Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Barcelona – der Rückblick

Geschafft.

Geschafft.

Drei Tage nach dem Lauf in Barcelona macht sich langsam aber sicher eine grundsolide Selbstzufriedenheit breit. Unter drei Stunden zu laufen, die offizielle Zeit beträgt nun 2:58:55 Sekunden (Platz 480, Altersklasse Veteran (M35) 240), war vielleicht das geheime Ziel, aber auch ich hatte es nicht erwartet. Umso besser, dass es geklappt hat – und das auch noch locker. Denn eigentlich hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, das Tempo nicht halten zu können. Dank des Asics-Armbands wusste ich immer, dass ich in der Zeit war. Und auch die recht konstanten Kilometer und Fünf-Kilometer-Zeiten zeigen das: Km0-5: 00:20:56; Km5-10: 20:36, 41:32; Km10-15: 20:55, 1:02:27; Km15-20: 20:47, 1:23:13; Km20-25: 20:39, 1:43:52; Km25-30: 21:00, 2:04:51; Km30-35: 21:48, 2:26:39; Km35-40: 22:23, 2:49:01; 40-Final: 9:54, 2:58:55. Einzig auf den letzten zehn Kilometer habe ich mir etwas Zeit gelassen, wohl wissend, die 3 nicht aus den Augen zu verlieren. Hier knallte auch schon extrem die Sonne, und ich wollte ein wenig mit den Kräften haushalten. Ansonsten hatte ich, bis auf einen Verschlucker ein paar Kilometer vor dem Ziel, keine Probleme.

Für mich sehr erstaunlich war die hohe Anzahl von Läufern, die sich im vorderen Bereich aufhielten. Aber auch hier wurde es mit der Zeit immer dünner, was meine Platzierungen zeigen: 1063, 799, 671, 599, 603, 580, 533, 516, 529, 481.

Die ersten fünf Kilometer kamen recht flott daher. Immer rund hundert, zweihundert Meter vor mir die 3h-Pacemaker, die ich nicht aus dem Blick verlieren wollte. Was aber nicht ganz einfach war, denn noch musste sich das Feld sortieren und vor allem die Läufer ausspucken, die sich irgendwie in den falschen Block geschmuggelt hatten. Noch immer leuchtet es mir nicht ein, was das diesen Leuten bringt? Ständig überholt zu werden? Oder ein Tempo zu laufen, das man kaum mithalten kann? Ich weiß es nicht.
Was aber auch auf den ersten Kilometern deutlich wurde, was das ständige Auf und Ab. Dabei einen konstanten Schnitt zu halten, war nicht ganz einfach.

Immer im Visier: Das Asics-Zeitband.

Immer im Visier: Das Asics-Zeitband.

Kurz nach Kilometer fünf passierten wir das Camp Nou, in dem wir abends noch ein schmuckes 7:0 sehen sollten, aber so schnell das Stadion da war, so schnell war es auch schon wieder weg. Zuschauer gab es leider nur vereinzelt an einigen Hotspots, ansonsten herrschte an den Straßen gähnende Leere. Wenn dann aber Fans auf den Bürgersteigen waren, wurde es laut: Venga, vamos chicos. Cool. Und mittendrin auch Eva mit ihrer Kuhglocke, die ich schon 100 Meter im Voraus höre. Danke an dieser Stelle für den Support.
Über die Gran Via ging es dann durch Reval, wo wir in einem kleinen Hotel untergebracht waren, und wenig später eine echt fiese Steigung hoch zum Pedrera, gestaltet von Gaudi. Danach ging es an der Sagrada Familia vorbei, die ich aber im Tempo-Rausch kaum wahrgenommen habe. Leider riss mir schon hier ein Teil meiner Startnummer ab und ich hoffe inständig, dass zumindest der zweite Teil halten würde. Über die Meridiana ging es nun weit raus – übrigens einer von zwei Streckenabschnitten mit Gegenverkehr, was ich ganz gerne mag. Denn so sieht man als Läufer auch mal die deutlich schnelleren Jungs, die im Bereich 2.30h laufen. Puh, fitte Cracks, die wohl auf Lebenszeiten nicht erreicht werden können. Kurioserweise war rund um die 2.45h-Pacer ein Knubbel. Vorher wenig, danach auch wenig, aber drum herum, dicht gedrängt, bestimmt 100 Läufer.

Zieleinlauf...

Zieleinlauf…

Die Halbmarathon-Marke erreichte ich bei 1:27h, also voll im Soll, sogar noch mit Puffer. Die 3h-Pacer hatte ich mittlerweile im Nacken und ich sortierte mich bei einer spanischen Laufgruppe ein, die scheinbar zum Ziel hatten, gemeinsam ins Ziel zu kommen. Mal machte ich für sie das Tempo, mal hängte ich mich dran, was bei dem zum Teil frischen Gegenwind nicht das schlechteste war.
Und so purzelten die Kilometer weiter, ehe es über eine eigentümliche Brücke an einer Autobahn vorbei ging. Kein schönes Stück, aber immerhin jetzt deutlich flacher, als noch die Kilometer zu vor. Wenig später wartete die zweite Wendepunktstrecke auf mich. Hier trennte sich so langsam die Spreu vom Weizen. Vor allem Läufer aus dem vorderen Bereich brachen immer wieder ab, darunter auch echt einige sehr flotte Mädels. Das sollte mir nicht passieren. Zwar ließ ich pro Kilometer nun hier und da einige Sekunden liegen, aber ich wusste, dass ich noch sehr viel Puffer hatte. Den imposanten Torre Agbar vor und dann hinter mir, passierte ich die 30k-Marke und hatte damit die für mich vom Kopf her oft langweiligste Phase hinter mir. Jetzt auf das Finish konzentrieren und nur noch das Rennen nach Hause laufen, so mein Gedanke.

Die DREI gepackt.

Die DREI gepackt.

nter einer Dusche und über einen heftigen Anstieg folgte nun die Strandpassage. Vielleicht ganz schön, aber Schatten war jetzt Mangelware und die Temperaturen stiegen deutlich an. Weiter, weiter…immer lauter wurden jetzt übrigens die Zuschauer, die deutlich merkten, dass die Läufer sie jetzt brauchten. Eine super Stimmung herrschte unter dem Arc de Triomf und wenig später am Placa Catalunya und in der Fußgängerzone. Eigentlich hätte auch hier schon das Ziel sein können. Doch noch standen rund 5k aus, vorbei an der Kathedrale, kleiner Gruß an Evas Opa Gottfried, der einen Tag vor dem Lauf die Reise in den Himmel angetreten hatte, und weiter. Kleine Schrecksekunde, als ich mich dann bei einem kräftigen Zug aus dem Laufrucksack verschluckte und das Gesöff samt dem Fit Rabbit-Rotebeetesaft ausspuckte. Sah dramatisch aus, war es aber nicht. Hier zogen dann die 3h-Pacemaker an mir vorbei, aber die wollte ich jetzt nicht mehr verlieren. Beißen! Ein Kilometer noch, Blick auf die Uhr – es wird reichen. Glücksgefühle. Jubel. Handy raus, Fotos! Was für eine Stimmung hier am Fuße des Montjiuc. Da muss ich einfach mitschreien: Yeeeeeah!

Erfrischendes Bad nach dem Ziel.

Erfrischendes Bad nach dem Ziel.

Übrigens genauso schnell geschrieben, wie gelaufen. Hoffe, ihr habt trotzdem Freude dran…

Eine Antwort

  1. Wow unter 3 Stunden! Hammmmermässig!! Gratuliere 🙂 Und super geschrieben 🙂 Ich hoffe mir geht es in 16 Tagen genau so gut, auch wenn eiiiniges langsamer 😉 hehehe

    20. März 2014 um 09:47

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