Geopfad Hülser Berg um eine Attraktion reicher

Der Geopfad Hülser Berg ist um eine Attraktion reicher. Der fast in Vergessenheit geratene Gesteinsgarten, direkt am Spielplatz bzw. an der Hülser Bergschänke gelegen, wurde restauriert und erzählt jetzt noch deutlicher Geschichten aus der Zeit vor unserer Zeit. Nahezu alle Gesteinsblöcke stammen aus der ehemaligen Kiesgrube der Firma Carstanjen im Norden des Bergs – dort, wo heute das Umweltzentrum beheimatet ist.

Der restaurierte Gesteinsgarten kann sich sehen lassen.

Dem Heimatforscher Albert Steeger (1895-1958) ist es zu verdanken, dass der Gesteinsgarten überhaupt existiert. Er hatte ihn in den 1920er Jahren anlegen lassen, aber wie so vieles verlotterte er in den vergangenen Jahren bzw. Jahrzehnten, weil sich keiner mehr verantwortlich fühlte. Erst als der Geopark Ruhrgebiet 2023 den Geopfad Hülser Berg anlegen ließ, beschloss man, den Gesteinsgarten zu restaurieren. „Ich wusste gar nicht, dass es hier einen Gesteinsgarten gegeben hat“, sagte Bezirksvorsteher Thorsten Hansen und machte deutlich, dass man ihn zuletzt auch gut übersehen konnte. Dichtes Gras hatte die Gesteine mehr oder weniger verschluckt, und wie durch Geisterhand verschwanden auch immer mal wieder welche.

Der restaurierte Gesteinsgarten am Hülser Berg. Der vierte Stein von links in der oberen Reihe ist mit einem Alter von rund einer Milliarde Jahre der älteste von allen. © GeoPark Ruhrgebiet

Die Steine sind während der Eiszeit auf zwei verschiedene Arten bis nach Hüls gelangt. Zum einen handelt es sich um Geschiebe aus Skandinavien, die vom nordischen Inlandeis an den Niederrhein gebracht wurden. Zum anderen sind es Driftblöcke aus dem Einzugsgebiet des Rheins. Man nimmt an, dass sie schon vor dem Gletschervorstoß mit Eisschollen stromabwärts verfrachtet wurden. Zusammen mit Sand, Kies und Ton sind die Gesteinsblöcke schließlich vom eiszeitlichen Gletscher zum Hülser Berg aufgestaucht worden. „Es sind Zeugnisse aus verschiedenen Erdzeitaltern“, so Stefan Kuczera (Vorsitzender des GeoParks Ruhrgebiet).

Die Gesteinsblöcke wurden nun gereinigt, gesichert und auf einem Sandbett in einer Bepflanzung aus Zwergsträuchern und Heidegewächsen präsentiert. Die Bepflanzung erinnert zum einen an die Tundrenvegetation der Eiszeit, zum anderen an die jüngere Vergangenheit der Hülser Bergs, der bis zu seiner Aufforstung, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, eine Heidelandschaft war, die gemeinschaftlich als Viehweide genutzt wurde. „Von den skandinavischen Geschieben war zum Zeitpunkt der Restaurierung nur ein einziger Granitblock erhalten geblieben – und der ist immerhin rund eine Milliarde Jahre alt. Die Sammlung wurde deshalb vom GeoPark Ruhrgebiet durch drei weitere skandinavische Geschiebe aus einer anderen Sandgrube ergänzt“, erzählt Katrin Schüppel, Mitarbeiterin des Geoparks. Zu den ausgestellten Driftblöcken gehören vulkanische Gesteine sowie Sandsteine und Quarzite.

Über Art und Herkunft der Gesteine informieren zwei Infotafeln. Der Kommunalbetrieb Krefeld hat sich bereit erklärt, die langfristige Pflege zu übernehmen. Mehr zum Geopfad gibt es hier.

Stefan Kuczera (Vorsitzender des GeoParks Ruhrgebiet), Sabine Lauxen (Dezernentin für Umwelt und Verbraucherschutz, Soziales, Senioren, Wohnen und Gesundheit der Stadt Krefeld), Thorsten Hansen (Bezirksvorsteher von Hüls) und Prof. Dr. Jürgen Wilhelm (Stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, von links) bei der Eröffnung.

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