Ab dem 14. Dezember in der HEIMAT: Bericht über die Deutschen Marathon Meisterschaften 1976

Vor wenigen Wochen ist Paul Angenvoorth gestorben. Der Ausnahme-Athlet im Trikot von Bayer Uerdingen hat in seiner langen Lauf-Karriere etliche Erfolge gefeiert, davon ist auf „seiner“ Seite bei Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Angenvoorth zu lesen. 1976 konnte er hier in Krefeld die Deutschen Marathon-Meisterschaften gewinnen, wir berichteten vor einiger Zeit darüber hier ausführlich. Am 14. Dezember erscheint die 94. Ausgabe der Heimat. In ihr (oder hier) ist der Bericht zu der Meisterschaft finden, den Manuel Kölker geschrieben hat.

Es waren heiße Tage, damals im Mai 1976. Zum zweiten Mal nach 1966 veranstaltete Preussen Krefeld die Deutsche Marathon Meisterschaft in Krefeld. Wegen der Hitze gab es schon vorab Gerangel um die Startzeit. Denn schließlich wollten mit einem guten Rennen einige Teilnehmer ihre Zeit unter die Olympianorm drücken. Und bei den Frauen, die erstmals in der deutschen Leichtathletik-Geschichte nahezu zeitgleich mit den Männern an den Start gingen, wollte Christa Vahlensieck vom Barmer TV den Weltrekord knacken. Sie sah auf der flachen Strecke, die die Preussen ausgewählt hatten, mit Start und Ziel vor und in der Grotenburg-Kampfbahn und mit Wendepunkt in Traar eine gute Möglichkeit für dieses Vorhaben.

Manuela Preuß (3) und Christa Vahlensieck (1), alleine auf dem Steeger Dyk. Foto: Horstmüller

Am Ende wird sie damit scheitern: Bis Kilometer 30 liegt Vahlensieck auf Weltrekord-Kurs, dann aber kann sie das Tempo nicht mehr ganz halten. Den Weltrekord verpasst sie am Ende nur knapp. Ihre Zeit von 2:40:28 h (Durchschnitt 3:48 min/km) ist jedoch Weltjahresbestleistung. Und auch die Zeit von Manuela Preuß, eine gute Freundin von Vahlensieck und die spätere Ehefrau von Paul Angenvoorth, (2:43:00 h) ist beachtlich. Sie verbessert ihre persönliche Bestleitung damit um über zwölf Minuten. 1976 ist sie damit die zweitschnellste Frau auf der ganzen Welt.

Paul Angenvoorth (280) und Karl Mann (170) lieferten sich bis kurz nach der Halbmarathon-Marke ein tolles Rennen. Foto: Horstmüller

Bei den Männern gewinnt, wie schon erwähnt, Paul Angenvoorth. Er hatte die Olympianorm von 2:15h das ganze Rennen vor Augen und verfehlt sie nur ganz knapp. Als er vor 3.000 Zuschauer in die Grotenburg einläuft, brandet Jubel auf: „Bravo Paule“ schallt es von den Rängen. Nach 15-jähriger Lauftätigkeit holt er mit diesem fabelhaften Lauf seinen ersten deutschen Meistertitel. Die Zeit von 2:15:56 h ist die schnellste jemals gelaufene Zeit bei einer Deutschen Meisterschaft. Da ist zunächst auch vergessen, dass er die Norm um 56 Sekunden verpasst. Hinter ihm platzieren sich neben dem aufopferungsvoll kämpfenden Karl Mann (ASC Wella Darmstadt, 2:18:48 h) Jochen Schirmer (LG Jägermeister Bonn / Troisdorf, 2:19:13 h), Wolf-Dieter Poschmann (TV Wattenscheid, 2:21:39 h) und Wilfried Hellwig (LG Jägermeister Bonn / Troisdorf, 2:22:38 h).

Links überschreitet Manuela Preuss die Ziellinie bei der Deutschen Marathonmeisterschaft 1976 und wird Zweite, rechts jubelt ihr heutiger Ehemann Paul Angenvoorth über seinen Sieg. Damals gab es noch eine Laufbahn um das Fußballfeld in der Grotenburg. Leider wurde dieser Stromkasten, der direkt an der Grotenburgschule steht, von Fans des KFC Uerdingen überstrichen.
Paul und Manuel Angenvoorth (hier im Mai 2021). Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof

Die Mannschaft des Ausrichters KTSV Preussen Krefeld verpasst nur knapp das Treppchen und läuft auf Rang vier. Gerd Quack positioniert sich auf Rang zwölf in 2:24:49 h, Paul Peeters (23., 2:29:01 h) und Willi Roggenbach (27., 2:30:10 h) komplettierten das Team und legen 7:24:01 h vor. Das reicht nicht ganz, denn der LAC Quelle Fürth schiebt sich in 7:22:56 h auf Rang drei.

Lou und Manuel Kölker (beide Seidenraupen Krefeld), Karl-Heinz Sievers (Sieger 1966), Manuela (2. 1976) und Paul Angenvoorth (Sieger 1966), Gerd Quack (Preussen LA-Freundeskreis und 1976 ebenfalls dabei) und Martin Billstein (Preussen LA-Geschäftsführer, von links).

Heute erinnert an die beiden Meisterschaften eine Info-Stele im Stadtwald. Zudem haben wir entlang der Strecke Strom- und Verteilerkästen mit historischen Fotos beklebt. Wenn die Sanierung an der Grotenburg abgeschlossen sind, wird hier eine weitere Stele aufgestellt werden.

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