Wir laufen und laufen und laufen und laufen

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Lisa in Nepal: Die Luft wird dünner (Teil sechs)

Nepal – dort ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Seidenraupe Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil sechs.

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Tag 9 – Akklimatisierungstour von Namche Bazaar aus, Ama Dablam im Hintergrund

Teil 6: Die Luft wird dünner

Namche liegt auf 3.550 m, eine Höhe, die ich in der Woche zuvor schon einmal erreicht habe, bei der Überquerung des Lamjura Passes mit Glenn und den British Army boys. Heute wird mir nicht mehr übel, als ich oben ankomme, aber man kommt hier deutlich schneller außer Atem als das bisher der Fall war.

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Tag 9 – Der Blick ins Tal nach Lukla

Namche ist der Hotspot der Region, kein Dorf, sondern eine Stadt. Es gibt hier alles. Ruan und ich kaufen Süßigkeiten und Medikamente. Und noch mehr Süßigkeiten. In einem kleinen Café gibt es neben sämtlichen Kaffeespezialitäten und Kuchen auch WIFI. Jacinda, eine Australierin Mitte 30, die alleine mit Ongcchus Bruder als Guide unterwegs ist, schließt sich uns für die Tour am nächsten Tag um Namche herum an. Zur besseren Akklimatisierung bleiben wir eine zusätzliche (geplante) Nacht in Namche.

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Tag 9 – Immer häufiger bekommen wir jetzt den Everest zu sehen, hier leider hinter den Wolken

Danach geht es weiter. Wir laufen um die Ama Dablam, herum immer weiter hinein in den Himalaya. Die nächsten zwei Tage stell ich fest, dass Nepali flat ein dehnbarer Begriff ist und offensichtlich von Tag zu Tag steiler wird. Ab 4.000 m Höhe wächst kein Baum mehr, ab 4.700 m werden auch keine Büsche mehr wachsen.

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Tag 9 – Khumjung (3.790m)

Es wird jetzt von Tag zu Tag kälter, nachts ist es -8 Grad, tagsüber nicht wärmer als 1 – 2 Grad. Die Lodges sind innen auch nicht wärmer, sie halten lediglich den Wind ab. Ich stelle um von der mitteldicken Daunenjacke auf die dicke Daunenjacke, und hoffe, dass es nicht noch sehr viel kälter wird.

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Tag 9 – Kongde Ri, Blick vom Abstieg aus Khumjung zurück nach Namche Bazaar

In Dingboche legen wir einen weiteren (ungeplanten) Akklimatisierungstag ein, da wir langsam alle (ich am Tag zuvor am deutlichsten) merken, dass die Luft immer dünner wird. Noch bin ich bei ca. 90 % Sauerstoffsättigung und einer Herzfrequenz von 90 in Ruhe.

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Tag 9 – Ab Namche Bazaar tragen nur noch Yaks und Porter Lasten

Ich versuche wach zu bleiben nachmittags, da das bei der Akklimatisierung helfen soll und ich nehme eine letzte warme Dusche. Bis zu meiner Rückkehr nach Kathmandu werde ich nicht mehr duschen gehen. Weiter oben wird es kein fließendes Wasser mehr geben, ganz zu schweigen von warmem Wasser. Es fällt mir immer schwerer zu essen, auch Jacinda bekommt teilweise nichts oder nur sehr wenig von den Mahlzeiten runter. Ruan füttert uns mit seinen Süßigkeiten.

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Tag 9 – Noch einmal der Kongde Ri im Hintergrund


Lisa in Nepal: Lukla bis Base Camp (Teil fünf)

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Tag 8 – Free Wifi und Kaffee auf 3.550m

Nepal – das ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil fünf.

Teil 5: Lukla bis Base Camp, drei Pässe und Gokyo

In Lukla habe ich das erste Mal seit einer Woche wieder eine warme Dusche. Die Lodge erinnert an ein Hotel (ein eigenes Sitzklo mit Spülung auf dem Zimmer!!!). Die Anzahl an Trekkern, die hier alle 20 Minuten eingeflogen werden, ist schier unglaublich. Ich beobachte das Ganze von der Dachterrasse eines kleinen Hotels mit Blick auf die Start-/Landebahn. Hier gibt es sogar Kaffee. Ich kriege eine Ahnung davon, wie überlaufen der Trail von hier bis zum Base Camp sein wird. Danach allerdings, über die Pässe zu den Gokyo Seen soll es wieder sehr ruhig sein.

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Tag 8 – Ankunft in Namche Bazaar

Am nächsten Tag ist es bewölkt/neblig. Am Flughafen passiert den ganzen Tag nichts. Lukla ist abgeschottet von der Welt. In den Lodges sitzen den ganzen Tag alle im Gemeinschaftsraum um die Öfen und lesen, unterhalten sich gedämpft über das, was sie schon erlebt haben bzw. das, was ihnen noch bevorsteht. Ich habe einen sehr schönen Abend mit einem neuseeländischen Paar, was schon auf der Heimreise ist. Sie waren im Base Camp.

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Tag 8 – Im Aufstieg sind immer mehr weiße Gipfel zu sehen

Am nächsten Morgen gehe ich um 7.00 zu dem mir genannten Treffpunkt, der Buddha Lodge. Ich habe keine Ahnung, wie mein Guide oder der andere Trekker heißen oder aussehen. Ich gehe einfach rein, stehe im Gemeinschaftsraum, schaue mich um und warte einen Moment…. Und tatsächlich, kurz danach steht ein Nepali vor mir und fragt mich, ob ich Lisa bin. Er bringt mich zu einem Tisch. Hier sitzt schon Ruan, 26 und Brite.

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Tag 8 – Eine von vielen Hängebrücken über den Dudh Kosi

Ongcchu, unser Guide, bringt mir Tee und sagt, er kommt gleich wieder. Ruan und ich unterhalten uns. Wir werden uns verstehen, das ist jetzt schon klar und ich bin froh und erleichtert. Gegen 8.20 geht es weiter nach Phakding. Eine fast flache – Nepali flat – Strecke von ca. 3 Stunden, ein kurzer Tag. Für mich. Ruan dagegen ist fertig, legt sich direkt nach dem Mittagessen in unserem Zimmer hin und schläft. Ich gehe mit Ongcchu zu einem buddhistischen Kloster. Ongcchus Englisch ist schwer zu verstehen (noch), aber ein ruhiger, lieber Mensch. Er ist 35 und seit 6 Jahren Guide. Davor war er Porter.

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Tag 8 – Aufstieg nach Namche Bazaar

Am nächsten Tag kommt der harte Aufstieg nach Namche Bazaar. Wir überqueren den Dudh Kosi Fluss 5 Mal über die typischen, nepalesischen Hängebrücken. Danach geht es nur noch bergauf. Auf ungefähr der Hälfte des Aufstiegs kommt ein Aussichtspunkt – von hier aus kann man das erste Mal den Mt. Everest sehen! So langsam verändert sich die Landschaft und man bekommt einen Eindruck davon, was da für gewaltige Aussichten noch auf uns warten. Das hier ist was anderes als die Alpen.

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Tag 8 – Apotheken und Kühe….


Lisa in Nepal: Routine stellt sich ein (Teil vier)

Nepal – das ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil vier.

Teil 4: Routine stellt sich ein

Die nächsten 2 Tage bleibe ich mit Glenn und den Jungs zusammen. Die Australier sind nur noch zu zweit, Stuart ist noch am ersten Tag umgekehrt und wird in Kathmandu auf seine Freunde warten. Eine Schweizerin, Chris, ist mit einem Guide und 3 Portern unterwegs – sie will zum Base Camp und dann noch auf den Gipfel des Island Peak (6.189 m). Und ein niederländisches Paar, Mitte/Ende 50, begegnet uns immer wieder. Noch ist alles grün und tagsüber in der Sonne ist es recht warm.

Dann, am Mittag meines dritten Tages, dem zweiten Tag mit meiner amerikanisch-britisch-deutschen Reisegruppe, beschließen die British Army boys zusammen mit Gabriel, weiter als für den Tag geplant zu gehen. Sie müssen einen ungeplanten Stopp in Lukla machen, um Geld zu tauschen, da sie zu wenig für den Rest der Tour dabei haben. Sie hoffen, dass sie diesen ungeplanten Stopp irgendwie rausholen können, indem sie die nächsten Tage schneller laufen. Glenn, der keine Eile hat, beschließt mit mir weiter zu gehen und so verabschieden wir uns von den anderen. Ihren Platz wird am nächsten Tag Ilan, aus Israel, mit seiner Gruppe von ca. 7 Leuten einnehmen. Sie sind bis Phaplu geflogen und stoßen erst jetzt auf den Trail dazu.

Langsam stellt sich eine gewisse Routine ein: Morgens um 6.15 Aufstehen, Wanderhose und Wanderschuhe anziehen (im Rest, einschließlich der Daunenjacke habe ich bereits geschlafen), Haare kämen und Zähne putzen, dann um 6.30 zum Frühstück. Es gibt Pfannkuchen oder Omeletts mit warmem Tee. Ich fülle meine Trinkblase auf und gehe zurück auf das Zimmer. Seidenschlafsack einrollen, Kulturtasche (und was sonst noch rumfliegt) einpacken, Trinkblase verstauen, Rucksack verschließen, Wanderstöcke in die Hand und los. Es ist ca. 7.00. Die nächsten 2 Stunden werden Glenn und ich einfach jeder in seinem Tempo, aber immer irgendwie in Sichtweite voneinander, laufen. Dann werden wir irgendwo in einem Teehaus in der Sonne Pause machen und Tee trinken. Dann weiter bis ca. 12.00 – Mittagessen. DAS Gericht in Nepal nennt sich Dhal Bhat. Linsensuppe, Gemüsecurry und Reis. Nepali schwören darauf und auch Glenn wiederholt Mantra-artig: „Dhal Bhat powers 24 hours“ oder „Powered by Dhal Bhat“. Nach Abschluss meiner Reise werde ich für mehrere Wochen nicht mehr an Reis denken können ohne direkt schon Verstopfungen zu bekommen…. Aber – das Zeug macht satt.

Nach dem Mittagessen, geht es dann in der Regel nochmal für 3 Stunden weiter, bevor das Tagesziel erreicht ist. Meistens ist Glenn vor mir da, sitzt vor der Hütte mit einem Tee für mich und drückt mir schon den Schlüssel für mein Kämmerchen für die Nacht in die Hand, das er für mich organisiert hat. Seit Glenn weiß, dass James jeden Abend ein paar Kräuter raucht (eine Notwendigkeit, wie er behauptet, wegen seiner Schlafapnoe), sind die zwei sehr gute Freunde geworden und Glenn hat abends keine Hüftschmerzen mehr…. Das Abendessen bestellen wir meistens für 17.30. Und danach ist Zapfenstreich. Ab 20.00 sind die einzigen Geräusche, die noch zu hören sind, das Schnarchen der anderen durch die Wände oder das Rascheln der Decken und Schlafsäcke beim Umdrehen.

Viel zu schnell kommt der Tag, an dem ich mich von meinen bisherigen Weggefährten verabschieden muss. Ich habe einen kurzen Tag vor mir. 2 Stunden bis Lukla, ca. 800 hm auf 2,5 km Strecke. Dort werde ich 2 Tage auf meinen Guide und meinen neuen Mitstreiter warten müssen. Alle anderen – Ilans Gruppe, die Schweizerin, die 2 Australier, das niederländische Paar und Glenn – werden Lukla bypassen und direkt weiter aufsteigen Richtung Namche Bazaar.

Bilder: Tag 6 – Aufstieg nach Lukla, Tag 6 – Start- und Landebahn Lukla Airport

 


Lisa in Nepal: Bhandar bis Lukla (Teil drei)

Nepal – das ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil drei.

Teil 3: Bhandar bis Lukla

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Tag 4 – Es häufen sich die Wegweiser nach Lukla

Gegen 7.30 am nächsten Morgen starte ich meine erste Tagesetappe, endlich geht es richtig los. Aber schon schnell stelle ich fest, dass nichts markiert ist und bin immer wieder an Abzweigen unschlüssig, in welche Richtung ich mich halten soll. An einer Stelle bleibe ich ca. 10 Minuten stehen. Dann sehe ich hinter mir eine kleine Gruppe zu mir aufschließen. 3 Australier mit ihrem Guide und 2 Portern. Auch sie sind auf dem Weg nach Lukla (und weiter). Ich schließe mich ihnen an, David und James sind Mitte 40 und sind zum dritten Mal in Nepal. Stuart ist Mitte 50 und ein Arbeitskollege von James. Der Vormittag vergeht schnell, es geht nur bergab. An einer Stelle müssen wir durch einen kleinen Bach laufen und danach durch hohes Gras – danach stellen die 3 fest, dass sie überall an den Beinen Blutegel hängen habe. Ich trage im Gegensatz zu ihnen eine lange Hose und lache noch mit den anderen über deren Blutegel, als James plötzlich einen auf meinem Hosenbein entdeckt – ich fange an zu schreien wie am Spieß.

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Tag 2 – Glenn und ich auf dem Lamjura La Pass (3.500m)

Beim Mittagessen geht es Stuart plötzlich nicht mehr gut, es fängt langsam an zu regnen und bis zum Abend müssen wir noch 1.000 hm aufsteigen. Die Gruppe will warten, um zu sehen, ob es Stuart besser oder schlechter geht, denn von Sethe (wo wir die Nacht verbringen werden), gibt es keine Straßen mehr, die von Autos befahren werden können. Stuart müsste dann alles wieder selbstständig zurücklaufen.

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Tag 3 – Auf dem Weg von Junbesi nach Nunthala

Ich gehe alleine weiter und treffe im Laufe des Nachmittags auf Glenn, 56 und Amerikaner, der gerade in den Frühruhestand gegangen ist und bis Weihnachten reisen möchte. Er war schon mal an der Annapurna. Glenn ist mit David (29), Jack (28) und Sam (28) – drei britischen Soldaten – und Gabriel (33), einem Deutschen mit rumänischen Wurzeln unterwegs. Sie haben sich 2 Tage zuvor im Bus kennengelernt und wollen zusammen zum Base Camp.

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Tag 4 – Das Dorf Kharikola auf dem Weg nach Bupsa

Wir quälen uns bergauf nach Sethe. Gabriel, der extrem schnell ist, kommt als erster dort und an und trifft auf ein „Geisterdorf“. Die Häuser/Hütten sind überwiegend verrammelt, es sind keine Menschen zu sehen/hören. Jack und David, die nach ihm oben ankommen, sitzen am Ortseingang und ruhen sich aus, als Glenn und ich – zusammen mit Sam, den wir unterwegs eingeholt haben – zu ihnen stoßen. Wir überlegen, was wir tun sollen.

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Tag 4 – Träger mit dem typischen nepalesischen Tragekorb Doko

Glenn und ich wollen nicht mehr weiter. Jack und David lassen ihre Rucksäcke zurück und steigen ein Stück weiter auf, um zu gucken, ob da noch irgendwas kommt, wo man übernachten könnte. Gabriel läuft durch das Gewirr an Hütten und Häuschen im Ort und schaut, ob er da doch noch irgendetwas/-jemanden finden kann.

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Tag 4 – Die Landschaft ist immer noch sehr grün

Tatsächlich kommt er zurück mit einem Mann, der uns bitten zu bleiben. Seiner Frau gehöre die Lodge und sie würde mit dem Schlüssel nachkommen, um uns zu öffnen. Wir sind happy. David und Jack kommen zurück und im Laufe des Abends, als wir schon in unseren Betten liegen, hören wir noch einige Trekker ankommen.

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Lisa in Nepal: Die Vorbereitung & Es geht los (Teil zwei)

Nepal – das ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil zwei.

Teil 2: Die Vorbereitung

Im Juli kaufe ich erstmal Himalaya taugliche Wanderschuhe und laufe sie im Rekordsommer in den heimischen Gefilden ein. Ende August buche ich dann den Flug. Am 02.10. werde ich losfliegen, über Delhi nach Katmandu. Jetzt bleiben mir noch ca. 5 Wochen, das nötige Equipment zusammen zu kaufen/leihen. Denn so richtig Ahnung davon, was ich da machen möchte, habe ich nicht. Zumindest nicht praktisch. Ich habe die letzten 3 Jahre einiges an Büchern, Artikeln, Forenbeiträgen usw. zum Himalaya gelesen, aber bis dato blickte ich lediglich auf einige Genusstouren in den Alpen zurück – hoch wandern, runter fahren im Lift – und meine erste und letzte Übernachtung auf einer (österreichischen) Hütte lag ungefähr 16 Jahre zurück…. Es fehlte schon an den grundlegendsten Dingen.

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Aussicht vom Renjo La, Blick auf Gokyo Lake und Mount Everest (Bildmitte zwischen den Wolken)

Und so bin ich dann im September quasi „quer durch die Republik“ und bis nach Paris gefahren, um in meinem erweiterten Bekanntenkreis, die nötigen Dinge zusammen zu klauben. Einen Rucksack in Krefeld (die Tante des besten Freundes meine Bruders), einen Schlafsack in Broekhuysen (Arbeitskollegin meiner Mutter), Wanderhosen, lange Unterwäsche, einen zweiten Rucksack und Kartenmaterial in Paris (meine Gastschwester Pauline). In Köln habe ich noch einen Seiden-Inlet für den Schlafsack gekauft, in Düsseldorf Merinounterwäsche, Mütze/Stirnband und noch weitere nützliche Kleinigkeiten.

Am Ende habe ich 2 gepackte Rucksäcke vor mir stehen, jeweils 7,5 kg und schon entsprechend aufgeteilt: Den einen Rucksack werde ich in der ersten Woche von Jiri bis Lukla mitnehmen. Den zweiten Rucksack, mit den dickeren Sachen für weiter oben, lasse ich von Kathmandu nach Lukla fliegen und werde ihn da dann am 13.10. entgegen nehmen für die restliche Tour, die ich in Begleitung eines Guides, eines Porters und eines weiteren Trekkers machen werde.

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Eine von vielen Hängebrücken über den Dudh Kosi

Es geht los

Und dann ist der Tag da, an dem es losgeht. Morgens um 11.00 ab Amsterdam-Schiphol. Der Flug ist lang. So lang, dass ich mich mit jeder weiteren Stunde im Flieger frage, ob das eine gute Idee war. Aber – jetzt ist es, wie es ist, also Augen zu und durch. Ein 7-Stunden-Layover in Delhi raubt mir die letzte Energie, ich will nur noch irgendwo liegen und schlafen. Dann geht es weiter Richtung Kathmandu. Ich sitze auf der falschen (rechten) Seite im Flieger, ich schaue nach Süden. Der Himalaya liegt auf der linken Seite. Als ich zum Klo gehe, schaue ich links durch eines der Fenster und der Anblick ist ÜBERWÄLTIGEND. Hier wollte ich hin, alles ist gut.

In Kathmandu liege ich dann erstmal flach. Ich habe mir im Flieger eine Erkältung eingefangen und plötzlich kriege ich Panik, ob die Tour klappen wird oder jetzt an einem blöden Schnupfen alles scheitert. Es ist Mittwochmittag. Freitagmorgen um 5.30 will ich im Bus nach Jiri sitzen. Ich schlafe bis Mittwochabend, dann gehe ich raus und treffe mich zum Abendessen mit Eva, einem Mädchen aus Den Haag, das ich im Flieger von Delhi nach Kathmandu kennengelernt habe. Um 20.00 liege ich wieder im Bett, bis Donnerstagmittag um 16.00. Dann raffe ich mich auf und bringe meinen zweiten Rucksack zum Office der Organisation, damit der Guide ihn im Flieger mitnehmen kann nach Lukla. Danach esse ich noch was in Thamel, dem Zentrum von Kathmandu und geh wieder zurück ins Bett. Pünktlich um 4.00 am Freitagmorgen werde ich von alleine wach – und fühle mich super.

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Aufstieg nach Tengoche, rechts die Ama Dablam

Ich packe und laufe durch ein fast ausgestorbenes Kathmandu zum Busbahnhof. Dort angekommen trifft mich der Schock. Zu viele Menschen, zu viele Busse und nicht einen Hauch von einer Idee, welcher davon nach Jiri fährt. Ich hab noch 20 Minuten den richtigen Bus zu finden. Ich gebe mir einen Ruck und laufe durch die Menschenmenge und rufe laut (und zunehmend verzweifelter): „JIRI. JIRI. JIRI….“ Plötzlich steht ein Mann vor mir und spricht mit mir auf Nepali. Er will, dass ich mit ihm mitgehe. Er redet und gestikuliert. Ich überlege kurz: Wie alle Asiaten ist er einen Kopf kleiner als ich…. Ach komm, ich riskier’s, was kann schon passieren? Ich folge ihm eine Weile durch das Gedrängel ohne erkennen zu können, wo wir hinlaufen. Dann  stehen wir vor einem Bus und er lächelt und sagt: „Jiri.“

Vor mir liegen jetzt 14 Stunden Fahrt. Ich bin die einzige Ausländerin, ansonsten nur locals. Und Hühner. Und Ziegen. Das Radio spielt Musik, wie man sie aus Bollywood Filmen kennt…. Das wird ein harter Tag werden.

Ich komme abends in Bhandar (in der Nähe von Jiri) an, mein älterer nepalesischer Sitznachbar aus dem Bus bringt mich zur ersten Lodge im Ort. Ich bringe meine Sachen auf das Zimmer, bestelle Essen. Beim Anblick und Geruch des vorhandenen Plumpsklos beschließe ich, dass es noch nicht so dringend ist. Danach schlafe ich erstaunlich gut in meinem Seiden-Schlafsack und ein paar Decken aus der Lodge (in denen, nach deren Anblick zu schließen, schon einige Trekker drin geschlafen haben). Ich stelle schon jetzt fest, dass man sich hier immer wieder ein Stück weit überwinden muss.

 


Unser Osterei: Lisas Nepal Trip (Teil 1)

Nepal – das ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und wird uns nun in den kommenden Wochen mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mitnehmen. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Teil eins gibt es aber schon heute – unser Osterei. Habt eine schöne Osterzeit und genießt Lisas Story. Sie hat es in sich…

Teil 1: Nepal – Die etwas andere läuferische Herausforderung

Einmal in den Himalaya und da den höchsten Berg der Welt mit eigenen Augen sehen…. Vor ca. 3 Jahren hat es angefangen. Eine Faszination, die sich im Laufe der Zeit zu etwas wie einer Besessenheit entwickelt hat. Wer mich kennt weiß, dass ich keine Ruhe mehr finde, wenn ich mir einmal was in den Kopf gesetzt habe.

Aber woher die Zeit nehmen? Für eine geführte Rundtour ab/bis Lukla zum Everest Base Camp sollte man 8 – 9 Tage planen. Aber wirklich nur den „Solu Khumbu Highway“, den überlaufensten Trek im Himalaya machen? Fühlt sich irgendwie nicht richtig an. Für alle anderen Touren benötigt man allerdings locker an die 20 Tage. Ich schiebe die Idee erstmal an die Seite…. Für später, wenn sich mal ein günstiges Zeitfenster ergibt.

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Lisa an Tag 12 – Im Hintergrund ist die nächste Tagesetappe Richtung Chhukung zu sehen

Als ich im Juni 2018 meinen Job kündige, ist dieses Zeitfenster plötzlich da und Nepal sofort wieder in meinem Kopf. Die Gelegenheit war noch nie so günstig. Ende September wird mein letzter Arbeitstag sein und Oktober/November ist die beste Zeit, um im Himalaya zu trekken.

Ohne zeitliche Einschränkungen stelle ich mir meine absolute Wunschroute zusammen: Eine Kombination aus dem Jiri – Lukla Trek, dem Everest Base Camp Trek und dem 3 High Passes Trek mit Gokyo Lakes. Diese 3 Routen sollen die schönsten, aber auch schwierigsten in der Everest Region sein. So miteinander verkettet kann ich die einzelnen Routen etwas „einkürzen“, da ich nicht für jeden der drei Abschnitte erneute Akklimatisierungstage benötige.

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Start- und Landebahn Lukla Airport

Jiri ist der Ausgangspunkt der ursprünglichen Everest-Besteigungs-Route. Bevor es den Flughafen in Lukla gab, sind alle Expeditionen zum Everest (von der Südseite) ab hier gestartet. Heute ist dieser Abschnitt bis Lukla eher weniger belaufen, verfügt aber wegen der Historie über eine „gute Infrastruktur“ – damit sind hier markierte Trails, Dörfer entlang der Route mit kleinen Kiosken und ausreichend Lodges zum Schlafen gemeint.

Lonely Planet meint dazu: „Physically speaking, this is a long, hard trek with many steep hills. The reason we grade it as ‚moderate‘ is simply because of the convenience of teahouse accomodation and relatively low altitudes.”

Man startet in Jiri auf einer Höhe von knapp 2.000 m, Lukla liegt auf 2.800 m. Der höchste Punkt des Abschnitts ist der Lamjura Pass mit 3.500 m. Diesen Teil traue ich mir alleine zu und möchte ihn in 6 Tagen laufen. Ich baue mir zur Sicherheit 2 Tage Puffer ein, falls etwas schief läuft.

Ab Lukla soll es dann in 16 Tagen weitergehen…. Durch Namche Bazaar auf den Nangkartshang (5.073 m) über den Kongma La Pass (5.550 m) zum Everest Base Camp (5.364 m), auf den Kala Patthar (5.643 m) über den Cho La Pass (5.420 m) auf den Gokyo Ri (5.357 m) und über den Renjo La Pass (5.417 m) zurück durch Namche nach Lukla.

Das Urteil von Lonely Planet: „This is an epic journey that will lead you over some of the highest mountain passes in the world. The trails are steep and the altitude hangs on your muscles like a diving belt, but the sense of achievement at the end of the trek is quite profound. Only for the truly adventurous.”

Hier fehlt mir in Gänze die Erfahrung, um das alleine durchzuziehen. Daher frage ich eine geführte Tour für diesen Abschnitt an.

Die Organisation (Nepal Eco Adventures), an die ich mich wende, bietet die Tour u. a. vom 13. – 28.10. an. Begleitet wird man von einem Guide und je einem Porter für 2 Personen, sie kümmern sich um die benötigten Permits, buchen meinen Rückflug von Lukla nach Kathmandu und bieten mir an, einen Teil meines Gepäcks zu verwahren und mit dem Guide nach Lukla fliegen zu lassen, sodass ich den Solo-Part in der ersten Woche mit leichterem Gepäck bestreiten kann.

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Lisa auf dem Renjo La Pass (5.535m)

Der Plan steht, alle Informationen liegen mir vor – jetzt muss nur noch eine Entscheidung getroffen werden.

Das Ergebnis:

23 Tage – 220 km – 11.513 hm Aufstieg – 10.953 hm Abstieg – unzählige Liter Schweiß und Tränen

Was nun folgt ist die ziemlich beeindruckende Bilderserie, die das Abenteuer dokumentiert, und mein persönlicher Bericht darüber, wie sich der ganze Wahnsinn angefühlt hat….