Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Nepal

Lisa in Nepal: Die Rückkehr (Teil elf)

Nepal – dort ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Seidenraupe Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier folgt nun der letzte Teil.

Teil 11: Die Rückkehr

Die Bilanz der ersten Tage danach: minus 7 Kilo, 3 graue/taube/angefrorene Zehen und die Lamblienruhr – schlimme Durchfälle ausgelöst durch Dünndarmparasiten, die man sich als Europäer in Entwicklungsländern gerne einmal einfängt.

Bild32

Tag 15 – Aufbruch zum Everest Base Camp

Ich war, rein körperlich gesehen, in keiner besonderen Verfassung. Und ich war traurig. Darüber dass diese Tour, von der ich 3 Jahre lang immer wieder geträumt hatte, jetzt in der Rückschau doch so schnell vorbei gegangen ist. Und gleichzeitig habe ich mich im Leben selten so sehr über „die ganz normalen Dinge“ des Alltags (in Deutschland) gefreut: eine weiche Matratze abends mit einer frisch bezogenen, dicken Daunendecke, eine Toilette und nach Belieben eine warme Dusche oder ein warmes Bad, die Vielfalt an Lebensmitteln, meinen täglichen Espresso…. Die Liste lässt sich sehr lange fortführen.

Bild28

Tag 14 – Blick vom Kongma La in Richtung Chhukung (zurück)

Aber wenn das alles nach ein paar Tagen/Wochen abgeklungen ist, dann bleiben da diese ganzen unglaublichen Eindrücke und Erinnerungen. Wenn ich an den Himalaya denke, muss ich lächeln. Ich höre die Glocken von den Yak- und Muli-Karawanen, ich sehe die Ama Dablam (wunderschön), den Everest und den Lhotse (gewaltig) vor mir, ich erinnere mich an den Geschmack der unterschiedliche Dhal Bhat Variationen. Oder daran, wie ich mit Gabriel in einer absolut klaren Nacht raus gegangen bin, um Sterne zu gucken und wir wegen der nicht vorhandenen Lichtverschmutzung die Milchstraße sehen konnten – so unfassbar schön. Oder an die wildfremde Inderin vom Nebentisch, die mich an meinem mentalen Tiefpunkt (nach einer Stunde stillem Weinen in der Lodge nach dem Abstieg vom Kala Patthar) einfach in den Arm genommen hat und gesagt hat, dass ich den Rest noch schaffen werde.

Bild30

Tag 14 – Ruan und ich auf dem Kongma La Pass (5.550m)

Was bleibt, sind ganz, ganz viele positive Gefühle und der dringende Wunsch noch einmal nach Nepal zurückzukehren.


Lisa in Nepal: Ein ganz schönes Brett (Teil zehn)

Nepal – dort ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Seidenraupe Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil zehn.

Teil 10: Ein ganz schönes Brett

Bild42

Tag 17 – Aufstieg zum Cho La Pass

Der nächste Tag ist vergleichsweise easy und die Gokyo Seen sind ein echter Hingucker. In Gokyo bestellen Jacinda und ich mittags in der Lodge jeweils zwei Pizzen!

Bild43

Tag 17 – Aufstieg zum Cho La Pass zunächst links neben, später auf dem Gletscher (rechts)

Von nun an geht es gefühlt nach Hause. Wir reden jeden Tag darüber, wie sehr wir uns auf eine Dusche freuen. Und Fleisch (das soll man hier oben nämlich nicht essen und wir haben uns brav dran gehalten). Und frische Kleidung. Ein Pass steht uns noch bevor, aber wir wissen, dass wir das schaffen werden und danach – smooth sailing. Dachten wir.

Bild44

Tag 17 – Cho La Pass (5.430m)

Tatsächlich fordert der Pass uns nochmal alles ab. Und auch die darauf folgenden 2 Tage werden nicht wirklich entspannt.

Bild41

Tag 17 – Aussicht von unterwegs

Durch unseren zusätzlichen Akklimatisierungstag in Dingboche müssen wir die ursprünglich geplanten 3 Tage Abstieg nach Lukla auf 2 Tage verkürzen. Mit jeweils 18 km. Was mir im Vorfeld nicht besonders viel erschien, ist jetzt an Tag 21 und 22 ein ganz schönes Brett.

Bild45

Tag 17 – Blick auf den Gletscher im Abstieg

In den 2 Tagen machen wir Bekanntschaft mit Katrin, 41 aus Deutschland. Wir nehmen sie auf in unseren Club. So langsam kann man sich beim Gehen auch wieder unterhalten und das macht es doch kurzweiliger.

Bild40

Tag 18 – Yaks auf dem Weg nach Gokyo

Ich lasse mir mit dem Abstieg Zeit, es spielt für mich keine Rolle, ob ich um 14.30, 15.00 oder 16.00 in der Lodge ankomme, Hauptsache vor Anbruch der Dunkelheit. In Namche kaufe ich Souvenirs und laufe nochmal durch die Gassen und erinnere mich daran, wie es sich angefühlt hat, als wir im Aufstieg diesen Ort erreicht/passiert haben. Und jetzt habe ich es tatsächlich fast geschafft….

Bild46

Tag 19 – Gokyo Lake am frühen Morgen

Es stellt sich langsam ein Gefühl tiefer Zufriedenheit ein, dass seinen Höhepunkt in dem Moment findet, indem ich am folgenden Nachmittag um die letzte Ecke dieses Trails biege und vor mir ein kleiner Torbogen auf die gepflasterte Straße, die nach Lukla reinführt, blickt. WAS FÜR EIN GEFÜHL…. Mir kommen die Tränen….

Bild47

Tag 19 – Pferd mit gefrorener Mähne vorm Gokyo Lake

Ich laufe durch die Straßen, bis mich irgendwo Ongcchu abfängt und mit mir abklatscht. Wir essen zusammen mit Jacinda, Katrin, Ongcchu, Ongcchus Bruder, Katrins Guide und unseren Portern zu Abend.

Bild48

Tag 19 – Renjo La Pass (5.535m)

Am nächsten Tage fliegen wir, aufgeteilt auf 3 unterschiedliche (klapprige) Maschinen, vom gefährlichsten Flughafen der Welt zurück nach Kathmandu.

Bild51

Tag 23 – Rückflug Lukla – Kathmandu

Vom Flugzeug aus sieht man noch einmal den Everest. Die Aussicht ist immer noch überwältigend. Ich bin immer noch richtig hier und wenn ich das nächste Mal hier bin, will ich auf 6.000 m stehen!

Bild49

Tag 19 – Unser Weggefährte für den Tag genießt die Pause auf dem Pass

Ruan, Jacinda, Katrin und ich treffen uns abends in Thamel. Das beste Steakhouse der Stadt haben wir für den Abend gewählt. Während ich mittags die einzelnen Lagen (wirklich dreckiger) Wäsche vom Körper geschält habe, ist mir aufgefallen, dass ich in den 3,5 Wochen einige Kilo Körpergewicht in den Bergen gelassen habe.

Bild50

Tag 19 – Aussicht vom Renjo La, Blick auf Gokyo Lake und Mount Everest (Bildmitte zwischen den Wolken)

Jetzt sitzen wir hier, alle sind frisch geduscht, tragen saubere Kleidung, die Stimmung ist gelöst, nach einem Cocktail sind wir noch viel heiterer und dann kommt endlich das heiß ersehnte Fleisch….

Bild13

Tag 21 – Abstieg nach Namche Bazaar

Am Tag danach habe ich mir morgens eine Massage in Kathmandu gegönnt und mich dann auf den Weg zum Flughafen gemacht. Und dann war ich plötzlich wieder zurück….


Lisa in Nepal: Zu Ende machen oder abbrechen? (Teil neun)

Nepal – dort ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Seidenraupe Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil neun.

Teil 9: Zu Ende machen oder abbrechen?

Bild35

Tag 16 – Aussicht vom Kala Patthar (5.643m)

Auf dem Kala Patthar dann, am nächsten Morgen zwischen 4.30 und 7.00, kommt der Punkt an dem ich mich sehr ernsthaft frage, ob ich das Ganze hier zu Ende machen kann (und will) oder abbrechen und umkehren möchte. Beim Frühstück in der Lodge, von der wir morgens zum Gipfel aufgebrochen sind (unsere Sachen hatten wir da gelassen, da wir an der Lodge vorbei zurück und dann weiterziehen würden), heule ich dann für fast eine ganze Stunde. Ongcchu und Ruan schauen mir traurig dabei zu.

Bild36

Tag 16 – Das Dreigestirn bei Sonnenaufgang vom Kala Patthar aus

Ich spreche mit Ongcchu. Geplant sind noch 6 weitere Tage, darunter 2 Passtage und Gokyo Ri, also noch 3 Mal rauf auf über 5.200 m. Es gibt die Möglichkeit, dass ich ab Lobuche, 2 Stunden Abstieg von hier, mit dem Porter zurück nach Namche gehe. Ruan und Ongcchu würden dann mit Jacinda und Ongcchus Bruder von da in die entgegengesetzte Richtung weitergehen und die Tour wie geplant beenden. In den folgenden 2 Stunden nach Lobuche spielt sich in meinem Kopf alles ab….

Bild37

Tag 16 – Abstieg nach Dzonglha mit viel Nepali Flat

Mit dem Ergebnis, dass ich dann doch lieber noch 6 weitere Tage die Zähne zusammen beißen möchte, als mich mein restliches Leben lang zu ärgern, dass ich es nicht versucht habe. Ich ziehe das jetzt durch!

Bild38

Tag 16 – Aussicht von unterwegs

Ruan füttert mich von nun an mit noch mehr Süßigkeiten (wieviel zusätzliche Kilo schleppt der Junge bloß mit sich rum seit Namche?!), es geht wieder bergauf mit der Stimmung. Der Aufstieg zum Cho La Pass am nächsten Tag läuft wie am Schnürchen. Ich vorne weg, hinter mir irgendwo Ruan, zum Schluss Jacinda. Für sie ist es der erste Pass. Ich hab richtig Spaß! Die Strecke ist abwechslungsreich, es sind kaum noch andere Trekker um uns herum, die Sonne scheint….

Bild39

Tag 16 – Ongcchu begleitet mich bis zur Ankunft in Dzonglha an meinem schwarzen Tag

Während der Pause auf dem Pass essen wir unser mitgebrachtes Mittagessen. Und Süßigkeiten. Danach geht es dann bergab. Wir übernachten in Dragnag, 4.700 m. Sauerstoffsättigung wieder bei 86%, Herzfrequenz 95. Sogar ein bisschen Appetit kommt beim Abendessen zurück.


Lisa in Nepal: Der Verfall der Menschen ist erschreckend (Teil acht)

Nepal – dort ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Seidenraupe Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil acht.

Teil 8: Verfall der Menschen ist erschreckend

Beim Frühstück am nächsten Morgen kurz vorm Aufbrechen höre ich, wie jemand meinen Namen ruft: Glenn! Ich freue mich riesig ihn hier wieder zu sehen. Allerdings teilt er mir mit, dass er abbrechen und umkehren wird. Er hatte von Namche schon zwei Versuche gebraucht, um weiter aufzusteigen. Beim ersten Mal musste er nach einem Tag wieder umkehren, da er mit der dünnen Luft nicht klar kam, nachts immer wieder nach Luft schnappend aufgewacht ist und nicht mehr schlafen konnte. Bis Lobuche war er dann am Vortag doch noch gekommen, nicht über den Pass, sondern auf direktem Weg, aber weiter könne und wolle er nicht mehr. Ich bin erschüttert. Glenn war so fit, immer schneller als ich, immer gut drauf, hoffnungsvoll, motivierend und beruhigend….

Bild32

Tag 15 – Aufbruch zum Everest Base Camp

Ich selber merke jetzt mit jeder Stunde, dass ich immer weiter abbaue. Am Abend zuvor lag meine Sauerstoffsättigung nur noch bei 71% und die Herzfrequenz in Ruhe bei 112. Alles, wirklich alles, ist jetzt anstrengend und unangenehm. Für mich ist es inzwischen Tag 16, seit 4 Tagen habe ich diesen fürchterlichen, trockenen Husten, den hier oben alle haben – die Nepali nennen ihn den „Khumbu cough“, in Anlehnung an den Namen der Region, Solu Khumbu. Meine Nase sitzt permanent zu, Ruan hat jeden Tag Nasenbluten. Ich spüre am rechten Fuß die Zehen nicht mehr – 3 davon werden taub bleiben, Kälteschaden. Latente Kopfschmerzen sind dein stetiger Begleiter. Durch das Diamox muss ich nachts 3 Mal pro Stunde mindestens zur Toilette. Jedes Mal schäl ich mich dafür aus dem Schlafsack, dann dem Seidenschlafsack, rein in die Schuhe, Stirnlampe und Klopapier liegen immer griffbereit neben dem Kopfkissen und dann los. Sobald ich wieder im Bett liege, muss ich erstmal wieder zu Atem kommen.

Bild34

Tag 15 – Everest Base Camp (5.360m)

Ich habe ein Zwischentief, der Weg zum Base Camp und am nächsten Tag rauf auf den Kala Patthar (5.600 m) wird für mich zum absoluten Grenzgang, mental gesehen. Wir treffen wieder auf Jacinda. Da wir nun einige Tage auf einer Höhe > 5.000 m verweilen und dabei ausschließlich auf Gletschern unterwegs sind, ist es jetzt noch einmal spürbar kälter, die Temperatur liegt bei -17 Grad. Ich habe den Eindruck, dass Ruan und Jacinda nun fitter sind als ich, aber das hält mich zusammen.

Bild33

Tag 15 – Das Dreigestirn Lhotse – Everest – Nuptse vom Base Camp aus

Das Base Camp ist unspektakulär, da im Herbst keine Expeditionen da sind. Ich höre und sehe an diesem Tag 4 gewaltige Lawinenabgänge am Lhotse, dem vierthöchsten Berg der Welt. Die Anzahl der Helikopter Evakuierungen hier oben ist enorm und der sichtbare Verfall der Menschen um mich rum ist erschreckend. Viele sind nicht mehr in der Lage alleine zu gehen, sie sind zu schlecht akklimatisiert, werden von ihren Begleitern oder Guides gestützt. Wir übernachten in Gorakshep auf 5.100 m. Ruan bekommt Magen-/Darmprobleme, er hatte am Tag zuvor auf dem Pass Wasser aus einem Fluss getrunken bevor die Chlortablette es anständig reinigen konnte. Er nimmt Imodium, legt sich schlafen und hofft, dass es am nächsten Tag wieder gut ist. Ich putz mir derweil die Nase wund und huste so sehr, dass ich dabei ständig würgen muss.


Lisa in Nepal: Diamox (Teil sieben)

Nepal – dort ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Seidenraupe Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil sieben.

Bild16
Tag 10 – Aufstieg nach Tengoche, rechts die Ama Dablam

Teil 7: Diamox

Am nächsten Tag steigen wir zu einem Aussichtspunkt auf 5.100 m auf (von bisher 4.300 m). Der Aufstieg ist beschwerlich, die Aussicht unbezahlbar. Wir essen einen Mars Riegel oben auf dem Gipfel – einer der besten Mars Riegel meines Lebens. Ich fühl mich super, kann selbst nicht mehr glauben, dass es mir am Tag zuvor so viel schlechter ging.

Bild15
Tag 10 – Tengboche Monastery

Jacinda und Ruan dagegen werden beim Abstieg immer stiller. Die Höhenkrankheit holt sie ein. In der Lodge legt sich Ruan direkt schlafen, er fängt an Diamox zu nehmen. Jacinda bekommt beim Abendessen plötzlich Panik. Auf dem linken Auge sieht sie nichts mehr. Sie weiß nicht, ob es eine beginnende Migräne ist oder Auswirkungen der Höhe. Wir beide fangen an Diamox zu nehmen. Ruan und Jacinda tauschen das Zimmer, sie schläft bei mir.

Bild17
Tag 11 – Aufstieg nach Dingboche

Am nächsten Morgen geht es ihr besser, aber sie hat Angst. Sie entschließt sich nicht über den Kongma La Pass (5.550 m) zum Base Camp zu gehen, sondern außen rum. Wir verabschieden uns für die nächsten 2 Tage voneinander, sie muss wieder ein Stück zurückgehen, während wir weiter Richtung Chhukung und dann am nächsten Morgen um 5.30 aufbrechen zu unserem ersten Pass.

Bild18
Tag 11 – Wir folgen immer noch dem Dudh Kosi (milchiger Fluss)

Der Passtag ist hart. Hart, hart, hart. Wir beide hören Musik, Ongcchu läuft mal mit Ruan, mal mit mir. Reden will keiner. Ruan und ich kämpfen denselben Kampf,  jeder mit seinem eigenen Kopf. Immer wieder fragen wir Ongcchu, wie lange es noch dauert, bis wir oben sind. Die letzte Stunde zieht sich ewig….

Bild19
Tag 11 – Ankunft in Dingboche

Auf dem Pass angekommen sind wir extrem erschöpft aber glücklich und machen Pause. Was wir nicht wissen zu diesem Zeitpunkt ist, dass wir noch einige Stunden unterwegs sein werden und es dabei nicht, wie angenommen, nur bergab geht, sondern auch noch einige Male knackig bergauf.

Bild20
Tag 12 – Akklimatisierungstour von Dingboche aus

Während der letzten Stunde müssen wir dann noch den Lobuche Gletscher passieren, über große Felsbrocken kraxelnd und dann sind wir ENDLICH da – Lobuche, 4.900 m. Von hier geht es morgen zum Base Camp. Wir essen, trinken, schlafen….


Lisa in Nepal: Die Luft wird dünner (Teil sechs)

Nepal – dort ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Seidenraupe Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil sechs.

Bild6

Tag 9 – Akklimatisierungstour von Namche Bazaar aus, Ama Dablam im Hintergrund

Teil 6: Die Luft wird dünner

Namche liegt auf 3.550 m, eine Höhe, die ich in der Woche zuvor schon einmal erreicht habe, bei der Überquerung des Lamjura Passes mit Glenn und den British Army boys. Heute wird mir nicht mehr übel, als ich oben ankomme, aber man kommt hier deutlich schneller außer Atem als das bisher der Fall war.

Bild7

Tag 9 – Der Blick ins Tal nach Lukla

Namche ist der Hotspot der Region, kein Dorf, sondern eine Stadt. Es gibt hier alles. Ruan und ich kaufen Süßigkeiten und Medikamente. Und noch mehr Süßigkeiten. In einem kleinen Café gibt es neben sämtlichen Kaffeespezialitäten und Kuchen auch WIFI. Jacinda, eine Australierin Mitte 30, die alleine mit Ongcchus Bruder als Guide unterwegs ist, schließt sich uns für die Tour am nächsten Tag um Namche herum an. Zur besseren Akklimatisierung bleiben wir eine zusätzliche (geplante) Nacht in Namche.

Bild8

Tag 9 – Immer häufiger bekommen wir jetzt den Everest zu sehen, hier leider hinter den Wolken

Danach geht es weiter. Wir laufen um die Ama Dablam, herum immer weiter hinein in den Himalaya. Die nächsten zwei Tage stell ich fest, dass Nepali flat ein dehnbarer Begriff ist und offensichtlich von Tag zu Tag steiler wird. Ab 4.000 m Höhe wächst kein Baum mehr, ab 4.700 m werden auch keine Büsche mehr wachsen.

Bild9

Tag 9 – Khumjung (3.790m)

Es wird jetzt von Tag zu Tag kälter, nachts ist es -8 Grad, tagsüber nicht wärmer als 1 – 2 Grad. Die Lodges sind innen auch nicht wärmer, sie halten lediglich den Wind ab. Ich stelle um von der mitteldicken Daunenjacke auf die dicke Daunenjacke, und hoffe, dass es nicht noch sehr viel kälter wird.

Bild10

Tag 9 – Kongde Ri, Blick vom Abstieg aus Khumjung zurück nach Namche Bazaar

In Dingboche legen wir einen weiteren (ungeplanten) Akklimatisierungstag ein, da wir langsam alle (ich am Tag zuvor am deutlichsten) merken, dass die Luft immer dünner wird. Noch bin ich bei ca. 90 % Sauerstoffsättigung und einer Herzfrequenz von 90 in Ruhe.

Bild11

Tag 9 – Ab Namche Bazaar tragen nur noch Yaks und Porter Lasten

Ich versuche wach zu bleiben nachmittags, da das bei der Akklimatisierung helfen soll und ich nehme eine letzte warme Dusche. Bis zu meiner Rückkehr nach Kathmandu werde ich nicht mehr duschen gehen. Weiter oben wird es kein fließendes Wasser mehr geben, ganz zu schweigen von warmem Wasser. Es fällt mir immer schwerer zu essen, auch Jacinda bekommt teilweise nichts oder nur sehr wenig von den Mahlzeiten runter. Ruan füttert uns mit seinen Süßigkeiten.

Bild12

Tag 9 – Noch einmal der Kongde Ri im Hintergrund


Lisa in Nepal: Lukla bis Base Camp (Teil fünf)

Bild5

Tag 8 – Free Wifi und Kaffee auf 3.550m

Nepal – das ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil fünf.

Teil 5: Lukla bis Base Camp, drei Pässe und Gokyo

In Lukla habe ich das erste Mal seit einer Woche wieder eine warme Dusche. Die Lodge erinnert an ein Hotel (ein eigenes Sitzklo mit Spülung auf dem Zimmer!!!). Die Anzahl an Trekkern, die hier alle 20 Minuten eingeflogen werden, ist schier unglaublich. Ich beobachte das Ganze von der Dachterrasse eines kleinen Hotels mit Blick auf die Start-/Landebahn. Hier gibt es sogar Kaffee. Ich kriege eine Ahnung davon, wie überlaufen der Trail von hier bis zum Base Camp sein wird. Danach allerdings, über die Pässe zu den Gokyo Seen soll es wieder sehr ruhig sein.

Bild3

Tag 8 – Ankunft in Namche Bazaar

Am nächsten Tag ist es bewölkt/neblig. Am Flughafen passiert den ganzen Tag nichts. Lukla ist abgeschottet von der Welt. In den Lodges sitzen den ganzen Tag alle im Gemeinschaftsraum um die Öfen und lesen, unterhalten sich gedämpft über das, was sie schon erlebt haben bzw. das, was ihnen noch bevorsteht. Ich habe einen sehr schönen Abend mit einem neuseeländischen Paar, was schon auf der Heimreise ist. Sie waren im Base Camp.

Bild14

Tag 8 – Im Aufstieg sind immer mehr weiße Gipfel zu sehen

Am nächsten Morgen gehe ich um 7.00 zu dem mir genannten Treffpunkt, der Buddha Lodge. Ich habe keine Ahnung, wie mein Guide oder der andere Trekker heißen oder aussehen. Ich gehe einfach rein, stehe im Gemeinschaftsraum, schaue mich um und warte einen Moment…. Und tatsächlich, kurz danach steht ein Nepali vor mir und fragt mich, ob ich Lisa bin. Er bringt mich zu einem Tisch. Hier sitzt schon Ruan, 26 und Brite.

Bild1

Tag 8 – Eine von vielen Hängebrücken über den Dudh Kosi

Ongcchu, unser Guide, bringt mir Tee und sagt, er kommt gleich wieder. Ruan und ich unterhalten uns. Wir werden uns verstehen, das ist jetzt schon klar und ich bin froh und erleichtert. Gegen 8.20 geht es weiter nach Phakding. Eine fast flache – Nepali flat – Strecke von ca. 3 Stunden, ein kurzer Tag. Für mich. Ruan dagegen ist fertig, legt sich direkt nach dem Mittagessen in unserem Zimmer hin und schläft. Ich gehe mit Ongcchu zu einem buddhistischen Kloster. Ongcchus Englisch ist schwer zu verstehen (noch), aber ein ruhiger, lieber Mensch. Er ist 35 und seit 6 Jahren Guide. Davor war er Porter.

Bild2

Tag 8 – Aufstieg nach Namche Bazaar

Am nächsten Tag kommt der harte Aufstieg nach Namche Bazaar. Wir überqueren den Dudh Kosi Fluss 5 Mal über die typischen, nepalesischen Hängebrücken. Danach geht es nur noch bergauf. Auf ungefähr der Hälfte des Aufstiegs kommt ein Aussichtspunkt – von hier aus kann man das erste Mal den Mt. Everest sehen! So langsam verändert sich die Landschaft und man bekommt einen Eindruck davon, was da für gewaltige Aussichten noch auf uns warten. Das hier ist was anderes als die Alpen.

Bild4

Tag 8 – Apotheken und Kühe….


Lisa in Nepal: Routine stellt sich ein (Teil vier)

Nepal – das ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil vier.

Teil 4: Routine stellt sich ein

Die nächsten 2 Tage bleibe ich mit Glenn und den Jungs zusammen. Die Australier sind nur noch zu zweit, Stuart ist noch am ersten Tag umgekehrt und wird in Kathmandu auf seine Freunde warten. Eine Schweizerin, Chris, ist mit einem Guide und 3 Portern unterwegs – sie will zum Base Camp und dann noch auf den Gipfel des Island Peak (6.189 m). Und ein niederländisches Paar, Mitte/Ende 50, begegnet uns immer wieder. Noch ist alles grün und tagsüber in der Sonne ist es recht warm.

Dann, am Mittag meines dritten Tages, dem zweiten Tag mit meiner amerikanisch-britisch-deutschen Reisegruppe, beschließen die British Army boys zusammen mit Gabriel, weiter als für den Tag geplant zu gehen. Sie müssen einen ungeplanten Stopp in Lukla machen, um Geld zu tauschen, da sie zu wenig für den Rest der Tour dabei haben. Sie hoffen, dass sie diesen ungeplanten Stopp irgendwie rausholen können, indem sie die nächsten Tage schneller laufen. Glenn, der keine Eile hat, beschließt mit mir weiter zu gehen und so verabschieden wir uns von den anderen. Ihren Platz wird am nächsten Tag Ilan, aus Israel, mit seiner Gruppe von ca. 7 Leuten einnehmen. Sie sind bis Phaplu geflogen und stoßen erst jetzt auf den Trail dazu.

Langsam stellt sich eine gewisse Routine ein: Morgens um 6.15 Aufstehen, Wanderhose und Wanderschuhe anziehen (im Rest, einschließlich der Daunenjacke habe ich bereits geschlafen), Haare kämen und Zähne putzen, dann um 6.30 zum Frühstück. Es gibt Pfannkuchen oder Omeletts mit warmem Tee. Ich fülle meine Trinkblase auf und gehe zurück auf das Zimmer. Seidenschlafsack einrollen, Kulturtasche (und was sonst noch rumfliegt) einpacken, Trinkblase verstauen, Rucksack verschließen, Wanderstöcke in die Hand und los. Es ist ca. 7.00. Die nächsten 2 Stunden werden Glenn und ich einfach jeder in seinem Tempo, aber immer irgendwie in Sichtweite voneinander, laufen. Dann werden wir irgendwo in einem Teehaus in der Sonne Pause machen und Tee trinken. Dann weiter bis ca. 12.00 – Mittagessen. DAS Gericht in Nepal nennt sich Dhal Bhat. Linsensuppe, Gemüsecurry und Reis. Nepali schwören darauf und auch Glenn wiederholt Mantra-artig: „Dhal Bhat powers 24 hours“ oder „Powered by Dhal Bhat“. Nach Abschluss meiner Reise werde ich für mehrere Wochen nicht mehr an Reis denken können ohne direkt schon Verstopfungen zu bekommen…. Aber – das Zeug macht satt.

Nach dem Mittagessen, geht es dann in der Regel nochmal für 3 Stunden weiter, bevor das Tagesziel erreicht ist. Meistens ist Glenn vor mir da, sitzt vor der Hütte mit einem Tee für mich und drückt mir schon den Schlüssel für mein Kämmerchen für die Nacht in die Hand, das er für mich organisiert hat. Seit Glenn weiß, dass James jeden Abend ein paar Kräuter raucht (eine Notwendigkeit, wie er behauptet, wegen seiner Schlafapnoe), sind die zwei sehr gute Freunde geworden und Glenn hat abends keine Hüftschmerzen mehr…. Das Abendessen bestellen wir meistens für 17.30. Und danach ist Zapfenstreich. Ab 20.00 sind die einzigen Geräusche, die noch zu hören sind, das Schnarchen der anderen durch die Wände oder das Rascheln der Decken und Schlafsäcke beim Umdrehen.

Viel zu schnell kommt der Tag, an dem ich mich von meinen bisherigen Weggefährten verabschieden muss. Ich habe einen kurzen Tag vor mir. 2 Stunden bis Lukla, ca. 800 hm auf 2,5 km Strecke. Dort werde ich 2 Tage auf meinen Guide und meinen neuen Mitstreiter warten müssen. Alle anderen – Ilans Gruppe, die Schweizerin, die 2 Australier, das niederländische Paar und Glenn – werden Lukla bypassen und direkt weiter aufsteigen Richtung Namche Bazaar.

Bilder: Tag 6 – Aufstieg nach Lukla, Tag 6 – Start- und Landebahn Lukla Airport

 


Lisa in Nepal: Bhandar bis Lukla (Teil drei)

Nepal – das ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil drei.

Teil 3: Bhandar bis Lukla

BildC

Tag 4 – Es häufen sich die Wegweiser nach Lukla

Gegen 7.30 am nächsten Morgen starte ich meine erste Tagesetappe, endlich geht es richtig los. Aber schon schnell stelle ich fest, dass nichts markiert ist und bin immer wieder an Abzweigen unschlüssig, in welche Richtung ich mich halten soll. An einer Stelle bleibe ich ca. 10 Minuten stehen. Dann sehe ich hinter mir eine kleine Gruppe zu mir aufschließen. 3 Australier mit ihrem Guide und 2 Portern. Auch sie sind auf dem Weg nach Lukla (und weiter). Ich schließe mich ihnen an, David und James sind Mitte 40 und sind zum dritten Mal in Nepal. Stuart ist Mitte 50 und ein Arbeitskollege von James. Der Vormittag vergeht schnell, es geht nur bergab. An einer Stelle müssen wir durch einen kleinen Bach laufen und danach durch hohes Gras – danach stellen die 3 fest, dass sie überall an den Beinen Blutegel hängen habe. Ich trage im Gegensatz zu ihnen eine lange Hose und lache noch mit den anderen über deren Blutegel, als James plötzlich einen auf meinem Hosenbein entdeckt – ich fange an zu schreien wie am Spieß.

BildA

Tag 2 – Glenn und ich auf dem Lamjura La Pass (3.500m)

Beim Mittagessen geht es Stuart plötzlich nicht mehr gut, es fängt langsam an zu regnen und bis zum Abend müssen wir noch 1.000 hm aufsteigen. Die Gruppe will warten, um zu sehen, ob es Stuart besser oder schlechter geht, denn von Sethe (wo wir die Nacht verbringen werden), gibt es keine Straßen mehr, die von Autos befahren werden können. Stuart müsste dann alles wieder selbstständig zurücklaufen.

BildB

Tag 3 – Auf dem Weg von Junbesi nach Nunthala

Ich gehe alleine weiter und treffe im Laufe des Nachmittags auf Glenn, 56 und Amerikaner, der gerade in den Frühruhestand gegangen ist und bis Weihnachten reisen möchte. Er war schon mal an der Annapurna. Glenn ist mit David (29), Jack (28) und Sam (28) – drei britischen Soldaten – und Gabriel (33), einem Deutschen mit rumänischen Wurzeln unterwegs. Sie haben sich 2 Tage zuvor im Bus kennengelernt und wollen zusammen zum Base Camp.

BildD

Tag 4 – Das Dorf Kharikola auf dem Weg nach Bupsa

Wir quälen uns bergauf nach Sethe. Gabriel, der extrem schnell ist, kommt als erster dort und an und trifft auf ein „Geisterdorf“. Die Häuser/Hütten sind überwiegend verrammelt, es sind keine Menschen zu sehen/hören. Jack und David, die nach ihm oben ankommen, sitzen am Ortseingang und ruhen sich aus, als Glenn und ich – zusammen mit Sam, den wir unterwegs eingeholt haben – zu ihnen stoßen. Wir überlegen, was wir tun sollen.

BildE

Tag 4 – Träger mit dem typischen nepalesischen Tragekorb Doko

Glenn und ich wollen nicht mehr weiter. Jack und David lassen ihre Rucksäcke zurück und steigen ein Stück weiter auf, um zu gucken, ob da noch irgendwas kommt, wo man übernachten könnte. Gabriel läuft durch das Gewirr an Hütten und Häuschen im Ort und schaut, ob er da doch noch irgendetwas/-jemanden finden kann.

BildF

Tag 4 – Die Landschaft ist immer noch sehr grün

Tatsächlich kommt er zurück mit einem Mann, der uns bitten zu bleiben. Seiner Frau gehöre die Lodge und sie würde mit dem Schlüssel nachkommen, um uns zu öffnen. Wir sind happy. David und Jack kommen zurück und im Laufe des Abends, als wir schon in unseren Betten liegen, hören wir noch einige Trekker ankommen.

BildG


Lisa in Nepal: Die Vorbereitung & Es geht los (Teil zwei)

Nepal – das ist das Dach der Welt, hier stehen die höchsten Berge unserer Erde. Lisa Hahn hat das Land kürzlich bereist und nimmt uns mit ihrem Reisebericht auf eine spannenden Ausflug mit. Insgesamt gibt es elf Teile, die immer mittwochs online gehen. Hier nun Teil zwei.

Teil 2: Die Vorbereitung

Im Juli kaufe ich erstmal Himalaya taugliche Wanderschuhe und laufe sie im Rekordsommer in den heimischen Gefilden ein. Ende August buche ich dann den Flug. Am 02.10. werde ich losfliegen, über Delhi nach Katmandu. Jetzt bleiben mir noch ca. 5 Wochen, das nötige Equipment zusammen zu kaufen/leihen. Denn so richtig Ahnung davon, was ich da machen möchte, habe ich nicht. Zumindest nicht praktisch. Ich habe die letzten 3 Jahre einiges an Büchern, Artikeln, Forenbeiträgen usw. zum Himalaya gelesen, aber bis dato blickte ich lediglich auf einige Genusstouren in den Alpen zurück – hoch wandern, runter fahren im Lift – und meine erste und letzte Übernachtung auf einer (österreichischen) Hütte lag ungefähr 16 Jahre zurück…. Es fehlte schon an den grundlegendsten Dingen.

Bild50

Aussicht vom Renjo La, Blick auf Gokyo Lake und Mount Everest (Bildmitte zwischen den Wolken)

Und so bin ich dann im September quasi „quer durch die Republik“ und bis nach Paris gefahren, um in meinem erweiterten Bekanntenkreis, die nötigen Dinge zusammen zu klauben. Einen Rucksack in Krefeld (die Tante des besten Freundes meine Bruders), einen Schlafsack in Broekhuysen (Arbeitskollegin meiner Mutter), Wanderhosen, lange Unterwäsche, einen zweiten Rucksack und Kartenmaterial in Paris (meine Gastschwester Pauline). In Köln habe ich noch einen Seiden-Inlet für den Schlafsack gekauft, in Düsseldorf Merinounterwäsche, Mütze/Stirnband und noch weitere nützliche Kleinigkeiten.

Am Ende habe ich 2 gepackte Rucksäcke vor mir stehen, jeweils 7,5 kg und schon entsprechend aufgeteilt: Den einen Rucksack werde ich in der ersten Woche von Jiri bis Lukla mitnehmen. Den zweiten Rucksack, mit den dickeren Sachen für weiter oben, lasse ich von Kathmandu nach Lukla fliegen und werde ihn da dann am 13.10. entgegen nehmen für die restliche Tour, die ich in Begleitung eines Guides, eines Porters und eines weiteren Trekkers machen werde.

Bild1

Eine von vielen Hängebrücken über den Dudh Kosi

Es geht los

Und dann ist der Tag da, an dem es losgeht. Morgens um 11.00 ab Amsterdam-Schiphol. Der Flug ist lang. So lang, dass ich mich mit jeder weiteren Stunde im Flieger frage, ob das eine gute Idee war. Aber – jetzt ist es, wie es ist, also Augen zu und durch. Ein 7-Stunden-Layover in Delhi raubt mir die letzte Energie, ich will nur noch irgendwo liegen und schlafen. Dann geht es weiter Richtung Kathmandu. Ich sitze auf der falschen (rechten) Seite im Flieger, ich schaue nach Süden. Der Himalaya liegt auf der linken Seite. Als ich zum Klo gehe, schaue ich links durch eines der Fenster und der Anblick ist ÜBERWÄLTIGEND. Hier wollte ich hin, alles ist gut.

In Kathmandu liege ich dann erstmal flach. Ich habe mir im Flieger eine Erkältung eingefangen und plötzlich kriege ich Panik, ob die Tour klappen wird oder jetzt an einem blöden Schnupfen alles scheitert. Es ist Mittwochmittag. Freitagmorgen um 5.30 will ich im Bus nach Jiri sitzen. Ich schlafe bis Mittwochabend, dann gehe ich raus und treffe mich zum Abendessen mit Eva, einem Mädchen aus Den Haag, das ich im Flieger von Delhi nach Kathmandu kennengelernt habe. Um 20.00 liege ich wieder im Bett, bis Donnerstagmittag um 16.00. Dann raffe ich mich auf und bringe meinen zweiten Rucksack zum Office der Organisation, damit der Guide ihn im Flieger mitnehmen kann nach Lukla. Danach esse ich noch was in Thamel, dem Zentrum von Kathmandu und geh wieder zurück ins Bett. Pünktlich um 4.00 am Freitagmorgen werde ich von alleine wach – und fühle mich super.

Bild16

Aufstieg nach Tengoche, rechts die Ama Dablam

Ich packe und laufe durch ein fast ausgestorbenes Kathmandu zum Busbahnhof. Dort angekommen trifft mich der Schock. Zu viele Menschen, zu viele Busse und nicht einen Hauch von einer Idee, welcher davon nach Jiri fährt. Ich hab noch 20 Minuten den richtigen Bus zu finden. Ich gebe mir einen Ruck und laufe durch die Menschenmenge und rufe laut (und zunehmend verzweifelter): „JIRI. JIRI. JIRI….“ Plötzlich steht ein Mann vor mir und spricht mit mir auf Nepali. Er will, dass ich mit ihm mitgehe. Er redet und gestikuliert. Ich überlege kurz: Wie alle Asiaten ist er einen Kopf kleiner als ich…. Ach komm, ich riskier’s, was kann schon passieren? Ich folge ihm eine Weile durch das Gedrängel ohne erkennen zu können, wo wir hinlaufen. Dann  stehen wir vor einem Bus und er lächelt und sagt: „Jiri.“

Vor mir liegen jetzt 14 Stunden Fahrt. Ich bin die einzige Ausländerin, ansonsten nur locals. Und Hühner. Und Ziegen. Das Radio spielt Musik, wie man sie aus Bollywood Filmen kennt…. Das wird ein harter Tag werden.

Ich komme abends in Bhandar (in der Nähe von Jiri) an, mein älterer nepalesischer Sitznachbar aus dem Bus bringt mich zur ersten Lodge im Ort. Ich bringe meine Sachen auf das Zimmer, bestelle Essen. Beim Anblick und Geruch des vorhandenen Plumpsklos beschließe ich, dass es noch nicht so dringend ist. Danach schlafe ich erstaunlich gut in meinem Seiden-Schlafsack und ein paar Decken aus der Lodge (in denen, nach deren Anblick zu schließen, schon einige Trekker drin geschlafen haben). Ich stelle schon jetzt fest, dass man sich hier immer wieder ein Stück weit überwinden muss.