Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Bashing in der Laufguru-Szene

Während wir Seidenraupen uns akribisch auf die kommenden Marathon-Läufe vorbereiten (Teilnahmen u.a. in Berlin, Zeeland, Köln), absolvieren wir bekanntlich viele Laufkilometer. Der eine läuft einfach drauf los, andere wiederum bemühen sich vorgeschriebener Pläne. Die gibts im Netz oder in Büchern, mal spartanisch auf die Kilometer und Intensität beschränkt, mal ausgeschmückt mit Ernährungsplan und allem Pipapo. Eva zB hält sich fest an einen Plan von Mocki, Mitch vertraut dem Steffny-Plan, dem ich seit Jahren erfolgreich folge, und Henne kloppt bekanntlich einfach so Kilometer um Kilometer. Ans Ziel kommen wir eigentlich alle – und zwar auch zu den Zeiten, die wir uns vorstellen, zT sogar besser.

Umso erstaunlicher jetzt das von meiner Seite unnötige Bashing von Lauf-Guru Peter Greif. Er zitiert in seinem jüngsten Newsletter in einem Artikel über die Marathonszene in den USA einen dort beheimateten Läufer: „Über die letzten Jahre hatte ich auch immer wieder die neueste Literatur in Sachen Langstreckentraining in USA gelesen und es fiel mir auf, dass nach Jahren der „Weicheierei“ durch Autoren wie Hal Higdon und Herbert Steffny diese aktuellen Publikation, wenn sie auch nicht einer einheitlichen „Schule“ entspringen, doch erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem Countdown-Plan haben“, lässt er einen Menschen namens Christian zu Wort kommen. Nun muss man wissen, dass Peter Greif in seinen Plänen, anders als Steffny (Higdons Pläne kenne ich nicht), auf eine strukturierte Endbeschleunigung baut. Auch die Greifschen Pläne kenne ich nicht genau genug, um darauf einzugehen, das soll auch nicht Thema sein.

Was mir missfällt, ist der Umstand, dass Greif das Zitat von Christian unkommentiert stehen lässt, damit quasi übernimmt und die Higdon/Steffny-Pläne als Weicheierei abstempelt. Warum er das tut? Keine Ahnung, nötig hat er das nicht. Denn: Gibt es den einen, perfekten Plan? Was ist so schlimm daran, wenn der eine Plan so aussieht, wie er aussieht, und der andere anders? Und noch ein anderer ganz anders? Wenn alle Pläne aufgehen, ist es doch alles andere als schlimm. Ein Bashing in der Lauf-Guru-Szene darüber, wer nun den besten Plan hat, ist alles völlig fehl am Platze – mehr noch:

Im Grunde sollte sich jeder seinen für sich machbaren Plan suchen und ihn hier und da auf seine Gegebenheiten anpassen. Nicht jeder hat am Wochenende Zeit für die langen Läufe, dafür aber in der Woche. Manch einer baut gerne ein hüglige Etappe ein und verzichtet dafür auf einen anderen Inhalt. Und wieder andere laufen gerne länger im Schwellentempo, als Intervalle zu bolzen. Erlaubt ist, was zum Ziel führt.

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