Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Selbstversuch: Vegan meets Running

Mit diesem Weihnachtsmännchen aus Vollmilch-Schokolade endet meine vegane Phase.

Mit diesem Weihnachtsmännchen aus Vollmilch-Schokolade endet meine vegane Phase.

Wie einige vielleicht mitbekommen haben, haben Eva und ich seit unserer Rückkehr aus dem Urlaub (11.11.) einen veganen Lebensstil gepflegt – heißt, keine tierischen Produkte zu uns genommen. Nicht aus Überzeugung, weil es allen Tieren so mies geht und die Nahrungsmittelindustrie abgrundtief schlecht ist, sondern um es einfach mal auszuprobieren. Angesteckt wurden wir von unserem Reiseveranstalter in Dubai, der Sandy Dreams GmbH, die uns zehn Tage im Wüstenstaat gehostet hat. Marina und Domi hatten gerade eine einmonatige Challenge hinter sich, bei der sie sich an einem der Bücher von Attila Hildmann orientiert haben. Challenge heißt in dem Sinne, noch ein wenig mehr auf alles zu verzichten, als „nur“ vegan – wenn ich das richtig mitbekommen habe, auch auf so Späße wie Bier oder Zucker.

Wobei wir beim ersten Streitpunkt sind: Zucker. Ist Zucker jetzt vegan oder nicht? Es ist nur ein von vielen Fragen, die man sich stellt, wenn man plötzlich beginnt, auf vegan umzustellen. Zucker ist jetzt ja bekanntlich kein tierisches Produkt, kann aber durch Tierkohle gefiltert werden, was es dann nicht mehr zu einem veganen Lebensmittel macht. Ihr merkt: KANN. Muss es dass aber auch?
Das größte Problem, was man beim veganen Ernähren hat: Man schaut regelmäßig nach, was vegan ist, was nicht. Man steht im Supermarkt und nervt die Angestellte oder lässt beim Bäcker die Gehilfin in der Zentrale anrufen, ob die Brötchen nun vegan sind oder nicht. Fast überall erntet man skeptische, fragende Blicke. Vor allem, wenn man nicht so aussieht, wie sich die Allgemeinheit einen Veganer vorstellt: Dreadlocks, Nasenring, Jutesack als Kleidung und so.
Irgendwann hat man dann aber ungefähr den Dreh raus. Man tappt zielstrebig ins Gemüse- und Ökoregal, weiß, wo Hirse und Amaranth stehen und greift zu. An der Kasse wundert man sich, warum man plötzlich 65 Euro zahlt, obwohl man doch gar nicht so viel eingekauft hat. Es ist schon nach kurzer Zeit festzustellen: Vegan leben heißt auch teuer leben.
„Ja, aber“ werden jetzt die Veganer einwerfen, die keine Kritik zulassen – nix aber. Wer nicht 50 Stunden in der Woche Zeit hat, Lebensmittel zu sortieren und diese dann einzukaufen, oder sich einen gewissen Lebensstil trotz veganer Ernährung erhalten möchte, kommt nicht drum herum, massig Kohle an der Kasse zu lassen. Ohne Frage – die Lebensmittel sind mit großer Wahrscheinlichkeit alle in bester Qualität, aus Öko-Anbau und auch ohne Geschmacksverstärker, aber sie kosten eben mehr als ein „normales“ Produkt. Als kleines Beispiel sei ein Liter Milch angeführt. Dieser kostet 55 Cent (oder so), der Liter Soja-Milch (oder artverwandt) aber direkt das doppelte oder dreifache. Und so geht es eben immer weiter. Vielleicht in kleinen, aber am Ende bemerkbaren Schritten.

Ein weiterer negativer Aspekt: Man isoliert sich aus der Gesellschaft. Attillas Gerichte sind gut und schön und auch alle lecker, aber diese oder ähnliche in einem normalen Restaurant zu finden, ist fast unmöglich. Geht man auswärts essen, muss man schon arg auf der Karte suchen, bis man ein Gericht findet, in dem kein Milch- oder Eiprodukt zu finden ist. Meist endet man beim Salat (natürlich ohne Yoghurt-Dressing) oder bei den Vollkorn-Nudeln mit Tomatensauce. Auf Dauer kann das nerven.
Also ist man gezwungen, selber für seine Mahlzeiten zu sorgen – okay, nicht das schlechteste, aber es ist eben zeitaufwändig. Keine Kantine, kein Snack von der Frittenschmiede oder keine Pizza mehr, dafür dann Gemüseauflauf oder Tofuburger. Wie gesagt, schmeckt alles – aber man muss es eben machen. Mal macht das Spaß, mal nervt es aber auch zu Tode. Und: Man zwingt zum Teil auch seine Umwelt dazu, den Spaß mitzumachen und extra für die Veggies zu kochen – oder man isst eben nix. Ist man eingeladen, wie zB in der Vorwoche, und es gibt Kuchen und Abends Chili con carne, steht man blöd da, man kommt ja nicht mit der Tupperdose auf ne Party.

Genau da habe ich für mich gesagt, dass irgendwo der Spaß aufhört. Soll ich, weil ich nicht anders essen kann, verhungern? NEIN! Natürlich hätte ich mich zu Hause hinstellen können, mir meinen eigenen veganen Kuchen backen und mir mein Chili sin carne zaubern können – aber will ich das? Nein, ich will mich auch einfach mal hinsetzen und Mensch sein dürfen. Zum Menschen gehört es nach meiner ureigenen Meinung, sich auf einem normalen Level auch von tierischen Produkten ernähren zu können. Eine Kuh hat einen Euter, aus dem Milch kommt – dafür hat sie diese Fähigkeit, genauso wie ein Huhn Eier legen kann. Diese Fähigkeiten sind gott – und/oder naturgegeben, soll jeder entscheiden, wie er möchte.

Und wenn jeder ein wenig darauf achtet, dass das Huhn in einer anständigen Lebensumwelt sein Ei legt und die Kuh nicht ausgebeutet wird, ist es auch gut. Ob man diese (und andere) Tiere essen möchte, lasse ich dahin gestellt, das (und auch die vegane Lebensweise) muss sowieso jeder für sich entscheiden.

Die größte Frage, die ich ja bei der ganzen Geschichte hatte, war, wie es sich auf den Sport auswirkt. Ist mein Körper trotzdem zu anstrengenden Einheiten in der Lage oder bricht er wegen der Ernährungsumstellung ein bzw. verbessert er sich? Ich muss sagen, dass ich keinen Unterschied festgestellt habe – ich konnte schnell und langsam laufen, lang und kurz, hoch und runter. Es gab weder positive noch negative Auswirkung, die ich hätte feststellen können. In dem Sinne, war es also fast egal…aber darum ging es ja auch nicht primär.

Und damit endet nun meine dreiwöchige vegane Phase – wie vorher beschlossen, wenn es mit den Weihnachtsfeiern losgeht. Heute gibts dann im Brauhaus zum Bier (das übrigens, sofern nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut, vegan ist) ein saftiges Steak. Ich freue mich. Abschließend kann ich sagen, dass ich einmal, beim besagten Geburtstag, den Joker ziehen musste. Ich habe zudem einen Kakao getrunken, auf dem Sahne war. Hätte ich den, nur wegen der Sahne, zurückgeben sollen? Und dann fiel mir auf: In Kakao ist ja auch Milch – verdammte Axt 😉

Eine Antwort

  1. super, dass du offen warst eine andere form der ernährung auszuprobieren.

    ich selbst ernähre mich jetzt auch etwa einen oder vielleicht auch zwei monate vegan. größtenteils, denn ich möchte mich ebenso wenig ausgrenzen oder zu besuch sagen „nein, das und das und das esse ich nicht“. also habe ich für mich entschieden, ausnahmen zu machen.

    ich gestalte meinen alltag vegan (und ich empfinde es nicht als soviel kostenintensiver!) und esse wenn ich auswärts bei freunden und familie bin, was auf den tisch kommt oder was eben geht.

    ich lehne es nicht grundsätzlich ab fleisch zu verzehren, aber was ich daneben finde, ist die massentierhaltung in der höchsten form. und ich habe kein interesse an nahrungsmitteln die „überzüchtet“ sind und mir im zweifel mehr schaden als gut tun. auch wenn ich für gesundes und tiergerechtes mehr geld in die hand nehmen muss – das bin ich mir und ist mir meine umwelt wert. nicht immer, aber immer öfter.

    29. November 2013 um 17:12

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