Das Warten hat ein Ende: „Running against the wind“ kommt in die deutschen Kinos

Es war eigentlich zum Verzweifeln: „Running against the wind“ – DER Film des Krefelder Regisseurs Jan Weyl startete 2019 durch. Zunächst wurde es ein Hit in Äthiopien, wo der Film auch gedreht wurde und spielt, dann ging es sogar weiter in die USA, besser gesagt nach Los Angeles zur Oscar-Verleihung. Denn aufgrund des riesigen Erfolges war RATW bei der 92. Oscar-Verleihung Äthiopiens Beitrag im Rennen um einen Oscar in der Kategorie „Bester Internationaler Film“. Auch wenn ein Einzug ins „Finale“ nicht gelang, ein riesiger Erfolg von Jan. Nur: Einen deutschen Verleih suchte der Regisseur vergeblich – bis jetzt!

Denn nun steht fest: „Running against the wind“ kommt in die deutschen Kinos. In wenigen Tagen schon feiert der Film in München Deutschland-Premiere am 12. Juli – und noch eine Woche später, am Mittwoch, 19. Juni, 19.50 Uhr, ist er auch im Krefelder Cinemaxx zu sehen. Und zwar mit Jan, der einst auf der Kaiserstraße aufwuchs. „Krefeld ist meine geliebte Heimatstadt und ich freue mich schon darauf, den Film im Cinemaxx zu zeigen – übrigens das erste Kino, welches ich jemals besuchte und welches meine Leidenschaft für das Medium Film begründete“, sprudelt es aus ihm heraus. Im Anschluss an den berührenden Film wird er in einem Talk Seidenraupen-Präsi Manuel Kölker und dem Publikum Rede und Antwort stehen, vom Making of berichten und aus seiner Lebensgeschichte erzählen. Weitere feststehende Termine sind Samstag, 22. Juli (17.20 Uhr, ebenfalls mit Jan), Sonntag, 23. Juli (Matinée, ca. 11.30 Uhr) und Montag, 24. Juli, 19.50 Uhr. Zudem wird es im August noch Vorführungen im Oepn Air-Kino im Schlachtgarten geben.

Der Film ist eng mit dem Seidenraupen Cross verbunden: Denn mit Geldern aus dem Erlös der ersten SRC-Auflage im Jahre 2013 unterstützten wir „Emra und Dabo“, wie der Film zunächst heißen sollte. Weyl lief aus diesem Grund auch beim SRC 2013 mit und kam nach 1:37:46 h als 73. (64. Mann) ins Ziel. „Ich bin so unendlich glücklich, dass mein Film nun endlich in Deutschland zu sehen sein wird“, so Jan. „Danke, liebe Seidenraupen, dass ihr schon damals an mich und dieses Projekt geglaubt habt.“

Jan Weyl beim SRC 2013.

Der Molkte-Abiturient hat über zehn Jahre an dem Film, der als „Liebesbrief an Äthiopien“ bezeichnet wird, gearbeitet und ist für Drehbuch, Regie und Produktion verantwortlich. Dass es wahrlich Liebe ist, die Weyl mit dem afrikanischen Land verbindet, zeigt seine Vita: Schon zu Schulzeiten engagierte er sich für die Stiftung „Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe“, von der er als 18-Jähriger 2005 nach Äthiopien eingeladen wurde. In Ganda Abdi („Dorf der Hoffnung“) konnte er mit den vielen von ihm gesammelten Geldern im Laufe der Jahre eine Schule bauen. Weyl war gefesselt von dem Land – und blieb. Mal länger, mal kürzer, lernte die Sprache Amharisch und Land und Leute kennen – und schließlich reifte die Idee von einem Spielfilm. Der heute 36-Jährige schrieb ein Drehbuch, sammelte über Crowd-Funding Gelder, castete rund 4000 Menschen und drehte die ersten Szenen. Zwischendurch widmete er sich auch anderen Projekten, unter anderem mit Max Herre und Clueso, mit denen er in Äthiopien ein verdammt geiles Video aufnahm – Thema auch hier: Laufen!

Nach der endgültigen Finanzierung des Films, zahlreichen Weiter-Entwicklungen und dem Entschluss, nahezu 40 bereits fertiggestellte Minuten komplett neu zu drehen, wurde Weyls Mammut-Projekt 2019 fertig. Und nur wenig später als erster äthiopischer Film überhaupt mit Unterstützung des äthiopischen Ministeriums für Kultur und Tourismus ins Oscar-Rennen geschickt – ein Ritterschlag. Alle bisherige Einreichungen waren rein privater Natur. Gänsehaut!

Das verspricht auch der Film, der einst den Titel der beiden Hauptdarsteller „Emra und Dabo“ trug, die nun aber Solomon und Abdi heißen. Die Ursprungs-Geschichte ist jedoch geblieben: Die beiden Jungen wachsen gemeinsam auf, ehe sich ihre Wege trennen. Der eine geht in die Hauptstadt Addis Abeda mit dem Berufswunsch, Fotograf zu werden. Der andere wiederum wird zum Läufer. Tatsächlich schafft er zehn Jahre später den Sprung ins Profi-Läufer-Team von Haile Gebrselassie (der sich übrigens selber spielt). Auch für ihn geht es damit nach Addis, wo er sich auf die Suche nach seinem einstigen Freund macht. Eine Suche, bei der die Zuschauer in eine Welt eintauchen, die von der Frage nach wahrer Freundschaft, innerer Stärke und der Bedeutung des eigenen Schicksals bestimmt wird. „Die Leute in Äthiopien lieben den Film. Ich habe in den vergangenen Jahren viel auf mich genommen, um ihn zu drehen, und es war eine unglaubliche Ehre für mich, ins Rennen um eine Oscar-Nominierung geschickt worden zu sein“, sagte Weyl damals nach der Oscar-Verleihung. Der Bockumer lebt mittlerweile in Los Angeles, da er hier gerade seinen neuen Film dreht. Mehr Infos zu ihm gibts auf https://www.janweyl.com/

1 Kommentar

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen