Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Wo hört der Spaß auf, wo fängt Kommerz an?

Stellt man sich an den Start eines Laufes, so hat man mit großer Sicherheit im Vorfeld ein Startgeld gezahlt. Dass wir Seidenraupen zu einem Lauf eingeladen werden, ist wenig wahrscheinlich, dafür sind wir dann doch leistungsmäßig zu sehr in der grauen Läufermasse. Und natürlich haben wir auch nichts gegen ein Startgeld, mit dem ein solcher Lauf finanziert wird. Machen wir ja auch nicht anders beim Seidenraupen-Cross.

Was uns in letzter Zeit aber auffällt, sind horrende Summen, die für einige Läufe aufgerufen werden. Grundsätzlich finden wir es natürlich gut, dass sich immer mehr Leute fürs Laufen interessieren und begeistern lassen, aber dennoch darf die Frage gestellt sein, wo der Spaß aufhört und der Kommerz anfängt?

Wer bei den hiesigen Volksläufen startet, wird meist mit Startgeldern rund um zehn Euro konfrontiert, was vollkommen legitim ist. Es müssen kommunale Gebühren gezahlt werden, der Rettungsdienst kostet Geld und auch sonst entstehen hier und da Kosten.
Und es gibt mit Sicherheit Läufe, die von der Orga einen ganz anderen Batzen Geld kosten, als der „normale“ Volkslauf durchs heimatliche Dorf, zum Beispiel Marathons oder Hindernisläufe. Braveheart Battle, Spartan Run, Strongman Run – schlag mich tot, wie sie noch alle heißen, bieten zwar ne Menge und kosten dementsprechend, aber schon hier wird in den vergangenen Jahren arg an der Preisschraube gedreht. So staunten wir nicht schlecht über Preise ab 50 Euro für fünf Kilometer wie zB beim Spartan Run. Aktuell auch groß in Mode: Sich auf Kurzdistanzen (meist maximal fünf KM) mit bunter Farbe bewerfen lassen und dafür mehr als 30 Euro berappen. Oder aber mit den Kollegen bei einem der vielen Firmenläufe über vier, fünf oder sechs KM starten und dafür tief in die Tasche greifen.

Dem „normalen“ Läufer, dazu zählen wir uns nun einmal, vergeht bei solchen Preisen schnell die Lust. Wir wollen Asphalt oder Waldboden, wollen uns mit anderen messen, wollen an unsere Grenzen gehen. Wir wollen auf Straßen laufen, die sonst nur von Autos befahren werden, oder matschige Wanderpfade erklimmen. Das ist für uns Action und Fun pur. Und das kostet meist nicht viel Geld. Keine Frage, wir haben nichst gegen ein „Event“, aber wenn mehr von „ganz großem Fun“, „gut gelaunten Menschen“ und der „MEGAOBERAFFENTITTENGEILE Party nach dem Run mit Top-DJ“ geredet wird, als über den Lauf selber, werden wir skeptisch.

Ist es das, wohin es mit dem Laufsport geht? Vielleicht ja, denn fast alle der erwähnten Läufe erfreuen sich großer Beliebtheit und melden schon weit im Voraus „ausverkauft“. Viele scheinen das Event zu lieben, koste es was es wolle. In dem Zusammenhang würden wir natürlich gerne wissen, wer zB das „Color Run“-Star-Paket für knapp 57 Euro kauft? Gibt es wirklich Leute, die das machen? Und wenn ja, warum? So richtig verstehen wir den Kick bei dieser Sache noch nicht, lassen uns aber gerne erleuchten 😉

Wir fragen uns aber auch, wann das Ende der Fahnenstange dabei erreicht wird? Beim Charity Run, in Kempen, beim Ddorfer Brückenlauf oder auch beim Seidenraupen-Cross wird man auch künftig mit nem Zehner dabei sein können, ebenfalls viel Spaß haben und auf gut gelaunte Leute treffen. Was die anderen Event-Läufe angeht, ist ein Ende noch nicht abzusehen. Je mehr Action, Blut, Schweiß und Party versprochen wird oder je härter, tougher oder stylisher man über die Ziellinie läuft, wenn man sich als bunter Spartaner über fünf Kilometer gehetzt hat, desto mehr werden diese Läufe kosten. Noch mehr Hindernis, noch mehr Farbe, noch mehr Spektakel. Aber okay, wenn die Teilnehmer bereit sind, diese Preise zu zahlen > gerne!

Wir hoffen nur, dass dabei keiner der „traditionellen“ Läufe auf der Strecke bleibt. So haben wir uns zum Beispiel verwundert den Kopf gerieben, als wir von einem neuen Firmenlauf am 2. Juli im Stadtwald (http://www.run-fun-kr.de/) gehört haben. Verwundert deswegen, weil es an gleicher Stelle mit dem Charity Run vom Kinderschutzbund am 22. Juni (http://www.jjk.de/charityrun) ja schon einen solchen Lauf gibt.
Was also bietet der neue Lauf mehr? Eigentlich nichts relevantes, hervorgehoben wird aber an einigen Stellen der Website das „Gemeinschaftsgefühl“. Lassen wir so stehen, ist ja auch gut – aber uns ließ das weiter kratzen. Denn: Wo sonst, als beim Krefelder Pfingstlauf am 9. Juni, ebenfalls im Stadtwald, (http://www.krefelder-pfingstlauf.de/home.htm) läuft man gemeinschaftlicher?
Sowohl Charity Run (neun bis zehn Euro), als auch Pfingstlauf (sieben Euro) sind zudem deutlich günstiger als der neue Lauf (aktuell 22 Euro, ab dem 2. Mai 25 Euro) – ein wirklicher Grund dieser Differenz erschließt sich nicht.

Wir geben in diesem Zusammenhang keine Wertung ab, fragen uns natürlich aber schon, warum die Macher des neuen Laufs nicht einfach auf die traditionsreichen (und konzeptionell deckungsgleichen) Läufe zugegangen sind, um diese zu unterstützen, statt ein eigenes Ding zu drehen?
So gibt es nun innerhalb von vier Wochen drei ähnliche Läufe an der gleichen Stelle, was aus unserer Sicht nicht förderlich sein kann.

Eine Antwort

  1. Frank Grubert

    Hallo liebe Seidenraupen,
    diesen Bericht finde ich klasse und er hat alles auf den Punkt getroffen.
    Als Mitorganisator des Charity Run Krefeld sehen wir das genau so.
    Bei 25 € Startgeld und 1000 Teilnehmern wurden stolze 500 € gespendet.

    4. Juli 2014 um 14:34

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