Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Zwei Seidenraupen in Oslo

Martin Myrold und Manuel Kölker haben beim Ecotrail Oslo erfolgreich die 80 Kilometer-Strecke (81,6 KM) absolviert. Beide kamen ins Ziel, wenn auch mit gemischten Gefühlen. Myrold war in seiner Heimatstadt nach 9:05 h im Ziel (45. von 228 Männern / M23-34: 17.) und hocherfreut über diese Zeit, Kölker nach 10:54 h (139. / M40: 22.) und am Boden. „Es war sehr cool, wieder zu Hause zu laufen“, so ein zufriedener Martin.

Martin (links) und Manu vor dem Start.

Der Lauf begann bei besten Bedingungen und für beide locker. Malerisch schlängelte sich die Route rund zehn Kilometer am Akerselva aus der Stadt heraus, dem Prinzip des Ecotrails folgend: Raus aus der Urbanität, rein in die Natur. Der imposante See Maridalsvannet empfing die Läufer wenig später mit klarem Blau – eine Augenweide, wie auch der Weg um ihn herum: Ein angenehmes Auf und Ab durch traumhafte Natur.

Der See Maridalsvannet.

Bis hierhin waren die beiden Seidenraupen, die noch mit drei anderen Bekannten von Martin liefen, auch noch frohen Mutes, frisch und agil.

Noch sind alle zusammen. Foto: Sportograf

Leider verlor sich ihre Spur aber schon kurze Zeit später. Manu füllte an der ersten Station eine Flasche, Martin joggte locker im Tross weiter, doch die rund fünf/sechs Minuten, die ab hier zwischen ihnen lagen, konnten nicht mehr geschlossen werden.

Kurz danach verlor sich die Gruppe.

„Ich habe in der folgenden Steigung Gas gegeben und sie auch noch ein, zweimal einige hundert Meter weiter gesehen, aber irgendwann war da nichts mehr zusehen“, so Manu, der sich dummerweise beim folgenden Downhill auch noch in einem Bachlauf langlegte. „Nix wildes, aber die Prellung an der Rippe war schon nicht angenehm.“ Dennoch: Auch das kostete ein, zwei Minuten – die Gruppe war endgültig gesprengt.

Auffie gehts…

Von da an war es also ein Rennen für Manu alleine, Martin mit den drei anderen. Und endlich war es auch ein richtiger Trail. Vorbei die Straßen und Waldautobahnen, knackige Anstiege und Singletrails en masse. Nach KM 17 war der erste harte Gipfel erreicht, und wäre man nicht in einem Rennen gewesen, so hätte ein Bad im malerischen Fagervann gepasst, denn die Waden qualmten schon enorm.

Martin und seine Begleiter an der Schanze… Foto: Sportograf

Am Holmenkollen (KM34) folgte dann nach vielen Up and Downs die nächste Verpflegungsstation und natürlich der Blick auf diese wahnsinnig imposante Skisprungschanze. Acht Minuten lagen zwischen Martin und Manu.

…und Manu auch.

Wenig später, bei Hyttikulpen, dann der erste Kontakt zu Martins Vater, der mit dem Rad unterwegs war und bei Bedarf mit Essen oder trockenen Shirts hätte aushelfen können.

Beste Sicht auf Oslo. Foto: Sportograf

An Essen war bei Manu aber mal wieder nicht zu denken, „bei längeren Etappen fällt es mir schwer, irgendwas festes zu mir zu nehmen. So musste ich mit meinen Gels auskommen.“ Auch den Underberg, den einige Kids bei Nordmarkskappelet anboten, lehnte er ab. Und das muss schon etwas heißen 😉 Doch noch waren die beiden recht nah beieinander, was die Durchgangszeit bei KM50 an der Station Sorkedalen bewieß: Martin 5:30 h, Manu 5:49. „Nur“ 19 Minuten.

Kurz nach der 50KM-Station war die Kette ab.

Dann aber war beim Oldie die Kette ab. „Meine Muskeln wollten nicht mehr so, wie ich wollte. Machte ich zu große Schritte, krampften meine Beine – egal wo. In den Schienbeinen und in den Oberschenkeln ging bei zu großer Belastung nichts mehr.“ Das dumme: Noch waren es 30 Kilometer, also wahrlich kein Katzensprung. Was folgte, waren auch im Berg indiskutable KM-Zeiten, die aber auch nicht viel besser wurden, als der Canyon vom Lysakerelva nach der Station bei Fossum (60KM; Martin: 6:55, Manu: 7:27) erreicht wurde. Noch mal ein knackiges Stück, diese verteufelte Schlucht am rauschenden Wasser.

Martin bei KM 60.

Hier folgte ein zweiter Sturz bei Manu und auf dem folgenden, leider sehr trostlosen Stück eine Tempoverschäfung bei Martin, der danach bis ins Ziel noch richtig Gas geben konnte. „Der Ernährungsplan hat gut funktioniert. Das Gefühl, auf den letzten 10 km noch Energie zu haben, um umzuschalten und noch einmal auf die Tube zu drücken, war richtig gut! Ich bin sehr zufrieden mit meiner Zeit, denn immerhin war das Ziel, bei circa neun Stunden ins Ziel zu kommen. Allerdings merke ich die Konsequenzen, in einer flachen Gegend zu wohnen. Es wäre vielleicht hilfreich, vorher mehr Höhenmeter zu laufen“, so Martin nach seinem ersten Rennen über 50 KM.

„Für mich ging es ab einem bestimmten Punkt nur noch darum, ins Ziel zu kommen. Schade, denn bis zu einem gewissen Punkt im Rennen lief es eigentlich ganz gut. Auf der anderen Seite habe ich mir dann aber bewusst Zeit genommen. Laut meiner Uhr habe ich 35 Minuten an den Stationen verdaddelt, ich habe aber auch zwischendurch mal in einem Fluss gebadet, um meine Muskeln zu kühlen. Unter den Umständen eigentlich dann doch ganz okay“, bilanzierte Manu nach dem Ritt über Oslos Straßen.

Hier gehts zum Relive-Video.

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