Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Running in Thailand: UFF!

Für jeden Läufer ist es ein Genuss neue Wege einzuschlagen. Aus diesem Grund habe ich bei jeder Reise die Laufschuhe mit dabei, um so die Gegend zu erkunden. Zumeist macht das Spaß. Dies kann ich für meinen letzten Trip nicht behaupten: Es ging nach Thailand – und es war aus läuferischer Sicht eine mittelschwere Katastrophe.

 

Homebase unseres dreiwöchigen Aufenthalts war Bangkok, die neue Heimat unserer guten Freunde Anja und Björn nebst Rasselbande und gerade im April und Mai mit bis zu 38 Grad kein wirkliches Zuckerschlecken. Von dort stand das Insel-Hopping Koh Tao, Koh Panghan und Koh Samui an, weiter nach Hua Hin und dann zurück nach Bangkok. Ziel war, zumindest einmal an jedem Spot die Schuhe auszupacken und ein paar KM abzuschrubben. Die schon erwähnten schwierigen klimatischen Bedingungen ließen eine einigermaßen sportliche Betätigung aber kaum zu. Respekt an alle Thais, die es schaffen, sich bei diesen Temperaturen läuferisch zu betätigen, für mich war es definitiv zu viel.

Der erste Lauf sollte mich mit Björns Nachbarn Matthias in zwei benachtbarte Parks führen. Über die auch schon um 7 Uhr morgens sehr belebte Sukhumvit ging es zunächst in den Benchasiri Park. Schon zu früher Morgenstunde tummelten sich hier Sportler aller Couleur: Fitness-Enthusiasten, Footvolley-Spieler, Basketballer und eben Läufer, die den kleinen Park auf einer asphaltierten 600 Meter-Bahn umrunden können. Nicht ganz so interessant, dafür aber schattig gelegen. Der Benjakitti-Park kommt da schon mit anderen Dimensionen daher: Den großen See umläuft eine ebenfalls asphaltierte 2KM-Runde, die Spaziergänger, Läufer und Radler auf getrennten Spuren nutzen können. Hier zu laufen, ist schon fast Luxus: Freie Bahn und guter Asphalt, dazu einige schattige Passagen.

Auf den Straßen von Bangkok bzw. auf den Bürgersteigen zu laufen, gleicht dagegen einem Spießrutenlauf. Es ist schon frühmorgens megavoll: Nicht nur Fußgänger, sondern auch Radler und Moped-Fahrer kommen einem entgegen. Grundsätzlich bestehen motorisierte Verkehrsteilnehmer in Thailand darauf, Vorfahrt zu haben (und untermalen das mit einem kleinen Hupton), übrigens vollkommen unabhängig davon, ob sie sich auf der Straße oder auf dem Bürgersteig befinden. Hinzu kommt, dass sich die Bürgersteige in einem mehr als dürftigen Zustand befinden: Schlaglöcher und bröcklige Senken sind normal und lassen einen wie ein Flummi hin- und herspringen. Wie auch immer: Auf einen vernünftigen Lauf kommt man in diesem Gewimmel kaum, lediglich in den Parks kann man etwas beschleunigen, sofern es die Temperaturen zulassen. Einen Versuch, 1000m-Intervalle einzubauen, habe ich nach zweieinhalb KM abgebrochen, weil es einfach zu warm war und der Kreislauf in die Knie ging. Positiv: Ein Zwischenstopp ist immer drin: Um 8 Uhr erklingt die König-Huldigungs-Ansprache. Heißt: Für eine Minute stillstehen, andächtig in die Ferne blicken und Luft holen.

Vor andere Probleme wurde ich bei der Einheit auf unserem ersten Eiland Koh Tao gestellt. Der Wecker klingelte diesmal bereits um 6 Uhr, geplant war eine West-Ost-Kreuzung der Insel, evtl. mit Abstecher in den Norden. Weg vom Sairee-Beach sollte es zunächst rund 3,5 KM zur Hin Wong-Bay gehen. Die Entfernung an sich stellte sich als kein Problem dar, kniffliger waren da schon die heftigen Anstiege, auch wenn es „nur“ über 300 Meter Hügel ging. Für einen besonderen Thrill sorgte die Begegnung mit einer Wildschweinfamilie. In Deutschland nimmt man bekanntlich besser Reißaus, wenn einem ein ausgewachsenes Wildschwein mit zahlreichen Frischlingen begegnet. Und so bewaffnete ich mich für den Fall einer Attacke mit einem Bambusknüppel, um die Familie passieren zu können (die Alternative wäre ein U-Turn gewesen). Doch weder Mutter noch Nachwuchs kümmerte es, dass ich an ihnen vorbeihuschte.

Den Weg zeigte mir mein Telefon, versehen mit einer Offline-OSM-Karte – und ich hätte zumindest überlegen sollen, ob ein gestrichelter Weg die beste Lösung sei, wenn schon die eingezeichneten Wege und Straßen schlechte Bedingungen aufwiesen. Aber egal, dachte ich mir, ein wenig Trailrunning in Thailand kann ja nicht schaden. Warum der Weg aber tatsächlich nur als „gestrichelt“ daherkam, wurde mir recht bald bewusst. Aus der Schotterpiste wurde ein Trampelpfad, aus dem Trampelpfad ein undurchdringbares Etwas, das mich zwischenzeitlich eher zum Klettern als zum Laufen trieb. Leider war es mir dabei nicht vergönnt, irgendwelche besonderen Tiere zu sehen. Die ursprünglichen Bewohner der Insel haben sich schon lange in die entlegensten Ecken verzogen, in die der Mensch nicht vordringt. Bis wohin er kommt, ist aber auch fernab touristischer Ströme ersichtlich. Nämlich dann, wenn sich plötzlich wilde Müllkippen und Geröllhalden auftun. So entspannt und cool die Thais sein können, so unglaublich ist ihr Umgang mit Müll und sonstigen Abfällen. Getreu dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ wird leider häufig einfach nur weggekippt, wo man es dann nicht mehr sieht. Nun, irgendwann drei KM später hatte ich endlich wieder Asphalt unter den Füßen. Da der Planet mittlerweile wieder unerbittlich brannte, wählte ich, statt des Ausflugs in den Norden, den Heimweg. Die sicherlich beste Entscheidung, denn mein Körper verlangte nach Wasser, welches ich natürlich am Morgen im Hotelzimmer vergessen hatte.

Der nächste Lauf stand dann auf Koh Panghan an. Diesmal wählte ich den Abend, der allerdings kaum Abkühlung gebracht hatte. Da ich aber noch ein paar Strände auskundschaften wollte, raffte ich mich auf, ohne daran zu denken, dass sich unser Ort in den Abendstunden zu einem großen Nachtmarkt verwandeln würde. Es dauerte daher rund eine Viertelstunde, bis ich schließlich den Strand erreicht hatte. Mittlerweile war die Sonne aber schon im Meer versunken, und es ging mehr darum, im Dämmerlicht nicht auf irgendwelchem Strandgut auszurutschen, als um die Erkundung der Region. Irgendwann war es so dunkel, dass mir nichts anderes blieb, als zurück zur Straße zu kehren. Der natürliche Drang zur Toilette trug dazu bei, dass die letzten drei KM zu keinem großen Genuss wurden.

Auf Koh Samui hielt es uns wegen des miesen Hotels nicht lange, weswegen die dort geplante Einheit in Hua Hin auf dem Laufband nachgeholt wurde. Hier nutzte ich einen Tag später auch einen kühlenden Regen zu einem längeren Lauf am Strand. Fester Sand, eine feine Brise. Toll und das erste und einzige Mal erfrischend.

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Zurück in Bangkok zog es mich noch einmal in den drei Kilometer entfernten Benjakitti-Park, was auch gleichzeitig das Ende meiner Lauferfahrung in Thailand sein sollte. Fünf Einheiten in drei Wochen > Wahrlich keine Höchstleistung, was unter den Verhältnissen aber auch nicht ausbaufähig war. So konnte ich aber auch mal ein wenig relaxen, ehe nun der Vorbereitungs-Endspurt auf den Marathon in Mönchengladbach beginnt. Hossa!

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