Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Gedanken zur Lauf-Maut

Der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) plant zum 1. Januar 2016, eine Gebühr von einem Euro für jeden Finisher bei Läufen einzutreiben. Heute hat die Rheinische Post in einem Artikel auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Das Thema ist nicht neu und köchelt schon seit einiger Zeit, wird aber nun immer häufiger diskutiert.

Fakt ist: Betroffen sind alle rund 3500 Laufveranstaltungen in Deutschland, neben den großen Rennen wie zum Beispiel den bekannten Stadt-Marathons auch kleine Läufe. Also auch unser schöner Seidenraupen-Cross, der in diesem Jahr am Sonntag, 18. Oktober, stattfindet (Anmeldung hier). Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob man nun Mitglied im DLV ist (sind wir nicht) oder ob man seinen Lauf dort anmeldet (haben wir auch nicht). Wir firmieren damit offiziell als „wilder Lauf“ – huiiii 😉 – auch wenn wir ein eingetragener Verein sind. „Wilde Läufe“ sind aber auch zum Beispiel die aktuell beliebten Color-Runs und auch viele der Matsch- und Hindernisläufe. Hat also nicht mit illegal oder so zu tun 😉

Unter der Führung der German Road Races, einem Zusammenschluss der großen Veranstalter in Deutschland, gibt es nun eine Online-Petition, die sich diesem Vorhaben entgegen stellt. Den Link findet ihr hier. Die Lauf-Maut, wie sie genannt wird, soll laut DLV in die Nachwuchsförderung gehen. Wirklich konkrete Pläne gibt es aber nicht, weswegen vielfach vermutet wird, dass die Euro in irgendeinem Etat verschwinden und nicht wieder auftauchen.

Leider verschweigt der RP-Artikel aber auch einige fundamentale Fakten: Schon jetzt kassiert der DLV eine entsprechende Gebühr über seine Landesverbände (zwischen 30 und 50 Cent pro Finisher) für angemeldete Läufe, die Maut ist also hier nicht neu, sondern wird nur erhöht.
Und: Dass der DLV nun auch die „wilden Läufen“ abkassieren will, ermöglicht ihm ein Urteil des OLG Ddorf aus 2013 (http://openjur.de/u/633726.html), das heißt, die Sache ist keine bloße Lust-und-Laune-Idee, sondern fußt auf einer durchaus gültigen Rechtsprechung. In dem Fall hatte der Veranstalter des Triathlon-Weekends in Köln 2011 sein Event über den Landesverband angemeldet, die Zahlung der Abgabe dann aber nicht geleistet.
Läufe-in-hamburg.de fasst das ganze gut zusammen: „In dem (Berufungs-)Verfahren stellt das OLG grundsätzlich die Zulässigkeit einer Veranstalterabgabe an den Verband fest, u.a. weil das Weiterreichen an die Teilnehmer möglich sei, alle Veranstalter gleichermaßen die Abgabe zahlen müssten, dem Veranstalter also kein Wettbewerbsnachteil entstehe, und der Verband Gegenleistungen (Stellung von Kampfrichtern, Werbung etc.) erbringe, und stellt fest: „Wägt man die dargestellten Interessen gegeneinander ab, ist die Veranstalterabgabe kartellrechtlich bedenkenfrei.““

Ob und wie das ganze funktionieren soll, ist allerdings nicht ganz klar, auf beiden Seiten bringen sich die Juristen in Stellung, die Fronten sind scheinbar verhärtet, wie die Presse schreibt.

Mehrere Fragen bleiben nämlich noch zu klären: Wie kann man Geld von jemanden fordern, der gar keine Leistung in Anspruch nimmt (also keine Eintragung in einen offiziellen Verbands-Terminkalender, keine Kampfrichter, keine Streckenvermessung etc.)?
Das OLG stützt sich in seinem Urteil darauf, dass durch die Zahlung der Verbandsabgabe kein Wettbewerbsnachteil ensteht. Wenn alle zahlen (müssen), kann man das so stehen lassen. Jedoch ist unbestritten, dass es die „Kleinen“ härter trifft als die „Großen“. Ein Berlin Marathon kann den einen Euro zum Beispiel locker in seinen Startgeldern verstecken (also draufrechnen). 40.000 Euro (bei 40.000 Finishern) machen dort auch nicht die Welt aus.
Bei uns wären es bei 300 Finishern nach Adam Riese 300 Euro, was uns allerdings sehr viel härter trifft, da dies einen schon nicht unerheblichen Betrag in unserer knappen Finanzierung darstellt. Der DLV rät übrigens dazu, den Euro einfach aufs Startgeld zu setzen, was aber natürlich gerade uns kleinen Hobby-Veranstaltern nicht leicht fällt, weil wir ja so günstig wie eben möglich sein wollen. Bei uns steht nicht der Kommerz im Vordergrund, sondern der Spaß an der Sache

Wie geht es weiter? In Hamburg und an anderen Orten gab es ein entsprechendes Schreiben des DLV. Logisch, an die Veranstalter der gemeldeten Läufe. Wie will man die „Wilden“ denn auch packen? Und wie will man diese Abgabe für keine Gegenleistung rechtfertigen? Im Grunde wäre es so, wie wenn der DFB vom Bürgerverein XYZ plötzlich einen Beitrag für das Bolzplatz-Turnier haben möchte. Wir haben so im Gefühl, dass das erst einmal nichts wird…

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