Wir laufen und laufen und laufen und laufen

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Serie, Teil 4: Auf und nieder, die Strecke

Der GutsMuths-Rennsteiglauf gilt als größter Crosslauf Europas. In diesem Jahr ist Seidenraupe Manu erstmals dabei. 73,9 Kilometer sind am Samstag, 26. Mai, zu absolvieren. In einer kleinen Serie widmen wir uns diesem fast schon mystischen Event in Thüringen, heute um die Strecke an sich.

Der Start erfolgt auf dem Marktplatz in Eisenach (215 m NN) durch die Verantwortlichen des SV „Wartburgstadt“ Eisenach. Vom Marktplatz geht es in die Fußgängerzone durch das Nikolaitor. Nach ca. 700 m biegt man in die Dr.-Moritz-Mitzenheim-Straße ein und erreicht nach nur 1,9 km den Stadtrand von Eisenach und das Burschenschaftsdenkmal. Ein langer Anstieg liegt vor dem Läufer bis er auf den Rennsteig bei 7,4 km trifft. Auf dem Waldweg geht es vorbei an der „Moosbacher Linde“ (352 m), der Weinstraße“ (445 m) und dem „Marienblick“. Der erste Getränkepunkt wird am „Waldsportplatz“ (6,9 km) erreicht, betreut durch den ESV LOK Eisenach.

Nach 7,4 KM auf den Rennsteig

Nach weiteren 500 m erreicht man den Rennsteig bei 7,4 km in einer Höhe von 445 m NN. Nun geht es auf dem Rennsteig entlang an der Schutzhütte „Zollstock“ (527 m) vorbei zu Getränkestelle „Ascherbrück“ der TSG Ruhla (11,7 km / 545 m).

Über das „Ruhlaer Häuschen“ (629 m), Bergwachthütte (14,9 km / 665 m) und „Glöckner-Ehrenmal“ gelangt man zur Verpflegungsstelle „Glasbachwiese“ (18,0 km / 647 m), betreut durch den WSV Steinbach. Im Anstieg zur „Hirschbalzwiese“ erreicht man die nächste Getränkestelle „Dreiherrenstein“ (20,6 km / 740 m), betreut durch den WSV Brotterode. Über den „Großen Weißenberg“ folgt ein kurzer Abstieg zur „Brotteröder Hütte“ (720 m) und dann der steile Anstieg über knapp 2,5 km über den „Oberen Beerberg“ (830 m) zum „Großen Inselsberg“ (25,5 km / 916 m). Vorsicht ist beim Abstieg geboten! Auf nur 1,3 km geht es einige Treppenstufen und einen steilen Weg bergab auf 725 m zur Verpflegungsstelle „Grenzwiese“ (26,8 km), die wie die vorhergehende Getränkestation vom WSV Brotterode betreut wird.

Mit geringen Höhendifferenzen geht es weiter zum „Heuberghaus“ (30,9 km / 690 m) und über den „Spießberg“ (748 m) zur Getränkestelle der Harderhölzer Lauf- und Wanderfreunde Seligenthal – dem „Possenröder Kreuz“ (33,6 km / 700 m). Die nächste Verpflegungsstation ist die „Ebertswiese“ (37,5 km / 720 m). Mehr als die Hälfte der Strecke ist geschafft. Hier heißt es Auftanken bei bester Bewirtung durch die Helfer des SV Floh-Seligenthal.

Gestärkt nimmt man dann die nächsten Anstiege in Angriff. Zunächst hinauf zum „Glasberg“ (760 m), wieder hinab zur „Alten Ausspanne“ (742 m) und wieder hinauf zum „Nesselberg“ (747 m). Über einen kurzen Abstieg zum Rennsteighaus erreicht man bei 40,9 km die nächste Getränkestelle „Neue Ausspanne“ (714 m), die vom WSV „Salzkopf“ Struth-Helmershof betreut wird. Über die teilweise steilen Aufstiege „Krämerod“ (765 m), Sperrhügel (869 m) und „Schmalkalder Loipe“ (881 m) erreicht man die Verpflegungsstelle „Neuhöfer Wiesen“ (45,4 km / 850 m). Dort warten die Wanderfreunde vom Schmalkaldener Wanderverein „Turnvater Jahn“ mit bester Launer und einer ordentlichen Stärkung. Weiter geht es über den „Wachsenrasen“ (815 m) zur Getränkestelle „Gustav-Freytag-Stein“ (51,3 km / 876 m), betreut durch den SV Rot-Weiß Unterschönau. Auf in Richtung Oberhof! Die Querung der Rollerstrecke wirft erste Schatten auf das Wintersportmekka am Rennsteig. Bei Kilometer 54,7 erreicht der Supermarathoni den „Grenzadler“ (842 m) und damit die nächste Verpflegungsstation des SV 04 Oberschönau. Hier erfolgt eine Zwischenzeitnahme. Die Möglichkeit des Ausstieges mit Zeitnahme ist hier gegeben. Ein Transport mit Kleinbussen zum Zielort Schmiedefeld wird vom Organisator gestellt. Aber das schönste Ziel der Welt ruft…

Nur noch 20…

Der Läufer hat nun noch knapp 20 Kilometer zu bewältigen. Rechts an Oberhof vorbei geht es über den „Stein 16“ (889 m) zum „Rondell“ (826 m). Am Vormittag wird der Großteil des nachfolgenden Streckenabschnittes bereits durch die Läufer des Halbmarathons und den Wanderern der 15 km-Wanderung genutzt. Einige der Wanderer wird man in den frühen Nachmittagsstunden noch begegnen. Für alle steht der Anstieg zum Großen Beerberg, der mit seinen 980 m der höchste Punkt des Thüringer Waldes ist, bevor. Vom Rondell aus geht es zur „Sommerswiese“ (58,9 km / 855 m), wo es eine Getränkestelle durch den SC Motor Zella-Mehlis gibt. Über eine kurze steile Rampe hinab folgt man dem Rennsteigskiweg bis zur „Suhler Ausspanne“ (922 m), bevor es dann zum höchsten Punkt der Strecke (62,2 km / 974 m), unterhalb des Gipfels des Großen Beerbergs, geht.

Den Abstieg vom Großen Beerberg hinunter und hinauf auf den Rosenkopf (938 m) geht es weiter bergan. An der Wetterstation vorbei zur letzten Verpflegungsstelle „Schmücke“ (65,0 km / 916 m) und zur letzten Getränkestelle „Kreuzwege“ bzw. „Bierfleck“ (69,3 km / 822 m), beide betreut durch den SWV Goldlauter. Dem Namen entsprechend erhält man am „Bierfleck“ erfrischendes Köstritzer Schwarzbier, auch eine Besonderheit beim Rennsteiglauf, der dann für das letzte Stück noch einmal Energie gibt.

Das Ziel ist nicht mehr weit. Über den „Skilift am Eisenberg“ hat der Läufer den besten Blick über Schmiedefeld. Wenn man die Gartenanlagen der Gemeinde Schmiedefeld durchquert, kann man bereits den Trubel vom Sportplatz hören. Vom WSV Schmiedefeld ist alles für den großen Empfang vorbereitet. Mit einer herzlichen Gastlichkeit, Beifall, Jubel und den Ansagen der Zielsprecher wird man im Ziel von Einheimischen, Gästen, Begleitern empfangen. 73,9 Kilometer von Eisenach bis Schmiedefeld sind geschafft. Auch wenn man nicht der erste ist, ist jeder Rennsteigläufer ein Sieger und besonders die, die diese Strecke bewältigt haben. (Quelle:  http://www.rennsteiglauf.de/wettkampf/strecken/supermarathon)


Serie, Teil 3: Der sagenumwobene Rennsteig-Schleim

Der GutsMuths-Rennsteiglauf gilt als größter Crosslauf Europas. In diesem Jahr ist Seidenraupe Manu erstmals dabei. 73,9 Kilometer sind am Samstag, 26. Mai, zu absolvieren. In einer kleinen Serie widmen wir uns diesem fast schon mystischen Event in Thüringen, heute dem sagenumwobene Rennsteig-Schleim.

Crosslauf, 44. GutsMuths-Rennsteiglauf

Es gibt Schleim, baby. Impression vom 45. GutsMuths-Rennsteiglauf 2017. Foto: Kevin Voigt / Rennsteiglauf Sportmanagement & Touristik GmbH

Google – so glaubt man ja landauf, landab – weiß alles. Doch es gibt Dinge, die hat auch Google nicht auf dem Schirm, egal, wie lang es sich strecken mag. Eines dieser Dinge ist der Haferschleim beim Rennsteiglauf, den es bei KM18 an der Glasbachwiese gibt. Bei dem einen vergöttert, bei dem anderen verhasst. Wie auch immer: Das Rezept bleibt geheim. Entsprechende Einträge bei Google gibt es natürlich zuhauf. Meist sind es eben Fragen nach dem Rezept, es wird auf Foren verwiesen und auf ähnliche Rezepte. An das einzig-wahre Rezept kommen die aber nicht heran – und das wird auch so bleiben.

Der Jenaer Sportmediziner Jochen Scheibe hatte sich die Masse 1973 erdacht, als erstmals der Rennsteig erlaufen wurde. Sie vereint zwar Kohlehydrate, Mineralsalze und Flüssigkeit, schmeckte aber so salzig, dass die damaligen Läufer sie später angeekelt wegkippten und Wasser bevorzugten.

Verantwortlich für die heutige Mixtur aus gekochten Haferflocken, Obstsäften, Zitronen, Orangen oder auch Heidelbeeren, mit Kochsalz, Vitamin C und Traubenzucker angereichert, ist die Familie Senf. Günter und Sybille sind seit über 40 Jahren als Helfer an der Strecke und „begeistern“ seitdem die Massen mit ihrem Schleim in fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen. Zu Beginn wurden 25 Liter bereitgestellt, mittlerweile sind es 300 Liter.

Ob der Schleim nun schmeckt oder nicht, er wirkt Wunder. „Der Haferschleim wird viel besser vom Körper aufgenommen als zum Beispiel Cola oder Limonade. Die langen Kohlenhydratketten werden langsam vom Körper verbraucht und in Energie umgesetzt Sie sind ideal für lange Strecken“, sagte Günter Senf dem „Freien Wort“. In dem Sinne: Guten Appetit.


Serie, Teil 2: Johann Christoph Friedrich GutsMuths – der Mann, der dem Rennsteiglauf seinen Namen gab

Der GutsMuths-Rennsteiglauf gilt als größter Crosslauf Europas. In diesem Jahr ist Seidenraupe Manu erstmals dabei. 73,9 Kilometer sind am Samstag, 26. Mai, zu absolvieren. In einer kleinen Serie widmen wir uns diesem fast schon mystischen Event in Thüringen, heute seinem Namensgeber.

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Lithographie von Johann Christoph Friedrich GutsMuths (1759-1839) Pädagoge und Mitbegründer des Turnens. Quelle: Wikipedia

Johann Christoph Friedrich GutsMuths gilt als erster idealer Sportpädagoge, da er selbst unterrichtete und gleichzeitig schreibend darüber reflektierte – und zwar weit vor unserer Zeit. GutsMuths wurde am 9. August 1759 in Quedlinburg geboren und galt schon früh als pfiffiges Kerlchen. Schon zu Gymnasial-Schulzeiten war er als Hauslehrer angestellt und beschäftigte sich mit Fragen der Pädagogik. Mit 20 erhielt er ein Stipendium, es verschlug ihn an die „erste moderne Universität“ Deutschlands in Halle an der Saale, wo er drei Jahre neben Theologie auch Physik, Mathematik, Philosophie und Geschichte studierte. Nebenbei besuchte er Pädagogikvorlesungen und lernte Französisch, Italienisch und Englisch. 1784  ging er zur neueröffneten Erziehungsanstalt  Schnepfenthal (liegt etwas weiter nördlich als der Rennsteig). GutsMuths wurde 1785 feierlich in sein Amt gehoben und behielt es über ein halbes Jahrhundert lang. In Schnepfenthal befindet sich auch Deutschlands erster Turnplatz.

Der Methodik verpflichtet

Denn GutsMuths unterrichtete neben traditionellen Fächern auch Gymnastik, zunächst jedoch als Laie. Er entdeckte aber schnell Defizite und entwickelte diese immer weiter, vor allem im methodischen Bereich. Dabei berücksichtigte er die individuellen Voraussetzungen der Schüler und erkannte, dass eine sorgsame Abstufung des Übungsprozesses erforderlich war. „Er schuf damit einen jugendgemäßen, methodisch gestuften Unterricht nach dem Grundsatz der kontrollierten Leistungssteigerung. Auf die Entwicklung der Leibesübungen übte er weltweit einen starken Einfluss aus, indem er die erste systematische, pädagogisch begründete Leibeserziehung entwickelte“ heißt es bei Wikipedia.

Ein Patriot durch und durch

Bei allem Jubel darf allerdings nicht vergessen werden, dass er als deutscher Patriot der preußischen Regierung die allgemeine Einführung von Gymnastik- und Turnunterricht auch als eine Maßnahme der Wehrertüchtigung empfahl. In seinem Werk Turnbuch für die Söhne des Vaterlandes hob er seine Gymnastik in ein vaterländisch-soldatisches Turnen zugunsten der Wehrerziehung. In Gymnastik für die Jugend nahm er Übungen auf, die soldatische Gewehrgriffe und Marschübungen zeigten.

Vielen ist „Turnvater Jahn“ bekannt, er studierte bei GutsMuths 1807 in Schnepfenthal Leibesübungen. Auch die Leibeserzieher Franz Nachtegall und Per Henrik Ling hat er wesentlich beeinflusst. Kaum bekannt: GutsMuths beschrieb als erster die Baseball-Regeln. In ganz Deutschland finden sich Straßen, Wege und Plätze, die nach ihm benannt sind, ebenso wie Stadien und Turnhallen. Die höchste staatliche Auszeichnung der DDR für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Sportwissenschaft und Sportmedizin, der GutsMuths-Preis, wurde ebenfalls nach ihm benannt – und eben auch der Rennsteiglauf.


Serie, Teil 1: Manu beim Rennsteiglauf. Heute: Zahlen, Daten, Fakten

Der GutsMuths-Rennsteiglauf gilt als größter Crosslauf Europas. In diesem Jahr ist Seidenraupe Manu erstmals dabei. 73,9 Kilometer sind am Samstag, 26. Mai, auf der „Super-Marathon-Strecke“ zwischen Eisenach und Schmiedefeld zu absolvieren. Sicherlich kein Pappenstiel, doch nach den 50km von Linn vor wenigen Tagen ist Manu heiß wie Frittenfett. In einer kleinen Serie widmen wir uns diesem fast schon mystischen Event in Thüringen. Heute blicken wir erst einmal auf die blanken Zahlen.

Crosslauf, 44. GutsMuths-Rennsteiglauf

Startschuss des 45. GutsMuths-Rennsteiglauf 2017. Foto: Kevin Voigt / Rennsteiglauf Sportmanagement & Touristik GmbH

Die Strecke

Dank einer kleinen Änderung ist die Strecke nun also 73,9 Kilometer lang. Immer wieder wurde die Distanz geändert, so waren bei der ersten Ausrichtung 1973 noch 100 km zu absolvieren. 1974 waren es dann „nur“ noch 82 Kilometer, und 1975, als der Lauf erstmals als Wettkampf ausgerichtet wurde, kam auch eine Frauen-Strecke von 38 km hinzu. 1976 wurde die Streckenlänge auf 75 km reduziert, 1983 dann auf 68 km, 1986 auf 65 km und seit 1997 verläuft die Hauptroute auf der heutigen Führung. Seit 2017 wird die Streckenlänge nach einer Neuvermessung mit 73,5 km (statt 72,7 km). Seit 1977 gibt es auch einen „Marathon“, zunächst über 45 km, dann 43,5 km und ab 2016 schließlich über die Marathondistanz von 42,195 km. Auch ein Halbmarathon und verschiedene Wanderrouten befinden sich im Programm.

Auf und Nieder

Die Starthöhe in Eisenach liegt bei 215 m NN, sie ist auch gleichzeitig der tiefste Punk des ganzen Laufs. Die Zielhöhe in Schmiedefeld bei 711 m NN. Der höchste Punkt ist auf 974 m NN kurz vor Plänkners Aussicht bei 61,5 km. Anstiege gesamt: 1867 m, Abstiege gesamt: 1382 m, macht eine Höhendifferenz von 3249 m. Die Streckenrekorde über die Hauptroute (72,7 km) halten Christian Seiler (4:50:55 h, 2014) und Daniela Oemus (5:55:37 h, 2016).

Crosslauf, 44. GutsMuths-Rennsteiglauf

Impression vom 45. GutsMuths-Rennsteiglauf 2017. Foto: Kevin Voigt / Rennsteiglauf Sportmanagement & Touristik GmbH

Meldungen

Bis Donnerstag hatten insgesamt 16 648 Läufer und Wanderer gemeldet, mit erwarteten 1800 Nachmeldungen dürften damit mehr als 18.000 Menschen unterwegs sein. 2040 Starter entschieden sich für den 73,9 Kilometer langen Supermarathon, 3306 Läufer für den Marathon und 7888 Teilnehmer für den Halbmarathon. 43 Teilnehmer sind zum 35. Mal dabei, 22 sogar zum 40. Mal. Unter den Läufern sind 100 Schweizer, 60 Ösis und 57 Italiener. 6483 Thüringer laufen mit, 2352 Sachsen, 1084 Bayern, 1059 Brandenburger und 1014 Berliner.


Mega: 50 Kilometer im Kreis, kein bisschen langweilig und dadurch 2000 Euro für den guten Zweck

Wahnsinn, das hätte ich mir in den künsten Träumen nicht vorstellen können. Der 50km-Lauf im Rahmen von „Crossover Linn“ war ein großer Spaß. Natürlich wurde es hinten raus etwas anstrengender, was wahrscheinlich der Hitze und dem zu Beginn recht forschen Tempo geschuldet war (und bestimmt auch der Streckenlänge), aber die Begleitumstände machten aus den zehn 5km-Runden nicht die erwartete Schwierigkeit. Am Ende ist mit der Zeit von 4:41 h sogar unerwartet der dritte Platz herausgesprungen.

Viel wichtiger: 2000 Euro fließen in die Kasse des Kinderschutzbundes. 20 Personen oder Unternehmen gaben ihre Zusage über jeweils 50 Euro, die Stiftung „It’s for kids“ verdoppelt das Ganze. Nicht nur allen Spendern sage ich DANKE, auch den aktiven Unterstützern am Raceday selber:

  • Björn Beudgen: Langjähriger Freund, der den Kontakt zu der Stiftung herstellte. War bei Runde eins dabei.
  • Aki Khader: Seidenraupe. Flitzte die ersten beiden Runden mit und tanzte abends mit mir noch zu Beginner-Sounds im Köpa.
  • Dennis Brick: Absoluter Knallkopp, lief die ersten sieben Runden mit. Machte dann eine Runde Pause und stieg noch einmal mit ein. O-Ton „Irgendwie hatte ich noch Bock.“ Ist schon mehrfach den SRC mitgelaufen und fühlt sich ansonsten bei Obstacle-Rennen wohl. Fernziel ist irgendein Rennen im Dezember in Thüringen (den Namen habe ich leider vergessen).
  • Edmund Kronenberg: Stieg irgendwann recht früh ein und machte gut Tempo. Ich bin mir nicht ganz sicher, meine aber, er wäre sechs Runden dabei gewesen. Erzählte viel von seiner KRabbelgruppe, einem Lauftreff, der seit etlichen Jahren besteht und regelmäßig auf gemeinsame Touren geht. Nächster Stopp: Der Elsass-Marathon mit etlichen „köstlichen“ Zwischenstopps.
  • Ursula Ellerich: Stieg mit Edmund ein, da war das Tempo aber noch recht flott, so dass sie erstmal alleine auf Tour ging. War trotzdem fünf Runden unterwegs und gab bei der finalen Runde noch einmal alles. Sie trug stolz das Shirt des Kinderschutzbundes, dem Spendenempfänger.
  • Susanne Eckai-Nicolaus: Hatte schon am Vortag 30 KM abgespult und war bei drei Runden dabei. Fieberte dem Saisonstart der Triathlon-Bundesliga entgegen, in der Tochter Jule an den Start geht.
  • Lars Woltermann: Kam über einen Querkontakt hinzu und war von der Idee total begeistert. „Ich laufe und spende“, so seine erste Aussage. Früher lief er mal sehr viel, mittlerweile ist er aber beim Boxen angekommen. Für nen Läufchen ist er aber immer noch zu haben. Wollte eigentlich Runde acht und neun mitlaufen, am Ende wurde es dann auch noch die zehnte.
  • Meike Thomassen: In der stieg auch Seidenraupe Meike mit ein, angefeuert von ihren Töchtern Pia und Liv und ihrem Ehemann Peter. Knüpft nach Babypause wieder an frühere Taten an.

 

Am Ende sei auch den Organisatoren vom Stadtsportbund und des Museums Burg Linn sowie den vielen Helfern gedankt: So eine Veranstaltung quasi aus dem Nichts aus dem Boden zu stampfen, ist schon aller Ehren wert. Ein sehr sehr dicker Applaus gebürt auch Seidenraupe Martin, der unsere Zeitmaschine erstmals bei einer Veranstaltung nutzte und auf Herz und Nieren testete. Ergebnis: Der Patient lebt.

Weitere Impressionen vom Kulturlauf (Fotos: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, L. Strücken):

 


Hermann, du mieser Hund!

Zugegeben, so richtig hatte ich mich nicht auf den Hermanns-Lauf vorbereitet – im Prinzip eigentlich gar nicht. So ist auch nicht erstaunlich, dass ich am Ende ziemlich eingegangen bin und in 2:44:57 h als 921. (871. Mann) über die Ziellinie kroch – rund eine Viertelstunde später als gedacht. Trotzdem: Ein klasse Lauf mit toller Atmosphäre, bestens organisiert.

Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug – kein Wunder, denn bis KM5 flog man tatsächlich fast. Downhill pur, was im Umkehrschluss aber auch bedeutete, dass schon jetzt Oberschenkel und Knie ran mussten. Etwas verwundert schaute ich auf die Uhr, genau 20min waren vergangen, als ich das 5km-Schild passierte – nicht schlecht. Ab da ging es dann aber erst einmal nach oben, der Anstieg zum großen Ehberg war schon recht knackig – die Belohnung gab es dann etwas später auf der Panzerplatte, auf der Alp d‘ Huez-Stimmung herrschte. Die nun folgender Kilometer waren ein Genuss, man konnte sich spielend über den sandigen Waldboden tragen lassen.

Da ich mich auf dem Weg nach Bielefeld zumindest in die Strecke eingelesen hatte, wusste ich, dass es ab KM15 knackig werden würde, denn nun wartete der Tönsberg. Mit 333 Metern Höhe sicherlich auch kein alpiner Berg, aber der Anstieg hatte es schon in sich. Schnell traf ich die Entscheidung, mir hier nicht gänzlich alles zu versauen, und schaltete zwei Gänge herunter. Die Belohnung folgte recht bald, denn nach dem krassen Abstieg empfing die Crowd of Oerlinghausen die Läufer-Schar. Echt toll. Zwischenzeit hier, nach 18km: 1:28:31 h.

Ab hier verlief der Weg im welligen Gelände durch kleine Dörfer und viel Wald – alles bestens zu laufen, wobei in der Nachbetrachtung Trail-Schuhe deutlich besser gewesen wäre als die Straßenschuhe, die ich gewählt hatte. Am Ende folgte ein starkes Finish, das jedem Stadt-Marathon Paroli bieten kann.

Seichte Erkenntnis am Ende eines langen Tages: Bis zum Rennsteig muss noch einiges kommen, nicht nur der 50km-Lauf rund um Burg Linn.

 

 

 

 


Den Hermann vor der Brust

Nach zwei Wochen Pause nach dem Rotterdam-Marathon stand nun eine Woche lockeres Galopp auf dem Programm, um die Woche mit dem Hermanns-Lauf zu beenden. Für Manu wird der 31km-Run am Sonntag ein Gradmesser, auch für die anstehenden 50km beim Crossover-Kulturlauf am 12. Mai.

profil hermannslauf

Das Profil des Hermannslauf hat es in sich. Viele ebene Passagen gibt es auf den 31 Kilometern nicht. Grafik: www.hermannslauf.de

Der Start befindet sich am Hermannsdenkmal.  Die Läufer werden von Bielefeld mit Bussen hier hin kutschiert und dürfen sich dann auf eine anspruchsvolle Strecke freuen. Slogan des Laufs: „Der gefühlte Marathon“. Die Strecke führt auf den ersten Kilometern bergab und danach durch sehr hügeliges Gelände. Insgesamt sind rund 515 Höhenmeter und 710 Meter im Gefälle zu absolvieren. Nach der Straße zum Truppenübungsplatz ist der Anstieg des großen Ehbergs (ca. KM 7) zu bewältigen. Danach läuft man Richtung Augustdorfer Panzerstraße. Hinter der Stapelager Schlucht beginnt dann bereits bei etwa KM 15 der Anstieg zum Tönsberg. Weiter geht es durch Oerlinghausen und das Schopketal . Es folgen der Wandweg in Lämershagen, die Überquerung der Autobahnbrücke sowie die Treppen von Lämershagen. Hier sind 120 Stufen und ca. 45 Höhenmeter zu bewältigen. Die Strecke verläuft von hier bis zum Funkturm „Eiserner Anton“ weiterhin ansteigend. Bis zur Überquerung der Osningstraße geht es wieder bergab. Nach dem letzten steilen Anstieg verläuft die Strecke in leichten Wellen Richtung Habichtshöhe, vorbei an Brand´s Busch und dem „Tränenhügel“ zur Promenade. Dort befindet sich kurz vor der Sparrenburg das Ziel. Die insgesamt 31,1 km lange Laufstrecke verläuft abwechselnd über Waldboden, Sandwege, Beton sowie Asphalt und Kopfsteinpflaster. „Das ganze klingt nach Rennsteig light. Ich bin gespannt“, so Manu.

Mit von der Partie ist übrigens Sebastian Fabel. Mal sehen, wie sich die beiden im Ziel dann fühlen 😉

Strecke: https://www.outdooractive.com/de/trailrunning/teutoburger-wald/hermannslauf–salomon-trailrunning-cup-/1379682/#dm=1&fu=1

 


Kathi stürmt in Berlin zur Bestzeit – Adam und Manu ächzen in Rotterdam

Das war eine Meisterleistung mit Ansage: Seidenraupe Kathi hat in Berlin ihre Halbmarathon-Bestzeit auf 1:56:38 h geschraubt. Im Vorjahr hatte sie noch das Kunststück vollbracht, genau zwei Stunden zu benötigen. Adam und Manu hatten zeitgleich in Rotterdam die doppelte Strecke zu bewältigen und waren am Ende mit ihren Zeiten (Adam: 3:43:11 h, Manu: 3:09:23 h) ebenfalls zufrieden. Sowohl in Berlin als auch in Rotterdam war es wie erwartet wärmer als noch in den Wochen zuvor. Ungewohnte, aber keinesfalls schlechte Bedingungen also für die Läufer, die sich in den Wintermonaten gestählt hatten.

Das Training hatte sich zumindest bei Kathi gelohnt. Sie wollte in ihrer Heimatstadt endlich unter die Zwei-Stunden-Marke kommen, was ihr endlich gelang. Bei 1:56:38 h blieb die Uhr am Ende stehen, da war der Jubel groß: „Das war alles prima. Die Bedingungen waren optimal, auch wenn es auf den Abschnitten ohne Schatten doch etwas wärmer war. Aber dank meinem persönlichen Hasen Kathleen habe ich es endlich geschafft.“ Auf dem Ku-Damm (bei KM12) sei es ihr etwas schwerer gefallen, da aber griff Kathleen ein. „Sie hat sich nach vorne gesetzt und mich gezogen. Das hat mir Antrieb gegeben. Am Ende wurden wir sogar etwas schneller und ich hatte sogar das Gefühl, nicht am Limit gelaufen zu sein.“ Das beweisen auch die Zwischenzeiten (5km: 27:41, 10km: 27:57, 15km: 27:53, 21: 33:08). Mit ihrer Zeit belegt sie in der W35 Platz 244, bei den Damen 1836 und im Gesamt-Ranking 8972.

Gerne hätte auch Adam sein Rennen nach 21 Kilometern beendet – aber auf dem Programm standen eben 42. Denn bei KM18 gab es einen ungewohnten Einbruch: „Es ging nichts mehr. Meine Beine haben geschmerzt, meine Füße gekribbelt und mein Herz hat verrückt gespielt. Man kann sagen, dass der Himmel sich gegen mich verschworen hat. Ich musste sogar ein zwei Mal gehen. Ab da gab es nur noch ein Ziel: Ankommen.“ Und das gelang: 3:43:11 h (Halbmarathon: 1:38:55 h) stand am Ende auf der Uhr, (Gesamt-Platz 3245/13984, Männer: 2921/10672, M45: 442/1779), wenn auch langsamer als erwartet. Auf den letzten zehn Kilometern biss sich das „Kampfschwein“ mit Kilometer-Zeiten um die sechs Minuten durch. Hut ab!

Mit dergleichen hatte eigentlich Manu gerechnet: Kein Lauftraining in den vergangenen zwei Wochen, die drei Wochen davor auch nur sporadisch. Immer wieder streikte die Wade, und es war nicht klar, ob sie halten würde. „Daher bin ich verhalten an die Sache ran. Auch wenn ich mich gut fühlte, habe ich mich an das Vorhaben gehalten, nicht zu überpacen. Das wäre bei dem Trainingsstand deutlich nach hinten losgegangen.“ Und so hielt er sich an die Drei-Stunden-Pacer, konstante Zeiten von 4:12 bis 4.15 Minuten pro Kilometer waren das Ziel. Das ging länger gut als erwartet. „Bei KM23 meldeten sich meine Beine und zeigten mir, dass ich einen Gang runterschalten sollte. Das habe ich dann auch gemacht. Ich ließ zwei Kilometer später die Pacemaker ziehen und dachte nur noch an das Ziel. Aber ich wollte nicht stehen bleiben, ich hatte mir geschworen, für Lou and the Boys das Ding laufend nach Hause zu bringen. Sie hatte ich die ganze Zeit in meinem Herzen.“ So pendelte er sich zunächst bei 4.20 bis 4.30 ein, zwischen KM 35 und 40 lagen die KM-Zeiten aber sogar einmal kurz über der 5min-Marke, „aber ich wusste, dass der Tank noch nicht ganz leer war.“ Um unter der 3:10h-Marke (Boston-Quali-Zeit) zu bleiben, gab er noch einmal Gas und war bei 3:09:23 h im Ziel (Halbmarathon: 1:29:10 h). Das bedeutet Platz  801/13980, bei den Männern 749/10668 und in der M35 171/1659.

Die Strecke in Rotterdam war übrigens nicht ganz so mau, wie erwartet, wenn auch nicht spektakulär, was vielleicht daran liegt, dass die Stadt auch nicht so schön ist. Zumindest die Zuschauer sorgten an vielen Stellen für die vom Venloop bekannte niederländische Stimmung. Schlecht dagegen der Ziel-Bereich: Kein Bier, keine Massagen und keine Duschen – das geht gar nicht!


Wochend-Vorschau II: Adam und Manu beim Rotterdam-Marathon

Bei Teil zwei unserer Vorschau für das kommende Wochenende blicken wir über die Grenze nach Rotterdam, wo sich Adam und Manu erneut der Herausforderung „Marathon“ stellen. Beide vertrauen dabei voll und ganz auf „Natur-Liebe“ – kein Gag.

Sowohl Adam, als auch Manu schleppen sich in den letzten Monaten bzw. Wochen mehr schlecht als recht durch. Bei einer MRT wurde bei Adam vor einiger Zeit eine eigentlich niederschmetternde Diagnose gestellt: Kreuzbandriss, Knorpelschaden, Meniskusschaden und eine deformierte Kniescheibe – uff. Liest sich eher nach Kategorie „Karrierende inkl. Verfettung auf der Couch“. Dagegen sind Manuel muskuläre Probleme in der linken Wade (Zerrung, Faserriss, o.ä.) eine kleine Schramme, obgleich auch sie ein anständiges Training in den vergangenen vier Wochen unmöglich gemacht haben. Die Produkte MSM und OPC aus dem Hause Nature Love sollen nun die Wunderwaffe sein. „Ich nehme es seit vier Monaten und es ist verblüffend. Es hilft mir, mehr als 100 Kilometer in der Woche zu laufen. Einen Tag vor dem Venlo-Halbmarathon bin ich noch 35 Kilometer mit 15 Kilometern im Marathontempo zum Ende hin gelaufen. Das darf man keinem Chirurgen erzählen“, berichtet Adam. Er hat Manuel nun auch diese Wundermittel empfohlen mit der Hoffnung, dass sich ein gleicher Effekt einstellt. Seit über einer Woche fährt er nur noch Rennrad, um die Wade aus dem Spiel zu nehmen. „Tatsächlich sind die Schmerzen weg. Ob das am Sonntag auch dauerhaft so bleibt, wird sich zeigen“, sagt Manu noch ein wenig zweifelnd. Zwar konnten alle im Plan verankerten langen Läufe absolviert werden, problematisch wurde es aber, wenn dauerhafte Geschwindigkeit mit ins Spiel kam.

MSM, kurz für Methylsulfonylmethan, ist organischer Schwefel, mit dem man seine Ernährung täglich ergänzen kann. Zur Wirkung von MSM gibt es hier Informationen: www.zentrum-der-gesundheit.de/msm-organischer-schwefel-im-sport-ia.html. Im Traubenkernextrakt wiederum steckt OPC und damit ein ungeheures Heilpotential. OPC ist ein antioxidativ wirksamer Pflanzenstoff und gleichzeitig Spezialist für ganz bestimmte Körperbereiche.Alles zu OPC hier: www.zentrum-der-gesundheit.de/opc-pi.html.

Mit diesen Wunderwaffen treten die beiden also am Sonntag beim größten Marathon der Niederlande an. Der Kurs ist extrem schnell, schon mehrfach wurden hier Weltrekorde gelaufen. Adam peilt eine Zeit zwischen 3:15 und 3:25 h an, Manu würde gerne im Bereich der Drei-Stunden-Marke landen, wenn alles glatt läuft. Das würde auch bedeuten, dass es am Sonntag nicht zu verstärktem Pollenflug kommt, der ihm einen dicken Strich durch die Rechnung machen könnte.

marathon_2018

Im Vergleich zu den Vorjahren wurde der Startbereich geändert: Die Läufer starten am Fuß der Erasmusbrug und laufen dann Richtung Kop van Zuid. Später geht es am De Kuip-Stadion vorbei, ehe es mehrere Kilometer über den Havenspoorpad geht. Zuschauer werden die Läufer hier wohl nicht erwarten können, dafür aber rund jeden Kilometer eine Band. Bei Kilometer 25 geht es zurück über die Erasmusbrug, doch noch sind einige Kilometer zu laufen, und zwar durch den Kralingse Bos – leider wahrscheinlich ebenfalls ohne viele Zuschauer, denn im Stadtwald von Rotterdam dürften sich wohl keine Menschenmassen aufhalten (wenn auch im Plan etwas von Hardloop-Supportern steht, was auch immer das sein mag). Bei KM38 verlassen die Läufer das Grün und stoßen wieder auf Zivilisation, dann wahrscheinlich mit mächtig viel Stimmung im Rücken. Succes!


Jetzt aber: Das Boston-Review

Sorry Leute, aber der Umzug ließ leider nicht zu, diese Fazit früher zu schreiben. Und da ich es nicht zwischen Tür und Angel tippen wollte, kommt es nun eben etwas später. Ist aber auch gut so, denn so kann ich diesen geilen Trip noch einmal genießen…los geht’s.

Olympia des Läufers
Der Boston-Marathon, das sei das Olympia des Läufers. Was Meb Keflezighi, der Sieger von 2014, sagt, zeigt den ungeheuren Stellenwert dieses Laufs, der als einziger auf eine solche Geschichte zurückblicken kann. Seit 1897 wird er jedes Jahr ausgerichtet, und er verwandelt die sowieso schon sportverrückte Metropole am Atlantik in ein Läufer-Tollhaus. Daran konnten auch die Bomben-Anschläge von 2013 nichts ändern, bei dem in Nähe der Ziellinie auf der Boylston Street drei Menschen starben und knapp 300 schwer verletzt wurden. Kein anderer Lauf auf der Welt genießt einen solchen Ruf, eine solche Dynamik, nirgendwo sonst wird der Marathon so gelebt wie hier.
Und genau deswegen war es für mich wie eine innere Pflicht, irgendwann einmal an diesem Lauf teilzunehmen. Eine Aufgabe quasi, die wahrlich nicht einfach zu erfüllen ist. Die Boston Athletic Association gibt nämlich strenge Qualifizierungs-Zeiten vor. Mit meiner Zeit vom Barcelona-Marathon im vergangenen Jahr (2:58h) hatte ich diese erstmals geknackt – und wer weiß, ob mir dies noch einmal gelingen sollte. Also: Anmeldung raus.

Eines vorne weg: Es sollte gelingen. Nach bereits 2:54:19h war ich im Ziel, was natürlich persönliche Bestzeit darstellt (mit der ich wohl erneut qualifiziert wäre). Unter den rund 30.000 Startern bedeutet dies Platz 1453 (Gesamt) und in der M35 1112. Zum Vergleich: Mit der Zeit hätte ich in Düsseldorf Rang 48 belegt.
Allein diese Positionierung zeigt, wie „schnell“ dieser Marathon ist. Hier starten nur die Besten, eben weil sie sich qualifiziert haben. Zwar gibt es auch Läufer, die sich über Charity Projekte oder Reiseveranstalter den Traum vom Boston-Marathon erkaufen, doch erfahrungsgemäß sind diese nicht vorne zu suchen, sondern eher in der Mitte oder dem Ende des Feldes.

imageDie Vorbereitung
Blicken wir kurz noch einmal zurück auf die Vorbereitung: Durch unseren Hauskauf und der damit verbundenen Sanierung/Renovierung war recht schnell klar, dass ich den 2.59.59h-Plan von Herbert Steffny nicht voll durchziehen kann. Sechs Einheiten pro Woche lassen sich kaum neben einem solchen Projekt absolvieren. Also legte ich den Fokus auf eine Intervall-Einheit, einen flotten Lauf und einen langen Lauf pro Woche. Alles anderes war Bonus. Insgesamt würde ich behaupten, dass ich dank zahlreicher Trainings in den frühen Morgenstunden trotzdem rund 75 Prozent des Plans absolvieren konnte. Gepaart mit einigen guten Ergebnissen in der Vorbereitung (unter anderem neuer HM-PB) gab mir das immerhin die Gewissheit, in Boston gut durchzukommen, gleichzeitig aber auch die Lockerheit, keiner Zeitvorgabe hinterherhecheln zu müssen. Ein ähnlicher Ritt wie in Barcelona erschien mir nicht realistisch, auch wenn natürlich der Wunsch, wieder unter der 3h-Marke zu bleiben, existierte.

imageAnkunft in Boston
Über Airbnb hatte ich eine schöne Bleibe in Somerville gefunden, fünf U-Bahn-Stationen von Boston-Downtown entfernt. Nach meiner Ankunft am Freitag und dem Check-In holte ich meine Startunterlagen ab. Marathon-Messen haben stets die gleiche Aufmachung, auch wenn es in Boston alles etwas größer war und überall mit der Bedeutung des Laufs geprahlt wurde (nimmt man gerne mit). Adidas überstrahlte mit seinem Shop so ziemlich alles, doch auch andere üblichen Marken versuchten, mit perfekt durchgestylten Souvenirs und Merch-Artikeln die Dollar aus den Besuchern zu quetschen. Mit Erfolg 😉
Den Abend verbrachte ich im Fenway-Park, der Heimat der Boston Red Sox. Rund drei Stunden hielt es mich an dieser traditionsreichen Stätte, während meine Sitznachbarn links und rechts versuchten, mir die Regeln näher zu bringen (je nach dem, wer gerade auf seinen Plätzen war, denn ein Großteil des Spiels verbringen die Zuschauer an den Fressbuden, an denen ein Bier im Plastikbecher mal eben lumpige neun Dollar kostet). Faszination der Amis für diesen Sport hin oder her, so richtig packt mich Baseball weiterhin nicht.

imageSamstag, noch zwei Tage
Den Samstag begann ich mit einem Lauf am frühen Morgen durch Harvard. Während es für mich lediglich darum ging, die Beine ein wenig auszuschütteln und mir den Campus samt Sportanlagen (wow) anzuschauen, hatte es der Großteil der Läufer, die ich traf verdammt eilig. Ich weiß nicht, ob es eine Momentaufnahme war, aber einfach nur so laufen/traben, scheint für viele Amis nicht zu gehen. Fast alle gingen an ihre Grenze bzw. pushten sich enorm und legten dabei eine große Verbissenheit an den Tag.
Den weiteren Tag hatte ich mir zur freien Verfügung gehalten, unter anderem wollte ich mir den Freedom Trail anschauen – eine rote Linie auf dem Boden führt einen spielend leicht zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihrer bewegten Geschichte. Das Resultat: Viel, viel gesehen und zwei dicke Blasen an den Füßen. Der Klassiker eben bei Marathons in Städten, die man sich noch anschauen möchte.
Der Abend endete in einer der vielen Sportpubs bei einem leckeren Burger, vielen Gesprächen mit anderen Läufern und NHL-Eishockey, genauer einem Spiel der Pittsburgh Penguins.

imageSonntag, noch ein Tag
Die Generalprobe ging mächtig daneben: Den kurzen Lauf am Morgen beendete ich mehr oder weniger im Tiefflug: Bordsteinkante übersehen, Sturz, schmerzhafte Wunden an Knie, Hüfte und Ellenbogen. Verdammt. Aber eben passiert.
Nach dem Besuch eines Gottesdienstes in der Trinity Church direkt an der Ziellinie ging es dann nach Worcester zum dortigen Spiel in der AHL. Die heimischen Sharks empfingen die Portland Pirates. Während sich die Sharks am Vortag für die Playoffs qualifiziert hatten, musste Portland noch gewinnen. In dem sehr schnellen Spiel (jeder DEL-Ligist wäre hier untergegangen) hatten die Pirates am Ende die Nase vorn, wenn auch knapp (5:4). Zurück in Boston besuchte ich noch die Pasta-Party im ultrahässlichen Rathaus, und dann ging es ins Bett.

 

IMG_3651Raceday
Der Wecker klingelt um 5 Uhr, argh. Aber okay, das Programmheft bat die Läufer der ersten Welle (also auch mich) darum, bis 6.30 Uhr einen der Busse am Boston Common genommen zu haben. Okay, wollen wir dem mal folgen.
Zusammen mit Dominic, der im gleichen Haus wohnt wie ich, und ebenfalls den Marathon läuft, geht es also zu früher Stunde hinaus. Der gebürtige Kambodschaner (49, sieht aber aus wie 25) hat das Ziel, ebenfalls unter 3h zu bleiben, sagt aber im gleichen Atemzug, kaum trainiert zu haben. Passt nicht ganz zusammen, denke ich mir, aber egal (Nachtrag: Er kam bei 3:42 rein. O-Ton: „Zu viel Gegenwind!“)
Nach der Gepäckabgabe werden wir vor dem Betreten der Busse gecheckt. Ein notwendiges Übel. Die Sicherheitsvorkehrungen waren ja nicht ohne Grund aufs höchste geschraubt worden. So wurde unter anderem verboten, mit Laufrucksack zu starten oder in einem Kostüm.
In den Schulbussen werden wir dann eine knappe Stunde hinaus bis zum Startort Hopkinton gefahren. Erinnert ein wenig an Bundeswehr-Zeiten, in denen es ebenfalls in Kolonne zu Übungen ging. Während es in den Bussen noch muckelig warm ist, empfängt uns die 14.000-Seelen-Gemeinde arschkalt und windig, wenig später dann auch mit Regen. Eigentlich genau mein Wetter, wenn da nicht noch über zwei Stunden bis zum Start wären. Eingemummelt in mehrere Lagen Plastikfolie und mit Tee versorgt, lege ich mich in eines der Zelte zum Vor-Ruhen. Auch mal was neues.

IMG_3647Startschuss
Doch dann geht es los. Aufruf, zum Start zu kommen. Und erstaunlich wenige Läufer, die sich verrückt machen. Wahrscheinlich dem Umstand geschuldet, dass in Welle eins zumeist erfahrene Hasen unterwegs sind. Letzter Adrenalin-Schiss, wobei von Aufregung eigentlich keine Spur ist. Unglaubliche Lockerheit, kaum Anspannung, null Druck. Die übliche Vaseline-Matscherei. Etwas eintraben. Nationalhymne. Und los.
Die ersten fünf Kilometer vergehen wie im Flug, offenbaren aber, dass es kaum möglich ist, auch nur ansatzweise ein einigermaßen gleichmäßiges Tempo zu laufen. Wenn ich jemals zuvor von einem welligen Lauf geschrieben habe, das hier stellt alles in den Schatten: es geht stetig auf und ab. Stört mich allerdings nicht. Ich habe schnell mein Tempo gefunden, laufe, sofern es die Anstiege erlauben, irgendetwas um die 4:07min pro Kilometer, was schneller ist als die 4:15min, die ich für 2:59h bräuchte. Aber es fühlt sich gut an, warum eigentlich nicht?! Hatte ich mir vor dem Lauf noch Gedanken gemacht, wie ich mich mit Wasser versorge (ich mag generell keine Getränkestationen und verliere dort immer Zeit), so scheint das nun wie weggeflogen. 9000 (!) freiwillige Helfer machen es möglich, pro Meile mindestens einen Getränkestand anzusteuern. Das sorgt für wenig Gedränge und vor allem dafür, nicht jeden mitnehmen zu müssen.

Smells like Venlo
Ein wenig sind die kommenden Kilometer (oder Meilen) mit dem Venlo-Halbmarathon zu vergleichen. Es geht von Siedlung zu Siedlung, von Städtchen zu Städtchen. Egal, ob in Ashland, Framingham oder Natick: Überall empfangen die geschätzten eine Millionen Zuschauer (ob es bei dem Regen wirklich so viele waren, bezweifle ich mal stark) die Läufer wie Volkshelden.
Und plötzlich ist da ein Fiepen, ein seltsames Geräusch. Nähert sich ein Zug mit rostigen Bremsen? Es wird lauter und lauter und plötzlich ahne ich, was dieses Geräusch ist: der berühmt-berüchtigte Screaming-Tunnel in Wellesley, den man bereits zwei Kilometer vorher hört: Tausende junger Mädchen, die hier das College besuchen, säumen den Straßenrand, rasten dabei aus und verlangen nach Umarmungen und Küssen. Nun ja, ich belasse es bei einem kollektiven Handkuss, der aber auch für einen Begeisterungs-Sturm sorgt, wie ihn sonst Boybands erzeugen. W a h n s i n n!
Wenig später ist die Hälfte des Laufes geschafft. Regen, Kälte und Gegenwind machen mir gar nichts aus, es läuft prima. 1:26:44h zeigt die Uhr. Fühlt sich gut an, keine Probleme bislang. Also: Weitermachen.

2015_bostonmarathon_coursemapDie Newton Hills
Noch drei Meilen und die gefürchteten Newton Hills werden beginnen. Vier Hügel, die den Läufern angeblich alles abverlangen sollen, mit dem Heartbreak Hill als Schlusspunkt. Hier, so sagt der Bostoner, werden die Rennen entschieden (was in diesem Jahr tatsächlich so ist, da der bereits erwähnte Meb sich hier verschluckt, übergibt und dadurch das Tempo nicht mehr mitgehen kann).
Aber: Es sind Hügel. Und ja, sie fühlen sich hart an, weil sie sich lange ziehen. Aber es sind eben nur Hügel, und keine Berge. Und sie bringen mich an diesem Tag schon gar nicht aus dem Konzept. Vor allem mit dem Wissen, dass es danach fast nur noch bergab geht. Allerdings ist schon erstaunlich, dass die leichten Erhöhungen selbst Läufer aus meinem Segment aus dem Konzept bringen: Einige werden extrem langsam, andere gehen, wieder andere bleiben gar stehen. Ich frage mich, was diese Läufer wohl zu einem Berglauf wie dem Jungfrau-Marathon sagen würden?

 

Auf Bestzeit-Kurs

IMG_3644 Spätestens jetzt verrät mir meine Uhr, dass ich auf Bestzeitkurs bin. Das spornt an. Und das Mädel, das mich gerade überholt hat, werde ich nicht so einfach ziehen lassen, denkste dir wohl so. Ähnlich wie in Wellesley pushen einen nun die Studenten des Boston-College, einfach genial, vor allem, weil es weiterhin stark regnet.
Ich passiere bei 2:25h die 35km-Marke, was mir auch zeigt, dass ich die für mich immer demotivierenden Kilometer 20 bis 30 locker hinter mich gebracht habe, ohne auch nur daran zu denken. Schiefgehen kann jetzt eigentlich kaum noch etwas. Die Gedanken schweifen noch einmal an den Anfang der Vorbereitung, als mich eine Zerrung etwas aus dem Konzept warf. Meldet sich der Oberschenkel wieder? Nein, tut er nicht.
Mit Brookline wartet die letzte Vorstadt von Boston auf uns Läufer, in der Ferne sieht man schon die Wolkenkratzer. Der Wind peitscht mir nun direkt ins Gesicht, aber was soll mich jetzt noch aufhalten?
Das Beste: Zu keiner Phase des Rennens hatte ich das Gefühl, mich zu überanstrengen, was mich nun zu Kilometer-Zeiten führt, die ich sonst auf 10km-Läufen produziere.
Die Ziellinie rückt nun immer näher, die Straßen werden noch voller und die Zuschauer noch enthusiastischer. Einfach nur cool, wie sich hier keiner von dem miesen Wetter abhalten lässt.
Vorbei am Fenway-Park, und dann ist er schließlich da, der letzte Kilometer. Ab auf die Boylston Street, vorbei am McGreevys von Dropkick Murphys-Sänger Ken Casey. Ich spurte nun fast und lasse andere Läufer stehen. Das Handy ist gezückt, diesen Moment muss ich einfach festhalten.
Die letzten Meter vergehen nicht nur wegen meines Tempos (die Uhr zeigt mir einen Schnitt von 3.40 für den letzten KM an) wie im Flug. Ich bin absolut im Runnershigh und könnte, so zumindest mein Gefühl, noch ewig in diesem Tempo weiterlaufen. Denn von Erschöpfung ist weit und breit keine Spur.
Dass die VIPs auf der Tribüne nicht mehr da sind, ist mir egal – dafür haben die Zuschauer auf den 42 Kilometern vorher alles gegeben. MEGA-Nice und ein deutliches Zeichen, warum dieser Marathon so geliebt wird.

IMG_3637Im Ziel
Ich laufe nicht über die Ziellinie, ich springe (http://marathonfoto.com/Catalog/List/210831274?PIN=7X6U10&LastName=KOELKER) und gebe der Uhr, die 2:56:22 anzeigt, noch einen mit. Meine tatsächliche Zeit beträgt 2:54:19h, was natürlich neue persönliche Bestzeit darstellt – eine Verbesserung um mehr als vier Minuten, wow. Betrachtet man die Zeit des Siegers Lelisa Desisa (2:09:17h), so wird klar, dass die Bedingungen eigentlich nicht Bestzeit-tauglich waren. Immerhin liegt er sechs Minuten hinter dem Streckenrekord. Ich scheine also wohl wirklich einen Sahnetag erwischt zu haben. Die Medaille wirkt wie eine Belohnung, noch mehr sehne ich aber die silbernen Capes herbei. Denn Wind und Wetter hören nicht auf, verrückt zu spielen. Die Kälte erklettert nun den Körper, gut, dass ein U-Bahn-Schacht als Sauna-Station her hält. Der Weg zurück zum Boston Common ist zwar nur einen knappen Kilometer lang, doch erscheint mir plötzlich Ewigkeiten zu dauern. Duschen gibt es zwar nicht, aber ein kleiner Tempel lädt zum Umziehen ein.

 

Timo (links) und Christian (rechts): RT worldwide!

Timo (links) und Christian (rechts): RT worldwide!

Siegesfeier mit RT-Kollegen
Meine persönliche Siegesfeier steigt im Brass in Somerville. Hier treffe ich auf Timo und Christian, die ursprünglich aus Finnland bzw. Schweden kommen, nun aber hier wohnen. Sie sind, wie ich auch, Mitglieder bei Round Table. Zwar ist unser Club in den USA nicht sonderlich groß, vereinzelt gibt es aber Jungs, die den Gedanken aus Europa mitgebracht haben. Es ist ein tolles Treffen, bei der wir die Bierkarte (http://www.brassunion.com/wp-content/uploads/2014/11/Brass_Beer_website_April7_15.pdf) rauf und runter probieren. Stark. Eigentlich hatte ich noch vor, die Runnersparty mitzunehmen, doch die ist schon lange vorbei. Beseelt sinke ich also später in die Federn und schlafe mit einem Lächeln ein. Was für ein geiler Tag… (Noch ein Nachtrag: Im Haus wartete der von oben bis unten getapte Dominic mit einer Flasche Brandy in der Hand. Während er das Zeug pur trinkt, bitte ich um Cola. Der Höllenhund!)

Wer sich das Rennen noch einmal anschauen möchte, kann dies hier machen:

Der Tag danach: Easy!

Der Tag danach: Easy!

Abreisetag

Mein Flieger geht erst am Abend, was mir die Möglichkeit zu einem erneuten Stadtbummel gibt. Im McGreevys gönne ich mir einen fetten Burger und lerne dabei erneut Läufer kennen. Es ist irgendwie verhext, egal, wo man hinkommt, man trifft einen Marathoni. Oder Leute, die einem anerkennend zu nicken, zu winken oder gar aus dem Auto aussteigen, um zu gratulieren. Toll. Wie auch das Eis von Emack & Bolio’s Ice Cream auf der grazilen Newbury Street. Kostet zwar 18 Dollar für zwei Kugeln, ist aber leider geil 😉

Wie immer bei solchen Erlebnissen ist dieser Bericht wieder über das normale Maß hinaus gegangen. Sorry, aber das war es mir wert. Ich hoffe, ihr hatte beim Lesen ähnlich viel Spaß, wie ich beim Schreiben. Ich könnte noch Stunden weiter machen, aber irgendwann muss das ja ein Ende nehmen. Danke für alle, die mir die Daumen gedrückt haben und vor allem DANKE an meinen Schatz Eva, die mir diese Reise trotz Umzug gestattet hat. #love

Und es gibt ja auch noch andere Seidenraupen >>>

 

Adam beim Zieleinlauf!

Adam beim Zieleinlauf!

Marathon in Ddorf

Eine Woche nach Boston stand der Düsseldorf Marathon an. Während mein Knie noch nicht wiederhergestellt war und ich leider meinen Staffel-Start absagen musste, waren Henne und Adam am Start. Henne finishte nach 3:01:46h und wurde damit 102. und in der M30 18. Adam überquerte nach 3:18:00h die Ziellinie an den Kasematten, was Rang 267 im Gesamt-Klassement und 41 in der M45 bedeutete. Steile Zeiten, Jungs!