Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Literatur / Links

50 Jahre Cooper-Test: Ein Grund zum Feiern? Naja, zumindest zum Erinnern!

Ist das wirklich ein Grund zum Feiern? Der Cooper-Test wird in diesem Monat 50 Jahre alt. Juchuuuuh, danke Herr Kenneth H. Cooper. Oder auch Buuuuh. Denn wer kann sich nicht auch noch erinnern: Ein beliebiger Tag kurz nach den Sommerferien, man hat das Salz des Meeres noch auf den Lippen, aber die Realität hat einen zurück, jetzt als Neunt- oder Zehntklässler. Ätzend, einfach nur ätzend. Sport-Unterricht, dritte und vierte Stunde, kurz vor High noon. Die Luft ist zum Schneiden, die Sonne brutzelt geschmeidige 30 Grad aufs Tablett und die Aschebahn staubt vor sich hin. Dennoch will der neue, vollkommen übermotivierte Sportlehrer-Referendar die „Form“ seiner Schüler nach der sechswöchigen Pause testen. Ääääh, hallo? Geht es noch? Jemand wach da oben??? Form nach sechs Wochen Rumlümmeln?

Es waren Zeiten, in denen wir das Laufen hassten. In denen wir kickten, Handball spielten oder im Freibad einen auf Tarzan machten. Und in denen es beim Sport-Unterricht höchstens darum ging, die „Form“ der Mädels zu beobachten (die wiederum aber von uns nichts wissen wollten). Und um nichts anderes ging es.

Doch der Cooper-Test zeigte einem direkt einmal ziemlich genau, dass die sechs Wochen Ferien zu Ende sind. Und neben dieser Erleuchtung trug er auch nicht ganz unerheblich zur späteren Sport-Note bei, Wikipedia spricht von einem Viertel, manchmal sogar von einem Drittel (https://de.wikipedia.org/wiki/Cooper-Test). Auf dem Zeugnis neben Mathe, Deutsch und Englisch vielleicht nicht ganz so wichtig, wer aber einen gewissen Ehrgeiz verspürte, der ballerte auf der Aschebahn spätestens beim Pfiff aus der Trillerpfeife mächtig los. So schnell es ging, zwölf Minuten Vollstoff, keine Gnade.

Schwierig ist der Cooper-Test laut Wiki nicht nur, weil er genau zwischen Mittel- und Langstrecke liegt, sondern auch, weil „der Sportler sich sehr gut einschätzen können muss, um nicht zu früh zu viel Laktat aufzustauen und in den anaeroben Bereich zu kommen, aber auch nicht zu langsam zu laufen.“

An eine Renntaktik kann ich mich nicht erinnern, ich besaß keine Laufschuhe und zumindest keine verlässliche Stoppuhr, eine Messung via GPS war noch Jahre entfernt. So rannte ich einfach munter drauf los. Irgendwann dann, spätestens zur Hälfte, wurde die Luft dünner, ab jetzt waren die berühmten Steher-Qualitäten gefragt, die man entweder hatte – oder eben nicht. Die etwas langsameren, aber noch laufenden, Mitschüler wurden nun zum zweiten oder dritten Mal überrundet, andere, meist fülligere, hatten bereits die Aschebahn verlassen und lagen keuchend auf der Wiese, klassisches DNF. Irgendwann ertönte der zweite Pfiff und man sankt ermattet darnieder.

In meinem Gedächtnis sind mehrere Cooper-Tests, mal in der Schule, hin und wieder aber auch beim Fußball-Training, wenn ein neuer Trainer den konditionellen Stand seines Teams unter die Lupe nehmen wollte. Aber machte das wirklich Sinn? Der Cooper-Test ist bis heute, 50 Jahre nach seiner Erfindung für die US Air Forces, gängiges Mittel in vielen Bereichen zur Überprüfung der individuellen Ausdauer. Über den Zweck in einigen Sportarten wird jedoch schon lange gestritten, hier und da wurde er durch andere Tests ersetzt, die mehr der jeweiligen Sportart, zum Beispiel Fußball oder Handball, entgegen kommen. Eine Magister-Arbeit der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zeigt zudem, dass der Test zur Beurteilung der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit keine Gültigkeit besitzt, wenn aerob Untrainierte bzw. Laufunerfahrene wie Schüler getestet werden.

Dass alles galt natürlich nicht, wenn der Referendar oder der Trainer zum Cooper-Test baten. Gilt man als trainierter männlicher Läufer setzt Wiki folgende Werte ein:

>3700 m sehr gut, 3400–3700 m gut, 3100–3399 m Durchschnitt, 2800–3099 m schlecht und <2800 m sehr schlecht, vorausgesetzt man läuft auf einer 400 Meter-Tartanbahn und bei einer Außentemperatur von 20 bis 25 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von maximal 70 Prozent. Für 15 Punkte im Sportabi sind laut Wiki von Schülern 3175 Meter zu laufen, von Schülerinnen 2675 Meter (Damit brauchen Schüler für 15 Punkte ein mittleres Tempo von 3:46 min/km (15,8 km/h), Schülerinnen von 4:28 min/km (13,37 km/h).; zum Vergleich: Kenenisa Bekeles 5000 Meter Weltrekord liegt bei 12:37,35 min. Das entspricht rund 4753 Meter in zwölf Minuten).

Welche Distanzen ich bei den Cooper-Tests in der Schule gelaufen bin, weiß ich leider nicht mehr. Sie können nicht berauschend gewesen sein, auch wenn ich beim Fußball, meiner damaligen Hauptsportart eher als Läufer (und Treter) denn als Ball-Virtuose unterwegs war. Was mich aber auszeichnete, war eine gewisse Leidensfähigkeit. Insofern denke ich, dass ich zumindest im oberen Drittel unterwegs war. Und heute? Da könnte ich die 15 Punkte fürs Abi locker schaffen – aber 3700 Meter, wie oben geschrieben? Puh…

Keynote: In Deutschland hat bislang scheinbar keiner etwas von dem runden Geburtstag mitbekommen. In den USA erinnerte nun zumindest die Runner’s World an dieses denkwürdige gehassliebte Mittel (https://www.runnersworld.com/vo2-max/the-running-test-that-has-tormented-sports-biggest-stars-turns-50).

Wie sind denn eure Erinnerungen?


Jetzt auch in KR erhältlich: Das TRAIL-Magazin

TRAIL-Magazin 1/2015

TRAIL-Magazin 1/2015

In Krefeld, quasi der Homebase aller Trail-Läufer, kann man nun auch endlich das TRAIL-Magazin offiziell am Kiosk kaufen, und zwar bei Herbst, Friedrichstraße, Ecke Carl-Wilhelm-Straße, gegenüber der AOK.

Der Kauf der bisherigen Hefte glich immer einer Geheimakte: Ich flüsterte dem Mitarbeiter das Codewort „Trail“ zu, er öffnete eine Schublade unter der Ladentheke und reichte mir mit verstohlenem Blick die aktuelle Ausgabe des Mag. So müssen sich Personen fühlen, die Schmuddelheftchen, den Blinker oder die Eisenbahn-Revue über die gleiche Methode beziehen. Jetzt aber versicherte mir der Laden, dass ich das TRAIL-Magazin nun auch „normal“ kaufen könnte – Hosanna in der Höhe.

Die aktuelle Ausgabe zum Preis von 4,50 Euro lohnt sich. Nicht nur, dass die 24 härtesten Trailrennen gelistet sind (und man diese nun spielend laufen und dann abhaken kann), nein – auch eine Seidenraupe befindet sich im Heft. Und zwar sogar in Großaufnahme. Wer hätte gedacht, dass ich mal als Po-Modell durchgehen würde? Also, kaufen und staunen!


Der Lauf auf dem historischen Kampfareal

Ein uns nicht ganz unbekannter Schreiber veröffentlicht aktuell via Presseamt eine Serie zu Laufstrecken in Krefeld. Gerne übernehmen wir diese, um euch vielleicht auf den ein oder anderen unbekannten Pfad unserer schönen Stadt zu lenken. Los geht es mit dem Forstwald.

Der Krefelder Forstwald. Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Der Krefelder Forstwald.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Der Lauf auf dem historischen Kampfareal
Wer im Süd-Westens Krefelds wohnt, für den gibt es kein schöneres Laufgebiet als den Forstwald. Die vielen verschiedenen Wege machen nicht nur spielerisch Abkürzungen und Verlängerungen möglich, sondern bieten auch immer wieder neue Routen. Langeweile kommt so nie auf, es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Auch wenn der Forstwald zurzeit in ein herbstliches Blätterkleid gepackt ist und viele Läufer anlockt, die größte Anzahl von Ausdauersportlern findet sich hier regelmäßig zum Jahresende, zum traditionellen Silvesterlauf, ein. Dabei laufen die Läufer nur auf einem kleinen Teil der üblichen Runde. Die beginnt zumeist in der Nähe des Sportplatzes am Bellenweg oder dem Bahnhof Forstwald, da sich hier einige Parkmöglichkeiten befinden. Die „normale“ Runde ist rund 4700 Meter lang, kann aber beliebig abgekürzt oder erweitert werden. Vom Bellenweg, der seinen Namen vom gleichnamigen Bellenhof hat, läuft man zunächst in südliche Richtung über die Plückertzstraße (auch nach einem Hof benannt) – Achtung Autoverkehr – nach der es nun in den geschichtsträchtigen Wald hinein geht.

Entstanden ist der Forstwald im Jahre 1830. Der Kaufmann Gerhard Schumacher ließ auf dem Gelände der St. Töniser (Sankt Antonis) Heide, die er 1822 von der bettelarmen Gemeinde Vorst ersteigert hatte, einen Landschaftspark anlegen und mit Kiefern aufforsten. Nach einem verheerenden Brand folgte eine zweite Aufforstung mit dem bis heute bestehenden Wegenetz. Schumacher war Naturfreund durch und durch und betrieb schon an seinem Wohnort, dem Gut Großlind in Tönisvorst, einen botanischen Park. An der Kreuzung der Plückertz- und Forstwaldstraße, die übrigens schon damals bestand, baute Schumacher 1838 das Forsthaus als Jagdsitz. Es bildet seitdem das Zentrum des umliegenden Waldes. Von dort konnte Schumacher über das dichte Wegenetz auf die Pirsch gehen. Im rückwärtigen Bereich gibt es übrigens ein kleines Wildgehege.

Die übliche Laufroute schlängelt sich nach der Überquerung der Forstwaldstraße am Sieger-Hof, einem 350 Jahre alten Wehrhof, vorbei und trifft schließlich auf eine der großen Alleen im Forstwald, den Bosseljonweg, benannt nach dem Krefelder Musiker, Maler und Dichter Bernd Bosseljon. Was der eine mag, ist dem anderen eine Qual: Der Blick geht in die Ferne – noch so weit? Vor Schumachers Engagement für die Grüne Lunge im Südwestend war es allerdings nicht anders. Die Heide war ein plattes, ödes Land, von Bäumen keine Spur. Am Bosseljonweg begegnet den Läufern auch erstmals die Landwehr im Forstwald. Sie wurde um das Jahr 1350 auf Betreiben des Kölner Kurfürsten zwischen den Ämtern Kempen und Linn angelegt. „Im Spätmittelalter wurden Landwehren vor allem zur Wahrung des Landfriedens angelegt, aber auch zum Schutz vor Vieh- und Holzdieben“, erklärte Dr. Christoph Reichmann, Leiter der Museen Burg Linn, jüngst bei einem Termin vor Ort. Im Forstwald lag zwischen den Hauptwällen und -gräben ein Höhenunterschied von fünf Metern. „Auf den Wällen war eine dichte Bepflanzung mit Dornenbüschen, die das Durchdringen verhindern sollte“, so der Archäologe. Wer im Forstwald läuft, kann Teile des verbliebenen Stücks, rund 1600 Meter, zu diversen Übungen nutzen. Bewusst ist das Betreten nicht überall möglich, denn Vorsicht ist geboten: Seit 1988 steht die Wehr unter Denkmalschutz. Diverse Schutzmaßnahmen und Bepflanzungen sollen eine weitere Zerstörung verhindern, die Läufer, Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer in den vergangenen Jahren verursacht haben. Auf mehreren Informationsstelen kann sich der Läufer, zum Beispiel während einer kurzen Verschnaufpause, über die Bedeutung der Wehr informieren und sich entsprechend verhalten.

Kurz vor dem TC Forstwald biegt der Weg nach links ab und verläuft nun parallel zur B 57, Richtung Landgasthof Hückelsmay. Hier tobten einst wilde Schlachten, da sich die Heide für den Aufmarsch und Kampf Mann gegen Mann eignete und die Wehr, wenn auch trügerischen, Schutz bot. Während des Hessenkriegs im Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) hatte sich der kaiserliche General Lamboy mit seinem 9000 Mann starken Heer in der „Schlacht an der Hückelsmay“ (1642) hinter der Wehr verschanzt, wurde jedoch vom französischen General Jean Guebriant mit gleicher Truppengröße geschlagen. Die zweite Schlacht, die „Schlacht von Krefeld“ am 23. Juni 1758 sollte weitaus blutiger ausgehen. Der preußische Prinz Ferdinand zwang mit seinen 32 000 Soldaten das französische Heer, bestehend aus 47 000 Mann, in die Knie. Diesmal hatte der französische Heerführer Clermont die Landwehr als Verteidigung gewählt. Ferdinand fiel ihm und dem sehr viel größeren Heer jedoch in den Rücken und konnte den Sieg erringen. Ein Denkmal an der B57 erinnert an die Schlacht mit 5700 Toten, ein dazugehöriges Diorama steht im Museum Burg Linn.

Zurück zum Lauf: Nach einer 90 Grad-Linkskurve geht es erneut über die Landwehr und an einem Steinkreuz vorbei. Hier beginnt (oder endet) auch ein Trimm-Dich-Pfad. Nach einer Linkskurve führt der Weg nun einen guten Kilometer in nord-westliche Richtung und auch am Bürgerwald an der Plückertzstraße vorbei. Hier können Bürger oder Institutionen zu verschiedenen Anlässen Bäume pflanzen – natürlich mit Hilfe des Fachbereichs Grünflächen. Nun ist die Bahnstrecke nicht mehr weit. Sie verläuft hier seit 1854, ein Bahnhof kam auf Initiative der Witwe von Schumacher 1896 hinzu, was den Tagestourismus deutlich förderte.

Die Bahnstrecke, zu der parallel im Wald gelaufen wird, und die Bäume im Forstwald, die im Sommer viel Schatten spenden, hatten den Forstwald übrigens für weitere militärische Zwecke interessant gemacht. Die NSDAP-Organisation Todt hielt sich während des Zweiten Weltkriegs ständig im Wald auf und konnte sich unbemerkt vom Feind bewegen. Vereinzelte Gefechte gab es beim Durchmarsch der Alliierten im März 1945. Die Briten nutzten später vereinzelt Gebäude der Organisation Todt und bauten ab 1952 an der Grenze zu Tönisvorst eine Kaserne für das 28. Signalregiment.

Wer mag, kann nun nach links Richtung Sportplatz abbiegen – oder hängt noch eine Verlängerung dran. Hierzu bietet sich der Weg neben den Bahnschienen an. Am Stockweg macht dieser eine harte Linkskurve. Folgt man diesem Weg neben der Plückertzstraße, ist der Bellenweg schon fast in Sichtweite. Eine weitere Alternative bietet sich am Stockweg: Die Bahnschienen überqueren und in das der Kaserne gegenüberliegende Waldstück. Dieses ist etwas wilder in seinem Bewuchs und auch die Wege sind nicht sehr eben, also Vorsicht. Am besten folgt man dem kleinen Weg und biegt dann rechts in den Degensweg. Hier stand übrigens bis 1970 das imposante Hotel Praaßhof, gebaut vom Architekten Buschhüter. Nach fünfhundert Metern taucht auf der linken Seite ein Baggersee auf, jetzt rechts abbiegen und wenig später wieder rechts, zurück zum Forstwald.

(http://www.krefeld.de/C1257455004E4FBF/html/7B8947E308557293C1257C14005544E2?Opendocument)