Und was für Leute melden sich für so eine Tour an? Sehr unterschiedliche! Wir treffen uns mit allen Teilnehmern und den 3 Guides am 01.12. um 15.00 in Mendoza in der Hotellobby. Jeder stellt sich kurz vor: Wir sind insgesamt 12 Teilnehmer, 3 Frauen und 9 Männer. Die Altersspanne reicht von 20 Jahren (Lise aus Frankreich) bis 69 (Bernardo aus Österreich). Er ist mit seiner Frau hier – beide topfit mit ganz viel Bergerfahrung! Lise will die 7 Summits machen und war schon am Kilimandscharo in Afrika. Da waren auch schon Levi, Phill und Mo. Alle 3 in meinem Alter – klingen sehr ambitioniert und werden die ersten Tage viel über kostspielige Trainings und Vorbereitungsmaßnahmen sprechen – ich frage mich, ob ich hier richtig bin.

Paco, liebevoll Pacito genannt, redet nur Spanisch, kommt aus Granada, ist auch Ende 60, raucht bis Base Camp jeden Tag seine Pfeife – ist ein Kümmerer. Obwohl man sich nur mit Händen und Füßen verstehen kann, weiß er immer wie es einem geht. Er war auch schon viel in den Bergen – ist top ausgestattet, aber alles im 80er Jahre Stil, sieht super aus! Um nur ein paar meiner Mitstreiter zu nennen. Und unsere Guides – Gabi (auch Paki genannt), Mitte 50, Augustin, Ende 30 und Gustavo, in meinem Alter. Alle 3 ganz ruhig, sehr nett – ohne den mentalen Support unserer Guides hätte ich manche Tage nicht geschafft.

Es folgt ein Gear Check und alle, die noch etwas zu besorgen haben, können das dann bis abends erledigen. Am nächsten Morgen geht es um 10.00 los Richtung Penitentes mit dem Bus – ca. 3 Stunden Fahrt. Als wir ankommen wird das gesamte Equipment nochmal neu aufgeteilt – alles, was wir erst ab Base Camp brauchen kommt auf einen Haufen für den Maultiertransport. Alles, was wir in den ersten 3 Tagen brauchen (aber nicht tagsüber) kommt auf einen zweiten Haufen – dieser wird durch andere Maultiere jeden Tag bis zum nächsten Camp gebracht. Und dann unsere Daypacks mit allen Dingen, an die wir tagsüber dran wollen/müssen. Ein-, Aus- und Umpacken wird eine Hauptbeschäftigung während der gesamten Expedition bleiben.
Wir schlafen in der Nacht in einem Hotel auf ca. 2.700m, am nächsten Morgen geht es zum Eingang des Nationalparks wieder mit dem Bus. Die Fahrt dauert ca. 15 – 20 Minuten. Und ab da beginnt unsere Wanderung auf einer Höhe von 2.300m. Wir werden in den nächsten 3 Tagen bis zum Base Camp Plaza Argentina auf 4.200m aufsteigen und dabei in 2 Approaching Camps jeweils eine Nacht übernachten.
Base Camp Approach

Der Base Camp Approach durch das Valley de Vacas ist zunächst eine seichte Nummer. Die ersten 2 Tage werden wir jeweils ca. 15 km laufen und 400 Höhenmeter überwinden. Das ist noch verhältnismäßig gemütlich. Der Untergrund besteht dabei hauptsächlich aus mittelgroßen Steinen, was bedeutet, dass man viel nach unten schauen und sich konzentrieren muss, damit man nicht umknickt, über einen Stein stolpert oder ein solcher unter den Füßen wegrutscht/-rollt. Das Wetter ist gut, kühler als Mendoza (30 Grad), aber in der Sonne und ohne Wind warm genug um in Wanderhose und Fleece tlw. Shirt zu laufen. Das ist insofern ungewöhnlich als dass es hier sonst sehr windig ist.

Wir müssen an beiden Tagen an mehreren Stellen kleinere und mittlere Gletscherflüsse durchqueren. Da unsere Guides in dieser Saison das erste Mal am Berg sind, zieht sich die Suche nach einer geeigneten Stelle zum Queren teilweise. Der ein oder andere aus der Gruppe geht dann manchmal seinen eignen Weg – man merkt, dass wir noch kein Team sind. Und ich persönlich komme am ersten Tag noch gar nicht in meinen Rhythmus – ich frage mich: Bist du hier richtig?
Die Camps auf dieser Seite sind kleiner und provisorischer als im Horcones Valley. Wir treffen direkt am ersten Abend im Camp auf 2 weitere Gruppen: Eine schwedische Expedition (9 Leute + 3 Guides) und eine amerikanische Expedition (3 Frauen + 2 Guides). Beide Teams werden uns bis in die High Camps begleiten.
Überall sind Taranteln

Die erste Nacht schlafe ich so gut im Zelt – Spoiler: Das wird die einzige gute Nacht bleiben, bis wir auf der anderen Seite im großen Base Camp Plaza de Mulas ankommen werden. Zum Glück habe ich das da noch nicht gewusst. Zum Glück habe ich auch nicht gewusst, dass an diesem ersten Abend im Camp überall Taranteln waren – die Bilder haben die Kollegen erst am nächsten Tag beim Abendessen rausgeholt. Lise musste danach unser Zelt gründlich durchsuchen.

Die Stimmung ist insgesamt gut, 2 Kollegen haben am ersten Tag Magenprobleme, aber insgesamt sind alle fit und übermütig. Von der Höhe merkt man noch nichts und die sonstigen Umstände sind eben auch noch gut/leicht. Es wird viel über die Berge geredet – was man schon gemacht hat und was man noch für Pläne hat. Und irgendwann abends im zweiten Approaching Camp, zwischen Gesprächen über Besteigungen der schweizerischen und österreichischen Alpen und der Aussicht darauf am nächsten Morgen um 7.30 in Unterhose einen Gletscherfluss durchqueren zu müssen, prägte Bernardo den Satz: If you can suffer, you can make it. So wahr – einige Anwendungsbeispiele werden noch folgen.

Ab dem nächsten Tag beginnt sich die Wanderung allmählich zu ändern: Es wird steiler, wir müssen an diesem Tag bis Base Camp fast 1000 Höhenmeter überwinden. Es wird windiger und dadurch kälter. Außerdem ist durch den Wind ab jetzt ständig Staub in der Luft. Es gibt ab jetzt keine Pflanzen mehr (und keine Spinnen). Der Tag ist lang und anstrengend. Die Belohnung ist, dass wir nun 4 Tage im Base Camp schlafen werden. Nicht mehr jeden Tag Zelt ab- und aufbauen. Man fängt an sich über die kleinen Dinge zu freuen.

Bisher erschienen
LISA UND DER ACONCAGUA: DIE VORBEREITUNG UND DIE AUSRÜSTUNG (2)


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