Wir laufen und laufen und laufen und laufen

Der große Rückblick – Teil III: Die Mitstreiter

Ein Event wie der Transalpine Run lebt natürlich von den Leuten, die daran teilnehmen. Gerade bei einem solch intensiven Wettkampf ist es wichtig, dass die Stimmung innerhalb des Läuferfeldes positiv ist, um sich so gegenseitig zu motivieren. Eines vorab: Wenn das Miteinander aller Volksgruppen immer so wäre wie beim TAR, hätten wir einige Probleme weniger. Es war einfach toll zu sehen, wie die Sportler miteinander umgegangen sind. Man konnte keine Minute am Wegesrand stehen ohne die Frage gestellt zu bekommen, ob alles gut sei, bei Überholmanövern wurde der Überholte angefeuert und motiviert, egal ob es ein Israeli, ein Grieche, ein Spanier, ein Deutscher oder sonst wer war, ein wirklich tolles Gruppengefühl! Selbst als wir beim Abstieg der dritten Etappe von einem Holländer überholt worden sind haben wir nicht zur Blutgrätsche angesetzt, ganz im Gegenteil, bei Etappe 4 haben wir sogar einen Laufkollegen aus dem geliebten Nachbarland mit in’s Ziel gezogen 😉

Nun aber zu den Leuten, die uns besonders aufgefallen sind:

Die Aussies

Man stelle sich vor: Du verlierst deinen Job, weil irgendwelche Investoren eine globale Krise auslösen. Genug Grund, um zu verzweifeln, genug Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Nicht so Tristan Miller. Der packt sprichwörtlich die Beine in die Hand und läuft. Und läuft. Und läuft. Und hört nicht mehr auf. 52 Marathons in 52 Wochen in 42 Ländern stehen am Ende eines absolut verrückten Jahres auf dem Zettel, Tristans Leben hat sich komplett verwandelt, er ist „run like crazy.“. „Ich arbeite nicht mehr, ich laufe nur noch“, erzählt er uns, während er mit seinem Lauf- und Schulfreund Scott Nathan beim Transalpine-Run läuft. Die Jungs sind fit, so viel ist sicher, haben aber auch ihre Schwächen. „Der eine ist am Berg stärker, der andere eher im Flachen, da ergänzen wir uns“, so Tristan in einem Englisch, das kaum zu verstehen ist. Was wir verstehen, ist aber Sotts Vorliebe für unsere schwarz-goldenen Adidas-Trainingsanzüge. „Diese Teile sind der Hit, fantastisch.“

Absolut fantastisch ist auch das Programm, das die beiden in den kommenden Tagen noch abspulen: Am Sonntag steht der Valmiere-Marathon in Lettland auf dem Programm, eine Woche später folgt der Oslo-Marathon, dann der Berlin-Marathon. Eine kurze Auszeit gibt’s dann beim Oktoberfest, ehe am 12. Oktober der Melbourne-Marathon gelaufen wird.

Beim TAR werden die beiden übrigens knapp vor uns 38. in der Männer-Klasse (Gesamt-115.) in einer Zeit von 53 Stunden und 41 Minuten. Mehr Infos gibt’s übrigens unter www.runlikecrazy.com.

 

Team Running Prezel

Was hatten wir für einen Spaß mit den Prezels. Wahnsinn. Harry und Koen, beide aus München und beide Personal Coaches, haben rund ein Jahr trainiert, um den TAR zu schaffen. Logisch, dass sie sich die Butter nicht  mehr vom Brot nehmen ließen und das Ding trotz großer Schmerzen nach Hause liefen. Immer mit dabei: Freundin Nici und der verbeinige Nachwuchs.

Das allein machte die beiden natürlich noch nicht zu einem tollen Duo, sondern vor allem ihre lockere und unbekümmerte Art, dieses Rennen anzugehen. Da, wo viele verbissen um Minuten rannten, ließen sie es easy angehen. Ankommen und nicht Letzter werden, so das erklärte Ziel. Da kann man auch mal ne Viertelstunde an der Verpflegungsstation verbringen und die Leute unterhalten – und auch an der nächsten und der übernächsten. Warum hetzen? Problematisch wurde es nur ab Etappe sechs, als Harrys Achillessehne so langsam aber sicher den Geist aufgab und auch die Knöchel mehr und mehr anschwollen. Irgendwann hieß es nur noch gehen bzw. traben, aber ankommen. Und das haben beide geschafft. 62 Stunden und 35 Minuten bedeuten Platz 47 bei den Männer und 163 im Gesamt-Ranking.

Eine Videodokumentation gibt es bei Sat1 Bayern, und zwar hier: http://www.sat1bayern.de/news/20120910/einmal-ueber-die-alpen-transalpine-run-2012/

 

Pfälzer Buwe

Christopher Herget (nicht verwandt mit dem Krefelder Fußballheld Matthias) und Franz Ritter haben sich langsam, aber sicher in das Rennen vorgearbeitet. Zunächst ließen sie es ruhig angehen, dann aber zündete vor allem Christopher die Rakete und riss Franz mit. Die beiden rannten fast um ihr Leben, so schnell waren sie, schade, dass am Ende auch der Körper streikte, denn Chris zog sich einen schmerzhaften Muskelfaserriss zu, der ihn zu einem deutlich gemächlicheren Tempo zwang.

Beide haben wir lieb gewonnen, da sie trotz sportlichen Ehrgeizes immer auch nen lockeren Spruch auf den Lippen hatten und einfach cool drauf waren.

 

Die Jungs aus der Heimat und die Sportlerfamilie

Kaum zu glauben aber wahr: Manu und ich waren nicht die einzigen, die es aus dem schönen Krefeld in die Alpen verschlagen hat. Es gab ein weiteres Team, das zumindest zu 50 % aus Krefeld stammte. Das Team Bittweg Alpin bestehend aus dem aus Krefeld stammenden Stefan und seinem Laufpartner Michael begleitete uns ebenfalls einige Kilometer. Später stieß noch Björn  aus Frankfurt zu diesem Team, nachdem sein Partner ausscheiden musste. Auch die drei sorgten dafür, dass der ein oder andere Kilometer etwas schneller verging.

Ebenfalls positiv aufgefallen ist uns ein Teil des Teams „die Ochsenköpfe“, die wir auf einem Campingplatz trafen. Der Tross (Vater, Sohn und 2 Töchter) sind die absoluten Sportkanonen und waren als sehr ambitioniertes Team unterwegs. Während unsere Regeneration mit der Einnahme von Erdinger alkoholfrei und Snickers beendet war, wurde nebenan noch auf der Rolle geklotzt. Äußerst ungewöhnlich für ein solches Team: Alle waren super nett und total bodenständig, quasi das genaue Gegenbeispiel zu unseren schweizer Freunden, die nichtmal die Tageszeiten sagen konnten, wenn man sie traf… Zum großen Glück von Manuel war eine Schwester Expertin im Taping, so dass das furchtbar hübsche Tape am linken Knie hier seinen Ursprung fand..

 

Michi

Leider kennen wir Michi nicht von der Strecke, sondern nur vom Massageraum. Hier bezirzte er uns mit seiner glockenhellen Stimme, seinem langen, wehenden Haar und seiner Grundehrlichkeit. Michi war nicht der Mann großer Worte und so endeten seine Sätze meist bereits nach dem ersten Wort, aber gerade dafür und für die Art diese Worte rüberzubringen mochten wir ihn… 😉 Er hätte die Massageflatrate (für lau) haben können, wollte sie aber nicht. Sondern wollte zahlen. Das nennen wir Fairplay. Toll, Michi.

 

Die Zausel

 

Nun aber zu unseren Lieblingen: Die Zausel. Als Nicht-Läufer fragt man sich sicherlicher „Zausel, wer oder was ist das“?!? Eine allgemeingültige Definition hierfür gibt es nicht, wer jedoch einen sieht weiß sofort was gemeint ist. Der allgemeine Zausel ist über 50 Jahre alt, hat meist einen Vollbart, ist sehr dürr, trägt grundsätzlich alte/verwaschene Finisher-Shirts (am liebsten von irgendwelchen Feld-, Wald- und Wiesenläufen) und kennt in seinem Leben eigentlich nur eins: das Laufen. Ein Zausel fällt meist schon optisch auf, indem er seine Trainingshose (sollte mindestens 10 Jahre alt sein) bis unter die Arme hochzieht. Das T Shirt muss grundsätzlich in die Hose gesteckt werden, gerne darf auch die Unterhose über das T Shirt und das Bündchen auch bis über die Trainingshose gezogen werden (vor allem, wenn man vor hunderten Menschen zur Siegerehrung auf die Bühne muss à so live zu sehen). Positiv am Zausel ist, dass er ein absolut lieber und netter Mensch ist, zwar recht ungesprächig dafür aber hochgradig ehrgeizig.

All diese Menschen sowie die hier nicht näher erwähnten Laufkollegen haben mit dazu beigetragen, dass das Event für uns ein unvergessliches Erlebnis bleibt, vielen Dank dafür!

 

In der nächsten Ausgabe werde ich dann einige Worte zum Wettkampf an sich und die Gedanken und Gefühle vor, während und nach den Etappen preisgeben.

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