
Tanja Gebhard und Manuel Kölker haben im September Großes vor: Sie werden beim legendären Transalpine Run (TAR) an den Start gehen. Der Startschuss fällt am Samstag, 7. September, in Garmisch-Partenkirchen, das große Finale ist dem Reschensee am Freitag, 13. September, vorbehalten. Beide nutzten die vergangenen Tage zu „Trainingslagern“, beide haben aber auch noch einen längeren Wettkampf vor sich. Tanja wird am Wochenende 10. und 11. August die 60 und 35 Kilometer-Strecken des Trail de Fantomes laufen, Manuel am 10. August den „Marathon pour tous“ im Rahmen der Olympischen Spiele in Paris. Während Tanja schon die komplette Vorbereitung auf „Trail“ setzt, mixt Manu aktuell noch Marathon- und TAR-Training.

„Grundsätzlich haben wir, das erkennt man recht schnell, unterschiedliche Ansätze“, schildert Manu. Tanja ist quasi schon seit Februar „im Game“: Brocken Challenge, Mountainman, Madeira Island Ultra Trail oder Tortour de Ruhr, um nur einige der Events zu nennen, auf denen sie in diesem Jahr schon Spuren hinterlassen hat. Macht in Summe für dieses Jahr bereits 2846 Kilometer, knapp 51.000 Höhenmeter in 341 Stunden. Manu ließ es dagegen bewusst ruhig angehen und steigerte das Training erst ab April/Mai. Daher stehen bei ihm lediglich 1352 Kilometer und rund 11.000 Höhenmeter auf dem Tacho, wofür er 123 Stunden investierte. „Ich habe es ruhig angehen lassen, war lange gemächlich unterwegs. Seit Mitte April habe ich angezogen, zunächst mit Blick Richtung Paris.“

Frankreich – das war auch bei Tanja angesagt. „Mein Sommerurlaub in Südfrankreich stand dieses Jahr ganz unter dem Zeichen: TAR-Vorbereitung! Auf dem Programm standen das Laufen in der Wärme und die Aktivierung des Bio-Rhythmuses in den frühen Morgenstunden. Beides konnte ich in Krefeld im Vorfeld nicht trainieren, musste aber für den TAR unbedingt mal getestet werden, da es im September auch noch recht heiß sein kann und die Rennen zum Teil auch schon zu einer sehr unchristlichen Zeit starten.“ So klingelte der Wecker nicht selten zwisch 4.30 und 7 Uhr, um der Hitze zu entgehen und den Tag für die Familie frei zu haben. Tanjas lange Läufe gingen ins nahegelegene Maurengebirge.

„Hätte ich allerdings gewusst, dass es da ziemlich große Schlangen und sonstige wilde Tiere gibt, wäre ich sicherlich nicht so tief ins Off gelaufen. Schon tricky so alleine als Frau in “the middle of nowhere”, fernab von Wegen und zum Teil auch ohne Handyempfang. Dann und wann gab es mal ein Dead End, ein ziemlich unfreundlicher Hund hatte mich zum stoppen gezwungen und einmal wurden die Wasserreserven knapp. Aber es ist zum Glück alles gut gegangen“, berichtet Tanja, die sich auch mit dreisstündigen Intervalleinheiten am Hausberg oder lockeren Läufen an der Küste zu beschäftigen wusste.

„Was echt herausfordernd war, war das Krafttraining ohne Fitnessstudio. Also ersetzte der Terrassenstuhl die Plyobox und der Acht-Liter-Wasserkanister die Kettlebell. Das heimische Treppenhaus wurde zum Stairmaster umfunktioniert und das Badetuch zum Blance Board. Geht nicht, gibts nicht! Allerdings sollte man dann seine Trainingseinheit unbeobachtet machen, da einen sonst die normalen Leute für ziemlich bescheuert halten.“ Hinzu kamen Faszientraining und Mobility-Einheiten. Am Ende standen pro Woche in der Regel bis zu fünf Laufeinheiten plus Kraft und Mobility auf dem Programm. Ob das rechtfertigt, dass ich im Urlaub einen separaten Koffer mit fünf Paar
Laufschuhen, sonstigen Equipment und Sportklamotten dabei hatte? Da müsst Ihr meine Familie fragen. Fakt ist, die war auf jeden Fall sehr tolerant und hat mir viel Freiräume eingeräumt! Danke nochmal dafür.“

Manus Training: Laufen sowie hin und wieder radeln. Und es war sogar eine Schwimmeinheit dabei. „Ich habe immer ein wenig den Blick auf meine Werte, die mich zwischenzeitlich auf eine VO2Max von 60 geführt hatten. Richtig Gold wert war nun aber der einwöchige Aufenthalt bei den Schwiegereltern in der unterfränkischen Provinz. Die Ausläufer der Röhn machen die Umgebung dort hügelig, wenn auch nicht bergig. Bei sieben Einheiten kamen immerhin 143 Kilometer und 3700 Höhenmeter zusammen.“ Zahleiche Touren um die 20 Kilometer standen auf dem Plan, absolviert wurden aber auch zwei Longruns mit 30 bzw. 33 Kilometern Länge.

Die „Königs-Etappe“ war dabei der mittlerweile schon routinemäßige Run auf den Kreuzberg. 33 Kilometer und 1000 Höhenmeter, denen er am Folgetag bei den Wandertagen auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken noch einmal 22 Kilometer folgen ließ. Tempo-Einheiten wurden weitesgehend zurückgestellt, nur eine schnellere Einheit über 15 Kilometer wurde absolviert.

Unklar ist noch immer, wie sich das Abenteuer „Paris“ gestaltet, da der 45-Jährige über keinen Startplatz für den Lauf auf der offiziellen Marathon-Strecke der Olympischen Spiele verfügt. „Die rund 20.000 Plätze gingen an Interessierte, die in einer App Punkte für absolvierte Challenges sammeln konnten. Hier und da gab es Gewinnspiele. Ich hatte leider kein Glück, am Ende stellten aber auch viele Nutzer der App fest, dass es nahezu egal war, wie viele Punkte man gesammelt hatte. Ich plane nun, mich in den Startblock zu mogeln oder eben nach rund 500 Metern den Lauf aufzunehmen.“ Herausfordernd wird aber nicht nur die Uhrzeit, schließlich wird erst um 21 Uhr gestartet. Auch die Strecke, die die Läuer von Paris nach Versailles und zurück führt, hat es in sich.
436 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Ein langgezogener Anstieg ab KM15 führt die Läufer zunächst zum höchsten Punkt auf 183 Meter, ehe die Strecke bis KM28 leicht abfällt. Dann aber müssen die Teilnehmer kämpfen und sich innerhalb eines Kilometers mit einer Steigung von maximal 13,5 Prozent auseinandersetzen und von 94 auf 175 Meter hochkämpfen. Nicht ganz so rapide, wie es bergauf geht, geht es nun drei Kilometer bergab auf das Anfangsniveau. Bei circa KM32 ist der Höllenritt beendet, die Oberschenkel dürften glühen und die restlichen zehn Kilometer zu einer Tortur werden lassen.

„Ich werde mir morgens den Lauf der männlichen Profis und diese Stelle schon einmal anschauen, um nicht böse überrascht zu werden“, so Manu. Am nächsten Tag laufen schließlich die Frauen und bilden damit den glorreichen Abschluss der Spiele. Ausklang für Manu an diesem Tag: Das Deutsche Haus im Rugby-Stadion, zusammen mit dem ehemaligen Preussen3-Kopfball-Ungeheuer Air Behler.










































