Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Leckomio: Röntgenlauf hatte es in sich

Mit dem gestrigen Röntgenlauf hatte ich mir bewusst einen Lauf herausgesucht, der die 42,195 Kilometer überschreitet. Schließlich wollte ich mal feststellen, ob das Gefühl, noch weiter laufen zu können, das ich nach einigen Marathons schon hatte, trügerisch ist. Vorne weg: ja, ich konnte. Aber es war auch ein hartes Stück Arbeit, mich die 63,3 Kilometer alleine durchs Bergische Land zu kämpfen. Am Ende kam ich nach 6:24:48 Sekunden ins Ziel. Das bedeutet Platz 89 (Neunter in der M30) von 314 Ultra-Finishern, ganz okay für meinen ersten Ultra.

Alleine übrigens deswegen, weil der gute Jan, der mich erst mit dem Röntgenlauf-Virus infizierte, einen Rückzieher machte, und mich alleine durch Wind und Wetter kämpfen ließ. Danke noch einmal dafür. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Runde um Remscheid deutlich spielender gemeistert hätte, wenn da jemand mitgelaufen wäre…aber was solls. So ging ich also alleine an den Start – und dank der neuen Frisur, die mir Coiffeur Morla (übrigens in der Bildershow ebenfalls vertreten, weil er am Sonntag in der Döbriter Heide ebenfalls läuferisch unterwegs war) noch in der Nacht verpasst hatte, luftiger als je zuvor.

Kurz nach dem Start ging es schon wellig rauf und runter und durch die echt nette Altstadt von Lennep. Ob wir nun am Geburtshaus von W.C. Röntgen vorbeigekommen sind, kann ich nicht sagen, denn nach ein paar KM war das Thema „Stadt“ schon durch und es ging durch dichte Wälder und weite Felder. Bei entsprechendem Wetter bestimmt echt schön, aber bei trüben Aussichten einfach nur öde. Noch am Start hatte der Reporter davon gesprochen, dass es erst ab 14/15 Uhr mit dem Regen beginnt, ein erster Schauer haute dann aber schon nach einer guten halben Stunde herunter, als wir eines der vielen gottverlassenen Dörfer durchquert hatten. Was man den Menschen dort allerdings zubilligen muss: Stimmung machen können sie. Egal, durch welches Zwei-Mann-Dorf man lief, die Hood gab alles und war laut. Und es war, trotz des anspruchvollen Terrains, echt fix. Links und rechts flogen die Halbmarathon-Läufer nur so an einem vorbei, was es echt schwierig machte, beim eigenen Tempo zu bleiben. Allerdings muss auch gesagt sein, dass das erste Drittel des Laufs das einfachste, weil fast nur abschüssig, war. Und so war ich nach 1:44 schon mit den ersten 21 KM durch.

Da hatte es der zweite Teil schon deutlich mehr in sich. Plötzlich gab es Passagen, die man gehen musste, weil sie so steil waren, fast alpin also. Ein Läufer, mit dem ich ein paar Minuten zusammenlief, berichtete mir, dass selbst die Spitze im zweiten Teil zehn Minuten länger benötigt als für den ersten. Dass es bei mir schließlich sogar 23 wurden, mag an meiner steigenden Unlust gelegen haben. Das Teilnehmerfeld hatte sich beträchtlich verringert und auch jetzt wurde deutlich, wer „nur“ die 42,195km lief und wer nicht. So richtig konnte man sich also nicht an den anderen Läufern orientieren. Hinzu kam, dass ich wieder enorme Probleme hatte, die Gels aufzunehmen. Nur der FitRabbit ging einfach runter, das Powerbar habe ich einfach nicht runterbekommen. Da ich zudem null Apetitt hatte, waren auch die Riegel keine Erquickung. Noch sollte mich das nicht stören, aber irgendwann braucht man das Zeug ja doch irgendwie.

Das Überschreiten der Marathonziellinie war dann der nächste mentale Knax. Jetzt nochmal ein Halbmarathon? Oh no. Aber wie gesagt, DNF is no option, also weitermachen. Auch wenn mittlerweile die Füße brannten, der Bauch schmerzte und auch der Rücken HALLO sagte. Dazu wurde das Wetter immer bescheidener. Es regnete in Strömen, ein Glück, dass ich meine Jacke im Rucksack dabei hatte, denn sonst wäre ich jetzt halb erfroren. Wahrscheinlich trug zu meiner Stimmung bei, dass es jetzt noch ätzender wurde, was die äußerlichen Begegebenheiten anging. Also irgendwie Kopf ausschalten, weiter, weiter, weiter…

Und dann irgendwann hatte ich mich wieder gefangen, denn plötzlich, so ab KM 50, war das Ziel wieder (oder erstmals) in Sicht. Die Beine wollten wieder einigermaßen, und an den Verpflegungsstellen hatte ich sogar Zeit für ein paar nette Worte. Hier gab es neben lecker Süppchen dann auch mal nen Kölsch > super! Und dann war da wirklich das Ziel hörbar, jetzt wusste ich, dass es nur noch einmal nach oben ging. Plötzlich erklang da eine Glocke, die ich doch irgendwie kannte?! Huch!!! Eva war spontan mit meinen Eltern gekommen, und feuerte mich auf dem letzten Kilometer an. Großes Tennis, danke schön!

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