Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Hamburg gerockt!

Yes! Der Trip nach Hamburg hat sich für die Seidenraupen mehr als gelohnt: Hendrik hat seine Bestzeit auf 3.13 geschraubt, ich auf 3.18 – das heißt, beide waren elf Minuten schneller als jemals zuvor. Das kann sich sehen lassen und ist gleichzeitig auch ein verdienter Lohn für die zehn harten Trainingswochen, die hinter uns liegen.

Der Lauf in HH war eine runde Sache. Vom Start weg kommen die Seidenraupen gut durch. Die ersten Kilometer Richtung Altona/Ottensen sind gewohnt eng, doch der Blick auf die Uhr verrät: just in time. Als es dann über die Elbchaussee wieder zurück in die City geht, fliegt der Blick auf die netten Häuschen, die hier stehen. Otto Normalverbraucher kann sich hier nix leisten – wir auch nicht, also schnell wieder weg. 😉 An Kilometer acht steht dann unser Fan Eva, die erneut den großen Zampano gespielt hat. Danke für den Support.

Sehenswert bzw. auch hörenswert ist dieser auch kurz bevor es auf die Hafenstraße geht. Die Läufer, hier noch alle eng beisammen, erleben einen ersten Eindruck davon, weswegen der HH-Marathon als einer der schönsten Deutschlands gilt. Die rund 1000 Meter an den Landungsbrücken sind ein stimmungsmäßiger Hit. Und auch die Aussicht ist grandios: dicker Schiffe liegen vor Anker, die Containerterminals erzählen Geschichten und eine steife Brise weht hinüber…

An der Speicherstadt führt die Strecke dann am Hauptbahnhof vorbei, hier geht es dann erst einmal eine Etage tiefer durch den Wallringtunnel. Ich erinnere mich noch genau, dass mich bei meinem ersten HH-Marathon 2002 bei der Rückkehr in die Freiheit eine nasse Wand erwartete. Doch diesmal zeigt sich die Hansestadt in einer tollen Verfassung: Nicht zu kalt, nicht zu warm, kein Regen – nur der starke Wind stört hier und da.

Davon bekommen wir aber erst wieder etwas mit, als wir die Alster passieren. 15k haben wir hier schon hinter uns. Wieder steht Eva an der Strecke und jubelt – nur ich bekomme davon leider nichts mit, da ich mich an einem Gel abmühe. Der letzte Schluck misslingt und rutscht in die Luftröhre – aber Glück gehabt, es kann weiter gehen. An der Alster gehts nun vorbei Richtung Barmbek. Auch hier stehen nette Buden, darunter das berühmte Hotel Atlantic. Und so schrubben wir Kilometer auf Kilometer ab. Das Tempo konstant hoch bei um die 4.32, also voll im Zeitplan. Geht es so weiter, werden wir beide unsere Ziele erreichen, Hendrik in 3.15, ich in 3.20.

Genau bei 1.36 überschreiten wir die Halbmarathon-Marke, aber jetzt zählen wir die Kilometer runter. Doch ich merke, dass meine Leiste etwas zwickt. Noch geht es, aber bei Kilometer 28 wird es zu heftig. Ich signalisiere Hendrik, dass er weiterlaufen soll – so war es vereinbart. Was, wenn es jetzt nicht weitergeht? Doch die Sorgen sind unbegründet – auch weil das Publikum an vielen Stellen gut anfeuert.

Richtig hässlich ist HH nur an einer Stelle: Bürogebäude am Überssering lassen die ein oder andere Bausünde erkennen. Dafür wird es danach aber wieder schön grün. Kleingärten säumen die Strecke, die in Ohlsdorf von einer Menschenmenge bevölkert wird, die an die Tour de France erinnert – doch so plötzlich die Stimmung da war, so schnell ist sie nach dem Schwimmbad auch wieder weg. Jetzt wird es hart, denn nun brechen die berühmten Kilometer an, bei denen der Hammermann erwartet wird. Doch ich habe Glück, die Schmerzen in der Leiste sind weg, und plötzlich läufts wieder. Klasse. Wo wohl Hendrik steckt? Lange konnte ich ihn noch sehen, aber dann war er irgendwann weg – er wirds schon schaffen.

So langsam kommt das Ziel in Sichtweite, und die Stimmung wird immer besser. In Eppendorf rasten die Leute aus, hier sehe ich auch Ewaldo an der Strecke stehen: Daniel Evertz, so sein richtiger Name. Wenig später jubelt dann ein weiterer Krefelder, Moritz Broja. Und irgendwie kommt mir alles richtig leicht vor. In Harvestehude gehts am berühmten Tennisstadion am Rotherbaum vorbei, Zeit für ein Pläuschchen mit einer Mitläuferin. Sie läuft ihren zehnten Marathon, fünf davon in HH. Respekt. Mit ihr kann ich nun gut mithalten, doch der Ehrgeiz in mir siegt, weiter gehts an ihr vorbei. Der Messeturm (heißt er so) ist in Sichtweite. Lange kann es also nicht mehr sein!

Und wo ist eigentlich diese fiese Steigung, die ich noch irgendwie im Kopf habe? Ah, da ist sie, Kilometer 40, und plötzlich wird HH bergig. Hier stehen auch nochmal richtig viele Zuschauer, auch Eva und Steffi haben sich unters Volk gemischt – cool. Und ich merke, dass da immer noch was geht.

So langsam kann ich das Publikum am Ziel hören, und nach einer letzten Ecke ist es in Sichtweite. Blick auf die Uhr, klasse – das Ziel wird erreicht. Extra für die Läufer haben die Macher einen roten Teppich ausgerollt, herrlich! Zeit, Gott zu danken. Einen Tipper aufs S04-Schweißband und dann über den Zielstrich. 3.18.02 – so meine Zeit. Hendrik ist bei 3.13.54 gefinished – sehr geil.

Am Ende wartet die Medaille auf uns, viel Obst, lecker Weizenbier und ne tolle Massage! Geil…

 

Trotz der Freunde über unsere Zeiten möchte ich an Mitch erinnern. Er wollte zeitgleich mit Ali Celik und Co. in Ddorf an den Start gehen und hat die vielen Wochen Training gemeinsam mit uns absolviert. Doch ein schlimmer Todesfall hat seine Familie nur wenige Stunden vor dem Startschuss erschüttert, weswegen er nicht gelaufen ist. Mitch, es ist hart in diesen Stunden, das wissen wir. Aber Seidenraupen stehen wieder auf. Und laufen weiter und weiter und weiter…

Eine Antwort

  1. Pingback: Die Augen gehen in den Norden:Go for it, Adam! | Seidenraupen Krefeld

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