LISA UND DER ACONCAGUA: Die High Camps

Teil fünf der Serie „Lisa und der Aconcagua“.

Die High Camps sind die Camps 1 – 3 auf der Ostseite des Aconcaguas. Camp 1 befindet sich auf 5.100m, Camp 2 auf 5.500m und Camp 3 auf knapp 6.000m. Im Vergleich zu den Approaching Camps und dem Base Camp gibt es hier einige Aspekte, die anders sind (abgesehen von den Toiletten).

Durch den Höhenunterschied ist es in den High Camps auch tagsüber kühl. Wenn dann noch Wind dazu kommt, kann man sich eigentlich nur noch in seinem eigenen Zelt (da wiederrum ist es manchmal durch die Sonneneinstrahlung zu warm drin) oder im größeren Dome Zelt aufhalten, wo auch gekocht und Wasser geschmolzen wird. Nachts ist es deutlich kälter und windiger – da hilft nur eins: Mit dem Zeltpartner kuscheln. Lise und ich haben uns ab Camp 2 unabgesprochen nachts Rücken an Rücken in der Zeltmitte getroffen – Game Changer! Was auch hilft: Die Wasserflasche vorm Schlafen nochmal mit heißem Wasser auffüllen und mit in den Schlafsack nehmen.

In den High Camps ist man ständig mit dem geringeren Sauerstoffgehalt konfrontiert: In Ruhe hat man bereits einen hohen Puls, jede zusätzliche Aktivität gleicht einem Workout von der Anstrengung her und dauert deutlich länger als auf niedrigerem Niveau. Einmal zur Toilette gehen dauert ungefähr 20 Minuten. Danach liegt man wieder auf (tagsüber) oder in (nachts) seinem Schlafsack und wartet, dass Atmung und Puls sich beruhigen und das Pochen in Kopf und Ohren aufhört.

Doppelstiefel an- oder ausziehen – eine langwierige, kräftezehrende Aktivität. Manchmal haben wir nach Ankunft im Camp (und Zeltaufbau) erstmal mit Stiefeln an den Füßen 1 – 2 Stunden geschlafen, weil wir keine Kraft hatten, die Schuhe auszuziehen.

Zum Zeltaufbau an sich: Für mich persönlich schon eine Zumutung auf Meereshöhe. Ich kann mir auch nur wenige Szenarios außerhalb der Berge vorstellen, in denen ich jemals in einem Zelt schlafen würde (in der Vergangenheit mal bei Musikfestivals). Ich sehe es als notwendiges Übel an, um in meinen Bergen solche Touren machen zu können. Ein Zelt auf- oder abbauen bei peitschendem Wind, wenn die Stangen und das Außenzelt durch die Kondensation Eis angesetzt haben, OHNE Handschuhe (weil man mit keinerlei Feinmotorik besitzt), ist für mich die Vorstufe zur Hölle. Ein Zelt verankern am Berg, sprich die Schnüre alle entknoten und entwirren, große Steine herantragen und die Schnüre daran festknoten (meist vornübergebeugt) – unfassbar anstrengend.

War ich zu geizig, diesen Job für 55 USD durch einen Porter machen zu lassen ? DEFINITIV! Aber an manchen Tagen habe ich mich beim Zeltaufbau gehasst dafür. Lise und ich haben bis Camp 3 durchgezogen – bis dahin sind alle anderen eingeknickt und haben ihre Zelte aufbauen lassen. Denn Abbau in Camp 3 konnten wir uns sparen…. Dazu später mehr.

Aufstieg in den High Camps.

Bei den Aufstiegen zu den High Camps hat der ein oder andere auch noch spontan einen Porter dazu gebucht, um das persönliche Equipment hochtragen zu lassen. Weil es je höher es hinaus geht, anstrengender wird, und der ein oder andere Sorge hatte, sich hier schon zu verausgaben und es später nicht auf den Gipfel zu schaffen. Ich habe durchgezogen. Es ist ein bisschen zu meiner persönlichen Challenge geworden. Ich dachte: Wenn ich es bis Camp 3 schaffe, meine 10 – 15 kg pro Tag zu tragen, dann sollte der Summit Push ohne Gepäck easy werden.

Bisher erschienen

LISA UND DER ACONCAGUA: HYGIENE AM BERG (4)

LISA UND DER ACONCAGUA: DAS TEAM UND DIE TARANTELN (3)

LISA UND DER ACONCAGUA: DIE VORBEREITUNG UND DIE AUSRÜSTUNG (2)

LISA ERNEUT „ON TOUR“ (1)

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