Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Rückblick auf den Istanbul-Maratonu

Zwei Tage nach dem Marathon in Istanbul hat der Veranstalter (wenn auch nur auf seiner türkischen Seite) die Ergebnislisten veröffentlicht. Und damit für eine Überraschung gesorgt. Hier gibts einen kurzen Rückblick.

Fotos: Vodafone Istanbul Marathon/ privat

Denn Marcus Noack, der sich beim 15km-Lauf mit einer Sekunde vor seinen Kameraden Ali Celik und Aki Kahder sah (und dafür berechtigte Kritik einstecken musste), ist zeitgleich mit den beiden anderen eingelaufen – er war zwar tatsächlich eine Sekunde vor den beiden im Ziel, aber auch eine Sekunde vor ihnen gestartet. Netto beträgt die Zielzeit bei dem Trio also gleichsam 1:27:42h, was sie im Männer-Ranking auf Platz 1769 (3695 Finisher) und im Gesamt-Klassement auf Platz 2132 (Finisher 4979) bringt. Ihre Splits: 13.7 km/h AvgSpeed 1:27:42 Mattime 1:31:28 Guntime 0:03:45 Start 0:34:38 5km 1:03:28 10km 1:17:20 14km 1:31:28 Finish. Wie schon erwähnt, nutzten die Drei ihre Bummeltour über die Bosporus-Brücke und Istanbul für eine ausgedehnte Foto- und Selfie-Tour.

Dieses Vorhaben hatten auch zahlreiche Starter des 10km-Laufs: „Auf den ersten zwei Kilometern war an Laufen eigentlich nicht zu denken. Auf der Strecke waren Fußgänger mit Kinderwagen, Leute in Alltags-Klamotten, die einfach nur ein wenig über die Brücke flanieren wollten“, berichtete Seidenräupchen Eva nach dem Slalomlauf, an dem sich auch Nurten beteilgte. Eva kam als 48. Dame (2508 Finisherinnen) und Gesamt-388. (5931 Finisher) in 54:22min ins Ziel. Nurten wurde in 1:03:02h und PB bei den Frauen 267. und Gesamt-1294.

Bei den zwei Marathonis gab es eine klitzekleine Enttäuschung. Trotz bärenstarker Vorbereitung schaffte es Adam Mielech nicht, seine Zielzeit von 3:15h zu erreichen. Er landete am Ende in 3:20:16h auf Platz 181 bei den Männern (2309 Finisher) und im Gesamt-Klassement auf Rang 195 (2728 Finisher). Damit schrammte er auch an seiner PB von 3:18h vorbei. Deutlich zufriedener war dagegen Seidenraupen-Chef Manuel Kölker, der in 2:58:40h zwar ebenfalls keine PB erreichte, dafür aber das Ziel, erneut unter 3h zu bleiben, erreichte. Und auch sein zweites Vorhaben, unter die ersten 100 zu kommen, gelang. Er wurde am Ende 41. schnellster Mann (Gesamt 47.).

Die Splits der beiden (42 km Pl Bib Name Distance AffiliationCategory Mattime Guntime Start 5km 10km 14km 15km 20km 21.1km 25km 28km 30km 35km 40km Finish):

181/2309 (195/2728)   5105 ADAM MIELECH Marathon ALM M45-49 3:20:16 3:20:34 0:00:17 0:22:45 0:45:12 1:03:57 1:07:59 1:32:15 1:35:45 1:53:22 2:09:18 2:17:38 2:44:44 3:09:08 3:20:34

41/2309 (47/2728)  3861 MANUEL KÖLKER Marathon GER M35-39 2:58:40 2:59:11 0:00:31 0:21:30 0:42:11 0:59:15 1:02:58 1:25:19 1:28:30 1:44:36 1:58:41 2:06:02 2:29:13 2:49:29 2:59:11

Der Rückblick

Müde gelächelt hatten wir noch vor wenigen Tagen, als wir über die leider mangelhafte Website des Marathons sprachen. Auch die Anmelde-Prozedur war nicht ganz einfach und stellte uns vor einigen Monaten vor eine größere Prüfung. Eine Prüfung, die einer nicht bestehen sollte…Etwas stutzig waren nämlich Adam und ich auf der Marathonmesse, als wir zwar meinen Namen auf der Wand der Marathonis entdeckten, Adams aber fehlte. Bei der Abholung der Nummern dann das böse Erwachen: Adam war gar nicht angemeldet. Wie sich später herausstellte, hatte er wohl im letzten Schritt seine Kontodaten nicht bestätigt und damit nicht bezahlt. Glücklicherweise konnte er sich allerdings noch nachmelden.

Danach ging es in unser Domizil für die kommenden Tage, das Dilhayat Hotel in der Altstadt – super zentral gelegen und durch uns komplett gebucht. Nach dem Checkin stand natürlich die erste Runde der Sightseeing-Tour auf dem Plan. Die fußläufig zu erreichende Blaue Moschee wirkte imposant, in ihrem Schatten sollten wir am Sonntag einlaufen. Tag1 war mit knapp 15km Fußmarsch noch human, Tag2 artete dann etwas aus, es wurden knapp 18km, auf denen wir viel aßen, die Hagia Sofia, Zisterne, Leander-Turm und mehrere Basare sahen. Alles perfekt ausgearbeitet von Ali, der uns super durch die Stadt führte. Kurz vor dem Ende des Tages entschied sich Eva, für Sandra zu starten, die auch aufgrund der Vorfälle in Paris nicht starten wollte.

Raceday

Tag3 war dann Raceday. Quasi mit dem Muezzinruf um 5.45h fielen wir aus dem Bett, erstmal ans Frühstücks-Büffet. Um 7 Uhr verließen wir dann merklich angespannt das Hotel, puh ist das früh…die Busse holten uns an der Hagia Sofia ab, von wo es dann rund 30 Minuten zum Start im asiatischen Teil der Stadt ging. Blöd, wenn sich dabei diverse menschliche Grundbedürfnisse bemerkbar machen, man direkt nach Ankunft aus dem Bus zum nächsten Busch rennt und quasi unmittelbar vor dem „Geschäft“ von einem bewaffneten freundlichen Mitarbeiter der Ordnungsbehörden zum sofortigen Verlassen dieses Plätzchens aufgefordert wird. 😉 Schnell hatten wir jedoch andere Büsche gefunden, die alsbald auch von zahlreichen weiteren Läufern zweckentfremdet wurden.

Dann wurde es hektisch – schließlich mussten die Kleiderbeutel noch zu den Abgabestellen, die jedoch gar nicht so einfach zu erreichen waren. Von dort ging es in den Startblock, der leider nicht nach Leistungsklassen unterteilt war. So stand recht neben mir ein sehr netter, jedoch auch sehr korpulenter Mensch, der nie im Leben einen Marathon unter 3h laufen würde. Genauso wenig wie die vor Aufregung zitternde junge Dame links neben mir. Warum sich solche Läufer immer zwingend in die ersten Blocks einreihen, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Besonders schön ist es ja nicht, dauernd und von jedem überholt zu werden…

So galten die ersten 1500 Meter eher der Kategorie „Ausweichmanöver, Tanker voraus“, ehe es dann irgendwann ging. Den 3h-Ballon hatte ich stets im Auge, auch wenn er zwischenzeitlich mal eine ganze Ecke weit voraus schien. Nicht zu verachten waren zu Beginn die doch recht heftigen Gefälle (nach oben und nach unten), die einen nicht wirklich in einen Rythmus kommen ließen.

Dann aber lief es wie geschmiert, die Zwischenzeiten stimmten und die leider nur punktuell angesammelten Zuschauer sorgten für eine gute Stimmung. Kurz nach der Galatabrücke war für die Zehn-Kilometer-Läufer schon Schluss, für alle anderen ging es entlang des Meeres weiter . Hier griff ich mir dann den 3h-Ballon, der rund eine halbe Minute vor mir gestartet war – ein gutes Gefühl. Auch die vielen Läufer, die ich kassieren konnte, gaben mir eine ziemliche Gewissheit, einen guten Tag erwischt zu haben.

Kurz nach dem Wendepunkt sah ich Adam, der wenige Sekunden nach dem 3.15h-Ballon lief. Sah gut aus, hoffentlich packt er es endlich mal, so meine Gedanken, die wenig später Bestürzung weichen. Wer zur Hölle hat sich denn kurz nach dem Ziel für die 15km-Läufer diesen riesigen Berg in die Stadt gesetzt? So weit das Auge reicht: Höhenmeter. Naja, vielleicht nicht so extrem, aber schon heftig. Puh, beißen. Zwei sehr fitte Jungs zogen an mir vorbei, als ob ich stehen würde, dabei zeigte meine Uhr immer noch einen KM-Schnitt von 4.30min. Das würde natürlich nicht ausreichen, um unter der 3h zu bleiben, aber getreu dem Motto „Wo es rauf geht, geht es auch wieder runter“ hieß es, kämpfen bis der Berg überwunden war. Das war nach einem riesigen Viadukt der Fall, jetzt ging es erst einmal abwärts und auf den quälend langen und leider sehr tristen Teil der Strecke. Zwischen km20 und 40 mussten wir nun auf ein und der selben Straße entlang des Meeres laufen. Wären es jetzt traumhafte, malerische Buchten, wäre dies vielleicht noch recht attraktiv, doch Baustelle an Baustelle reihte sich…gähn!

Gerade in solchen Momenten horcht man in seinen Körper, reicht es, wird es reichen? Was sagt der Kopf, wie fühlen sich die Beine an? Gut, sehr gut. Ich spürte zwar ab km32 ein leichtes Zwicken im Oberschenkel, sah aber beim Blick auf die Uhr, dass ich gut in der Zeit lag. Für eine neue PB müsste ich jetzt richtig Gas geben, aber das war ja eigentlich nicht mein Ziel. Warum also das eigentliche aus den Augen verlieren, wenn es doch so einfach zu greifen ist? Ich beließ es dabei, schaltete ein wenig zurück und ging auf einen bequemen 4.20er-Schnitt.

Wie es wohl Adam geht? Ich hatte ihn kurz nach der Wende noch einmal gesehen, von den Ballons fehlte da aber jede Spur (später erfahre ich, dass sie geplatzt waren). Er sah zwar gut aus, einschätzen konnte ich seine Zeit in dem Moment aber nicht. Dank meines Laufs am Vortag wusste ich ungefähr, wie weit die Strecke sich noch um das Goldene Horn ziehen würde, und da war es auch schon, das 40km-Schild. Ab hier heißt es für mich Vollgas, alles rausholen, was noch geht.

Die Strecke führte die Läufer in den Topkapi-Park, den wir schon erwandert hatten, auch hier wusste ich also, was mich erwartet. Das sehr wellige Terrain nahm ich gar nicht mehr wahr, spätestens beim Verlassen des Parks standen nämlich die Zuschauer dicht gedrängt an der Straße, die jetzt noch einmal steil nach oben ging. So richtig gespürt habe ich das nicht mehr, dafür waren die Endorphine zu hoch. Passend dazu rief der Muezzin zum Mittagsgebet, der Krefelder Fanclub schrie schon von weitem, 400m, 300m, 200m, 100m. Das Ziel! Geil. Handgestoppt 2:58:43h, Kameras um mich herum (was aber eher daran lag, dass ich weit und breit der einzige Läufer war).

Die letzten 1,5km haben noch einmal die davor liegenden wettgemacht, aber wer Sightseeing und Stimmung nonstop braucht, wird diese Passage der Strecke verteufeln. Wer dagegen einsame Straßenläufe präferiert, wird sie lieben. Für mich war es okay, wenn auch nicht berauschend.

Adam wird sein Ziel, wie oben geschildert, knapp verfehlen. Doch am Ende des Tages sind wir alle glücklich und genießen den Tag in der mondänen 360 Grad-Bar in Beyoglu.

 

 

 

 

 

 

 

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