ich auf Bestzeitkurs bin. Das spornt an. Und das Mädel, das mich gerade überholt hat, werde ich nicht so einfach ziehen lassen, denkste dir wohl so. Ähnlich wie in Wellesley pushen einen nun die Studenten des Boston-College, einfach genial, vor allem, weil es weiterhin stark regnet.
Ich passiere bei 2:25h die 35km-Marke, was mir auch zeigt, dass ich die für mich immer demotivierenden Kilometer 20 bis 30 locker hinter mich gebracht habe, ohne auch nur daran zu denken. Schiefgehen kann jetzt eigentlich kaum noch etwas. Die Gedanken schweifen noch einmal an den Anfang der Vorbereitung, als mich eine Zerrung etwas aus dem Konzept warf. Meldet sich der Oberschenkel wieder? Nein, tut er nicht.
Mit Brookline wartet die letzte Vorstadt von Boston auf uns Läufer, in der Ferne sieht man schon die Wolkenkratzer. Der Wind peitscht mir nun direkt ins Gesicht, aber was soll mich jetzt noch aufhalten?
Das Beste: Zu keiner Phase des Rennens hatte ich das Gefühl, mich zu überanstrengen, was mich nun zu Kilometer-Zeiten führt, die ich sonst auf 10km-Läufen produziere.
Die Ziellinie rückt nun immer näher, die Straßen werden noch voller und die Zuschauer noch enthusiastischer. Einfach nur cool, wie sich hier keiner von dem miesen Wetter abhalten lässt.
Vorbei am Fenway-Park, und dann ist er schließlich da, der letzte Kilometer. Ab auf die Boylston Street, vorbei am McGreevys von Dropkick Murphys-Sänger Ken Casey. Ich spurte nun fast und lasse andere Läufer stehen. Das Handy ist gezückt, diesen Moment muss ich einfach festhalten.
Die letzten Meter vergehen nicht nur wegen meines Tempos (die Uhr zeigt mir einen Schnitt von 3.40 für den letzten KM an) wie im Flug. Ich bin absolut im Runnershigh und könnte, so zumindest mein Gefühl, noch ewig in diesem Tempo weiterlaufen. Denn von Erschöpfung ist weit und breit keine Spur.
Dass die VIPs auf der Tribüne nicht mehr da sind, ist mir egal – dafür haben die Zuschauer auf den 42 Kilometern vorher alles gegeben. MEGA-Nice und ein deutliches Zeichen, warum dieser Marathon so geliebt wird.

IMG_3637Im Ziel
Ich laufe nicht über die Ziellinie, ich springe (http://marathonfoto.com/Catalog/List/210831274?PIN=7X6U10&LastName=KOELKER) und gebe der Uhr, die 2:56:22 anzeigt, noch einen mit. Meine tatsächliche Zeit beträgt 2:54:19h, was natürlich neue persönliche Bestzeit darstellt – eine Verbesserung um mehr als vier Minuten, wow. Betrachtet man die Zeit des Siegers Lelisa Desisa (2:09:17h), so wird klar, dass die Bedingungen eigentlich nicht Bestzeit-tauglich waren. Immerhin liegt er sechs Minuten hinter dem Streckenrekord. Ich scheine also wohl wirklich einen Sahnetag erwischt zu haben. Die Medaille wirkt wie eine Belohnung, noch mehr sehne ich aber die silbernen Capes herbei. Denn Wind und Wetter hören nicht auf, verrückt zu spielen. Die Kälte erklettert nun den Körper, gut, dass ein U-Bahn-Schacht als Sauna-Station her hält. Der Weg zurück zum Boston Common ist zwar nur einen knappen Kilometer lang, doch erscheint mir plötzlich Ewigkeiten zu dauern. Duschen gibt es zwar nicht, aber ein kleiner Tempel lädt zum Umziehen ein.

 

Timo (links) und Christian (rechts): RT worldwide!

Timo (links) und Christian (rechts): RT worldwide!

Siegesfeier mit RT-Kollegen
Meine persönliche Siegesfeier steigt im Brass in Somerville. Hier treffe ich auf Timo und Christian, die ursprünglich aus Finnland bzw. Schweden kommen, nun aber hier wohnen. Sie sind, wie ich auch, Mitglieder bei Round Table. Zwar ist unser Club in den USA nicht sonderlich groß, vereinzelt gibt es aber Jungs, die den Gedanken aus Europa mitgebracht haben. Es ist ein tolles Treffen, bei der wir die Bierkarte (http://www.brassunion.com/wp-content/uploads/2014/11/Brass_Beer_website_April7_15.pdf) rauf und runter probieren. Stark. Eigentlich hatte ich noch vor, die Runnersparty mitzunehmen, doch die ist schon lange vorbei. Beseelt sinke ich also später in die Federn und schlafe mit einem Lächeln ein. Was für ein geiler Tag… (Noch ein Nachtrag: Im Haus wartete der von oben bis unten getapte Dominic mit einer Flasche Brandy in der Hand. Während er das Zeug pur trinkt, bitte ich um Cola. Der Höllenhund!)

Wer sich das Rennen noch einmal anschauen möchte, kann dies hier machen:

Der Tag danach: Easy!

Der Tag danach: Easy!

Abreisetag

Mein Flieger geht erst am Abend, was mir die Möglichkeit zu einem erneuten Stadtbummel gibt. Im McGreevys gönne ich mir einen fetten Burger und lerne dabei erneut Läufer kennen. Es ist irgendwie verhext, egal, wo man hinkommt, man trifft einen Marathoni. Oder Leute, die einem anerkennend zu nicken, zu winken oder gar aus dem Auto aussteigen, um zu gratulieren. Toll. Wie auch das Eis von Emack & Bolio’s Ice Cream auf der grazilen Newbury Street. Kostet zwar 18 Dollar für zwei Kugeln, ist aber leider geil 😉

Wie immer bei solchen Erlebnissen ist dieser Bericht wieder über das normale Maß hinaus gegangen. Sorry, aber das war es mir wert. Ich hoffe, ihr hatte beim Lesen ähnlich viel Spaß, wie ich beim Schreiben. Ich könnte noch Stunden weiter machen, aber irgendwann muss das ja ein Ende nehmen. Danke für alle, die mir die Daumen gedrückt haben und vor allem DANKE an meinen Schatz Eva, die mir diese Reise trotz Umzug gestattet hat. #love

Und es gibt ja auch noch andere Seidenraupen >>>

 

Adam beim Zieleinlauf!

Adam beim Zieleinlauf!

Marathon in Ddorf

Eine Woche nach Boston stand der Düsseldorf Marathon an. Während mein Knie noch nicht wiederhergestellt war und ich leider meinen Staffel-Start absagen musste, waren Henne und Adam am Start. Henne finishte nach 3:01:46h und wurde damit 102. und in der M30 18. Adam überquerte nach 3:18:00h die Ziellinie an den Kasematten, was Rang 267 im Gesamt-Klassement und 41 in der M45 bedeutete. Steile Zeiten, Jungs!


Morgen aufm Plan: Halbmarathon in Duisburg

Die Halbmarathon-Strecke beim Winterlauf in Duisburg.

Die Halbmarathon-Strecke beim Winterlauf in Duisburg.

Mit dem morgigen letzten Teil der Duisburger Winterlauf-Serie, dem Halbmarathon, haben die Seidenraupen noch einmal eine Mammutaufgabe vor der Brust. Die 21 Kilometer folgen in etwa der 15km-Strecke, machen aber zusätzlich noch einen Schlenker um die Regattabahn und den angrenzenden Sportpark Wedau.

Gemein an der Streckenführung ist der ständige Kontakt mit Läufern, die schon mehr Kilometer auf dem Buckel haben. So gibt es den ersten Kontakt am Aussichtsturm in der Sechs-Seen-Platte. Später begegnen sich schnellere und langsamere Läufer noch auf der Masurenallee, an der Regattabahn und im Sportpark. Auf der anderen Seite: Ist man in der Position, schon an der weiter fortgeschrittenen KM-Markierung zu sein, quasi mit Blick auf die langsameren Läufer, dreht sich das Blatt und man ist froh, das Ziel in greifbarer Nähe zu haben…

Um die Motivation hochzuhalten, hat der ASV Duisburg diesmal für mehrere Musikbands gesorgt, im Ziel gibt es nicht nur alkoholfreies Bier, sondern auch Massagen.

Für die Seidenraupen am Start: Henne Hahn, Manuel Kölker, Ansgar van de Loo und Marcus Noack (in der Reihenfolge ihrer Platzierung). Nichtstarter sind Eva-Moritz Neder (dsq.), Juppi Noack (gießt Blumen) und Ali Celik (Urlaub). Nur Hahn, Kölker, van de Loo und Neder haben bislang alle Läufe absolviert.


Nur wenige Seidenraupen in Duisburg

Die 15k-Laufstrecke in Duisburg. Quelle: ASV Duisburg

Die 15k-Laufstrecke in Duisburg. Quelle: ASV Duisburg

Ganz Deutschland schnupft und hustet vor sich hin, logisch, dass da auch die Seidenraupen nicht vor gefeit sind. Meine Nase läuft seit zwei Tagen im Dauerrythmus, weswegen ich in Duisburg am Samstag nicht mit einer Bestzeit rechnen kann. Dann nämlich steht der zweite Lauf der Winterlauf-Serie an: knackige 15 Kilometer rund um die Regattastrecke und die Sechs-Seen-Platte (warum eigentlich sechs? Ich zähle fünf.).

Wer mich begleitet, ist noch offen. Bis auf Moritz gibt es noch keine Zusagen. Die beiden Noacks haben ebenso abgesagt, wie Henne, der an einer Knieentzündung laboriert (die Hoffnung aber noch nicht abgesagt hat), und Eva, die arbeiten muss. Was geht mit Ali und dem Büffel?

So – oder so: Voll wird es allemal, da es nur ein Startefeld gibt. Besonders im Bereich des Berges nördlich des Haubachsees kann es also eng werden.