Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Puh – wat nen Rennen in Zeeland

So, für die Seidenraupen Eva und Manu ist der Herbst-Marathon geschafft. Nachdem Eva vergangene Woche erfolgreich den Berlin-Marathon gelaufen ist, ging es für mich am Samstag beim Zeeland-Kustmarathon um die Wurst bzw. über Dünen, Strand und damit Natur pur. Nach extrem schwierigen 3:36:15 Stunden war ich endlich im Ziel – es dürfte einer der härtesten Marathons gewesen sein, die ich bislang absolviert habe. Mit der Zeit kam ich auf Platz 137 (von 1383 Finishern, insgesamt gingen 1500 Läufer an den Start) und wurde 38. in der Haupt-Altersklasse (von 182.), also ganz okay. Der Sieger, Huub van Noorden aus Goes (also direkt um die Ecke) finishte in 2:40:51 Stunden (und hatte im Ziel noch Power für drei Radschläge), die beste Frau, Anjolie Engels aus dem benachtbarten Middelburg, gewann in 3:11:32 Stunden.

Die Idee, diesen Marathon zu laufen, entwickelte sich in den vergangenen Jahren immer dann, wenn ich am Strand gelaufen bin – zumeist sogar in Zeeland. Vor einigen Wochen hatte ich gar die Möglichkeit, ein paar Abschnitte selber kennenzulernen, beste Vorbereitungsverhältnisse also. So waren mir die ersten fünf Kilometer nach dem Start in Burgh bekannt und auch einen Abschnitt am Versemeer war ich schon einmal gelaufen.

Los gings um 12 Uhr bei super Wetter: trocken, kein Wind, 17 Grad. Durch meine Vorkenntnis wusste ich, dass es flott losgeht: Erst durch die Stadt, und nach einem Kilometer dann in den Dünenpark von Westenschouven.
Das wellige Terrain ließ sich gut laufen, fast hätte es mich aber schon nach dem vierten Kilometer erwischt, als ich mich in einem Sandloch vertrat – doch ich hatte Glück, es konnte weitergehen. Kurz danach warteten die ersten 1,5 Kilometer Sand auf uns. Ich hatte bei der Startzeit ja gedacht, dass diese bewusst so gewählt war, dass wir die Möglichkeit hätten, bei Ebbe auf recht hartem Sand zu laufen – aber keine Chance. Zwar waren ein, zwei Meter am Wasser härter, aber die Flut holte sich auch die recht bald zurück. Also: Kämpfen. Nicht einfach, aber irgendwann geschafft (zu den Fotos oben: die Strandbilder vom Abschnitt Domburg stammen aus dem Trip vor einigen Wochen, so sah das Meer am Samstag leider nicht aus)
Und dann ging es schließlich auf den Piljerdam, auf dem ich schön in mein Temmpo zurückfand. Ich hatte mir überlegt, die erste Hälfte in gemütlichen 4.30 min/km im Schnitt zu laufen, was mit einer leichten Tempoverschärfung hier nun prima klappte. Die verlorenen Minuten, die im Sand stecken geblieben waren, kamen mühelos zurück. Auch dank der vielen Zuschauer, die einen überall lautstark emofingen. Eva hatte sich diesmal mit einer Kuhglocke ausgerüstet und war demnach schon immer hunderte Meter im voraus zu hören: cool! Danke für den Support. Auch die Tröten der Niederländer waren megalaut, an vielen Stellen herrschte Atmosphäre wie bei Alp d`Huez.
Nach dem Damm heißt vor dem Strand. Ab Kilometer 19 warteten knackige acht Kilometer – eine Herkulesaufgabe. Natürlich schraubte ich ein wenig das Tempo zurück und versuchte mich, an den Vorläufern zu orientieren. Die waren aber mindestens genauso planlos wie ich: mal nach links, dann wieder nach rechts. Eine richtige Ideallinie gab es eben nicht, auch hier war harter Sand Mangelware. Blöd, denn zu viel Zeit will man ja hier nicht vertrödeln. Es war also defintiv kein entspannter Lauf, wie wenn man sonst am Strand lockerflockig unterwegs ist – davon konnte am Samstag nicht die Rede sein.
Nach endlosen acht Kilometern Sand, Sand und nochmal Sand durften wir dann endlich wieder runter vom Strand. Beim Pirat tobte der Mob, wow! Schon nach wenigen Metern merkte ich, dass es recht schwierig werden würde, jetzt wieder in das 4.30er-Tempo zu kommen – wenig später die Erkenntnis, dass dies leider unmöglich bleiben wird. Die acht Kilometer am Strand hatten nicht nur extrem viel Körner gekostet, sondern auch den Körper gefordert. Mein Bauch war zum Bersten angespannt, auch der Rücken meldete sich und die Beine, vor allem die Knöchel, wollten einfach nicht mehr in den lockeren Modus zurück. So ging es zwar nicht mehr so flott, aber immer noch in einem 4.50er-Schnitt, weiter. Leider gingen die Bauchprobleme auch nach einigen Kilometern nicht weg, weswegen ich jetzt deutlich herunterschraubte, um nicht gänzlich abreißen zu lassen. Es tat zwar schon weh, einige Läufer passieren zu lassen, die man vorher spielend stehen gelassen hatte, aber was solls. Rennen nach Hause bringen, das war jetzt angesagt.
Gemeinerweise hatten die Veranstalter jetzt, ans Ende des Rennens, einige mächtige Hügel (in Krefeld wären es Berge gewesen) eingebaut, sogar Treppensteigen war angesagt. Auch sonst ging es immer wieder auf und ab. Zwar nicht viel, aber ein ständiges Rauf und Runter, auch wenn es nur fünf Meter sind, kann einen schon aus dem Rythmus bringen.
Der war dann spätestens nach KM 40 gänzlich weg, als es wieder auf den Strand ging. Hier begrub ich dann auch das durchaus realistische Vorhaben, unter 3.30h zu finishen. Denn zusätzlich zu dem Sand kam jetzt hinzu, dass man sich alle 200 Meter durch eine Holzsperre schlängeln musste. Heißt: Tempo runter, durchzwängen, Tempo wieder hoch. Was solls, das Ziel, zwischen 3.30 und 4h zu benötigen, hatte ich ja locker im Sack. Also hieß es aber hier nur noch genießen! Oben auf dem Deich bimmelte auch schon wieder Eva, die Ziellinie war also nah. Nach einer kleinen Ehrenrunde ging es dann runter in den Hexenkessel von Zouterlande, wo die Zuschauer noch einmal richtig Gas gaben: sensationell, wie jeder Läufer zunächts mit Fähnchen bestückt und dann beim Zieleinlauf gefeiert wurde…super Sache.

Am Ende muss ich sagen: Toller Lauf, der den Körper aber immens fordert, noch heute schmerzen die Knöchel und der Rücken. Aber die Landschaft ist grandios und die Zuschauer sowieso, was also mindestens für die Qualen entschädigt…wie schwierig der Kust-Mararthon zu laufen ist, zeigt vielleicht auch der Umstand, dass der Top-Favorit bei den Männern nach rund 30 Kilometern mit Krämpfen aufgeben musste (allein dafür lohnt sich der Film unten).

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