Kurz kann ja jeder – deswegen trieb es etliche Seidenraupen am vergangenen Wochenende auf die richtig lange Kanten, darunter auch auf den legendären Hermannslauf. Dort hatte Holger Rausch Glück, einen der sehr begehrten Plätze zu erhaschen.
31,1 Kilometern sind es vom Hermannsdenkmal bei Detmold bis zur Bielefelder Sparrenburg – und nicht jeder Meter davon ist reiner Genuss. Die Läufer, es dürften wieder so rund 8000 gewesen sein, laufen dabei über Stock und Stein, rauf (568 m) und runter (774 m) durch den Teutoburger Wald – angefeuert von euphorischen Fans.



Die ersten fünf Kilometer sind geprägt von einem krassen Downhill, der nicht wenige Läufer zunächst in einen Flow kommen lässt, der dann aber aprubt endet. Und dann gehts hoch auf den Ehberg. „Ein geiler Lauf, aber sauschwer. Leider habe ich meine Zielzeit nicht geschafft, dafür war es zu warm. Aber ich habe Spaß gehabt und war zufrieden“, sagt Holger, der schließlich 3:18:15 h benötigte und damit 230. in der M55 wurde (Gesamt: 3014., Männer: 2529.).
Hartes Brett in den Vogesen
Tanja Gebhard hatte sich für den Trail Du Grand Ballon in Markstein (Frankreich) entschieden, und damit für 72km plus 3500 Höhenmeter. Bei eisiger Kälter ging es am frühen Samstagmorgen los – und Tanja durfte raus auf feinste Trails auf weichem Moosboden, vorbei an sechs gut bestückten Verpfelgungsstellen, auf Elend lange knackige Anstiege und ebenfalls sehr lange Downhills über Stock und Stein im Wechsel.




„Sightseeing wurde dabei völlig überbewertet
– den lang ersehnten Grand Ballon sah man leider nur im Namen des Rennens, was echt schade war. Die letzten zehn Kilometer waren dann der absolute Hammer! Es ging ausschließlich bergauf mit heftigen Rampen und der Zielbogen war am Ende von Steilstufen im Zick-Zack Parcours
! Einfach kann ja jeder. Ich war völlig am Ende!“ Dennoch freute sie sich natürlich über ihr Ergebnis: 11:00:31 h (15. Frau, F55: 1., Gesamt: 228.). „Für mich war das mein längster Trainingslauf für den Mozart 100. Die Standortbestimmung hat geklappt! Als 15. Frau im Ziel und unter 12 Stunden bin ich mehr als zufrieden.“
100 KM-Marsch mit Joey Kelly
Noch länger unterwegs waren Ali Celik und Manuel Kölker (Marcus Noack musste aus gesundheitlichen Gründen leider passen, hatte dafür aber seinen Bruder Johanns geschickt). Sie nahmen am „Race for soil“ statt, einem 100 KM-Marsch der Community von Schalke04-Sponsor „Sun Minimeal“. Der Startschuss fiel daher an der Veltins-Arena Auf Schalke, das Ziel lag am Stadtrand von Lohmar auf dem Bauernhof von Joey Kelly. Der wiederum war auch mit dabei und führte die Gruppe von 40 Personen stoisch an.



















Schon recht bald zeigte sich, dass ein Marsch bzw. eine Wanderung durchaus andere Körperpartien forderte als ein Lauf. Schon nach 20 Kilometern taten sich erste schmerzhafte Blasen auf. Eine weitere Herausforderung war der Umstand, an den sehr gut betreuten Verpflegungsstellen außer Sun Minimeals keine andere feste Nahrung zu erhalten. Gemüsebrühe wurde so zu einem sehr kostbaren Gut. Und so machte sich der Trupp gemeinsam auf den laaaaangen Weg durch GE, Essen, Velbert, Wuppertal, Solingen, Burscheid, Bergisch-Gladbach und Rösrath. Mit Ausnahme von wenigen Kilometern ausschließlich über Asphalt – puh. Am Ende stellte man gar fest, dass es angenehmer war, zu laufen als zu gehen – auch eine Erfahrung. Belohnt wurden die Teilnehmer, unter denen sich eine tolle Gruppen-Dynamik entwickelt hatte, nach 19 Stunden netto und knapp 24 Stunden brutto (also mit Stopps an den Verpflegungsstellen) schließlich mit einem Vortrag von Joey und einem tollen Pasta-Büffet.

